Vegane Ernährung in der Schwangerschaft: Nährstoffe im Check

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Du lebst vegan und bist schwanger - oder planst es zu werden? Mit der richtigen Planung ist eine pflanzliche Ernährung in der Schwangerschaft sehr gut möglich. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt für vegane Schwangere eine individuelle Ernährungsberatung und regelmäßige ärztliche Kontrolle der Nährstoffversorgung - und genau dabei hilft dir dieser Guide als erster Überblick.

Was sagt die aktuelle Forschung?

Die DGE hat 2024 ihre Position zur veganen Ernährung grundlegend überarbeitet. Das aktualisierte Positionspapier hält fest: Bei einer gut geplanten veganen Ernährung mit gezielter Supplementierung kann eine ausreichende Nährstoffversorgung auch in der Schwangerschaft erreicht werden. Wichtig ist eine enge Begleitung durch Gynäkolog*in, Hebamme und idealerweise eine Ernährungsfachkraft.

Das Netzwerk Gesund ins Leben - ein Programm des Bundeszentrums für Ernährung - hat spezifische Handlungsempfehlungen für vegane Schwangere entwickelt, die konkrete Hinweise zu Supplementierung und Ernährungsplanung geben.

Die wichtigsten Nährstoffe

Vitamin B12 - unverzichtbar

Vitamin B12 ist bei veganer Ernährung zwingend zu supplementieren - das gilt besonders in der Schwangerschaft. Dein Baby bezieht seinen B12-Vorrat vollständig über dich, weshalb eine ausreichende Versorgung absolut entscheidend ist. Sprich mit deiner Gynäkologin oder deinem Arzt über die für dich passende Supplementierungsform. Unsere Übersicht zu Vitamin B12 gibt dir den wissenschaftlichen Hintergrund.

Folsäure - am besten schon vorher

Folsäure ist einer der bekanntesten Nährstoffe rund um die Schwangerschaft. Die gute Nachricht für Veganer*innen: Viele pflanzliche Lebensmittel - Hülsenfrüchte, dunkelgrünes Blattgemüse, Vollkornprodukte - sind reich an Folat, der natürlichen Form. Trotzdem empfehlen Ernährungsgesellschaften, bereits vor und während der Schwangerschaft ein Folsäurepräparat einzunehmen. Kläre das mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.

Omega-3-Fettsäuren (DHA) - für die Entwicklung

DHA, eine langkettige Omega-3-Fettsäure, spielt eine zentrale Rolle für die Entwicklung von Gehirn und Sehvermögen des Babys. Da DHA hauptsächlich in fettem Fisch vorkommt, ist für vegane Schwangere ein Algenölpräparat eine sehr gute pflanzliche Alternative - Algen sind schließlich die ursprüngliche Quelle, aus der auch Fisch seine Omega-3-Fettsäuren bezieht. Mehr dazu in unserem Artikel über Omega-3 vegan.

Eisen - kombiniert mit Vitamin C

Der Eisenbedarf steigt in der Schwangerschaft deutlich an. Pflanzliches Eisen (Non-Hämeisen) wird vom Körper weniger gut aufgenommen als tierisches - du kannst die Aufnahme aber deutlich verbessern, indem du eisenreiche Lebensmittel mit Vitamin-C-Quellen kombinierst (z.B. Linsen mit Paprika, Spinat mit Zitronensaft). Lass deinen Eisenwert regelmäßig kontrollieren. Linsen, Hülsenfrüchte, Tofu, Vollkornprodukte, Nüsse und grünes Blattgemüse sind deine besten Eisenlieferanten - probiere zum Beispiel unsere Kürbis-Kokos-Linsensuppe oder die bunte Gemüsesuppe mit Quinoa.

Jod - oft vergessen

Jod ist ein Nährstoff, der bei veganer Ernährung leicht zu kurz kommt, da jodiertes Milch und Meeresfrüchte als Hauptquellen wegfallen. In der Schwangerschaft ist Jod für die Schilddrüsenfunktion und die Entwicklung des Babys wichtig. Jodiertes Speisesalz und gegebenenfalls ein Präparat - nach Absprache mit deiner Ärztin - helfen hier weiter.

Calcium - für Knochen und Zähne

Calcium ist in der Schwangerschaft für die Knochenentwicklung des Kindes besonders relevant. Gute pflanzliche Quellen sind calciumreiches Mineralwasser, angereicherte Pflanzenmilch, Brokkoli, Grünkohl, Tofu (mit Calciumsulfat hergestellt) und Mandeln. Unsere Übersicht zu veganen Calciumquellen gibt weitere Tipps.

Vitamin D - Sonnenlicht und Supplement

Vitamin D ist bei allen Menschen in unseren Breiten ein Thema, besonders in den Wintermonaten. Da Vitamin D hauptsächlich über die Haut durch Sonnenlicht gebildet wird, ist ein Supplement - gerade in der dunklen Jahreszeit - für viele sinnvoll. Besprich den optimalen Wert mit deiner Ärztin.

Zink - reichlich in Hülsenfrüchten

Zink ist an vielen Prozessen im Körper beteiligt und auch in der Schwangerschaft wichtig. Vollkornprodukte, Nüsse, Kerne und Hülsenfrüchte sind gute pflanzliche Zinkquellen. Da Phytinsäure in Hülsenfrüchten die Zinkaufnahme etwas hemmen kann, hilft Einweichen und Keimen der Hülsenfrüchte, die Verfügbarkeit zu verbessern.

Protein - Vielfalt ist entscheidend

Mit zunehmender Schwangerschaft steigt auch der Proteinbedarf. Hülsenfrüchte, Tofu, Tempeh, Vollkornprodukte, Nüsse und Samen liefern hochwertiges pflanzliches Eiweiß. Die Kombination verschiedener Proteinquellen über den Tag hinweg stellt eine vollständige Aminosäureversorgung sicher - klassische Paare wie Reis und Bohnen oder Brot und Hummus machen das ganz natürlich.

Gut essen in der Schwangerschaft: Alltagstipps

Die vegane Ernährungspyramide gibt dir einen guten Überblick, welche Lebensmittelgruppen täglich auf deinen Teller sollten. Für Hinweise auf mögliche Mängel lies auch unseren Artikel über vegane Ernährung: Mangel-Symptome.

Rezepte für nährstoffreiche Mahlzeiten

Viele unserer Rezepte eignen sich wunderbar für eine nährstoffreiche vegane Schwangerschaftsküche - hier ein paar Ideen:

Fazit

Vegane Ernährung in der Schwangerschaft ist gut möglich und kann - bei richtiger Planung - alle nötigen Nährstoffe liefern. Der Schlüssel liegt in informierten Entscheidungen, regelmäßiger ärztlicher Begleitung und der gezielten Supplementierung der kritischen Nährstoffe wie Vitamin B12, Folsäure, DHA und Jod. Du musst das nicht alleine herausfinden - eine veganer*innenfreundliche Ernährungsberatung kann dir dabei sehr helfen.

Quellen: