Ist Lakritz vegan?

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Lakritz ist nicht automatisch vegan. Der Grundstoff, der Extrakt aus der Süßholzwurzel, ist pflanzlich. Ob eine Sorte vegan ist, entscheiden aber drei Dinge: Gelatine als Bindemittel, tierische Glanzwachse und Farbstoffe in bunten Mischungen.

Das steckt in klassischem Lakritz

Lakritz entsteht laut Wikipedia aus dem eingedickten Extrakt der Süßholzwurzel (Glycyrrhiza glabra). Dazu kommen Zuckersirup, Mehl und Gelatine, je nach Sorte auch Stärke, Agar, Anis, Fenchelöl, Pektin und Salmiak. Die tiefschwarze Farbe wird manchmal mit Pflanzenkohle (E 153) verstärkt.

Die Zutatenliste einer Sorte zeigt also schnell, wie sie gebunden ist: Gelatine ist tierisch, Stärke, Agar und Pektin sind pflanzlich. Gerade Letztere machen vegane Lakritzstangen und -schnecken möglich.

Gelatine ist der häufigste tierische Stoff

Gelatine gibt Lakritz die weiche, zähe Konsistenz. Laut Wikipedia werden etwa 80 Prozent der in Europa verwendeten Speisegelatine aus Schweineschwarten gewonnen, 15 Prozent aus Rinderspalt und 5 Prozent aus Knochen und Fisch. Die Übersicht dazu findest du im Artikel Gelatine im Überblick.

Vegane Sorten setzen stattdessen auf Stärke, Pektin oder Agar. Solche Rezepturen erkennst du daran, dass Gelatine in der Zutatenliste fehlt. Steht dort Gelatine, ist die Sache entschieden.

Glanzwachse: Bienenwachs, Schellack, Karnauba

Damit Lakritz nicht verklebt und glänzt, bekommt es oft einen Überzug. Hier trennt sich pflanzlich von tierisch:

Überzugsmittel Herkunft Vegan?
Karnaubawachs (E 903) Blätter der brasilianischen Karnaubapalme Ja
Gummi arabicum (E 414) Harz der Akazie Ja
Bienenwachs (E 901) Wabenwachs der Honigbiene Nein
Schellack (E 904) Ausscheidung der Lackschildlaus Nein

Für 1 Kilogramm Schellack werden laut Wikipedia etwa 300.000 Läuse gebraucht. Karnaubawachs dient dagegen als pflanzliches Trenn- und Überzugsmittel bei Kaugummi und Gummibärchen. Das V-Label schließt laut seinen Kriterien Wachs von Tieren wie Bienenwachs und Schellack ausdrücklich aus. Mehr zum Thema im Artikel Bienenwachs (E901).

Sorten im Überblick

Nicht jede Lakritzform birgt dieselben Fallen. Diese Tabelle hilft beim Einordnen:

Sorte Worauf du achtest
Lakritzstangen und -schnecken Gelatine, Glanzwachs
Salmiak-Lakritz Salmiak ist vegan, die übrigen Zutaten prüfen
Fruchtgummi-Lakritz-Mischungen Gelatine, Karmin (E 120)
Lakritz mit Schokoladenüberzug Milchpulver im Überzug
Lakritzkonfekt und Pastillen Gelatine, Überzug

Der rote Farbstoff Karmin (E 120) wird laut VegPool aus Läusen gewonnen und taucht vor allem in bunten Fruchtgummi-Lakritz-Mischungen auf. Der Salmiak-Hinweis „Erwachsenenlakritz" auf der Packung betrifft laut Wikipedia nur den Gehalt an Ammoniumchlorid, nicht die Veganität.

Ein Beispiel mit Zutatenliste

Eine gelatinefreie Mischung zeigt, wie so eine Liste aussieht. Die Mischung Vegan von Lakritzonkel ist als vegan ausgewiesen und nennt Karnaubawachs als Überzugsmittel. Sie enthält Weizen und ist ein Erwachsenenlakritz mit Salmiaksalz.

Das Beispiel zeigt: Der Händler macht die Zutaten sichtbar, du musst sie nur lesen. Preise und Sortiment ändern sich, die aktuelle Zutatenliste steht immer auf der Produktseite.

So erkennst du veganes Lakritz

Mit diesen Schritten bist du in einer Minute fertig:

  1. Suche das V-Label oder einen Vegan-Hinweis auf der Packung. Mehr zu den Siegeln im Artikel Vegan-Label.
  2. Ohne Siegel prüfst du die Zutatenliste auf Gelatine, Bienenwachs, Schellack, Karmin und Milchpulver.
  3. Lass dich von Süßholzextrakt, Salmiak, Pflanzenkohle und Karnaubawachs nicht irritieren, sie sind pflanzlich.
  4. Prüfe bunte Mischungen und Lakritz mit Schokoladenüberzug besonders sorgfältig.

Ein Hinweis wie „Kann Spuren von Milch enthalten" ist kein Ausschluss. Laut ProVeg sind rein pflanzliche Lebensmittel mit diesem Hinweis vegan, weil er unbeabsichtigte Verunreinigungen betrifft.

Lakritz in Deutschland

Laut Wikipedia werden in Deutschland etwa 200 Gramm pro Person und Jahr verbraucht, im Norden und Westen deutlich mehr als im Süden und Osten. Die Niederlande liegen mit rund zwei Kilogramm pro Kopf weltweit vorn.

Mehr zum Naschen ohne tierische Zutaten:

Häufige Fragen

Ist Lakritz immer vegan?
Nein. Der Grundstoff, der Extrakt aus der Süßholzwurzel, ist pflanzlich. Viele Sorten werden aber mit Gelatine gebunden oder mit Bienenwachs oder Schellack glasiert. Ob eine Sorte vegan ist, zeigt die Zutatenliste oder ein Vegan-Siegel.
Ist Salmiak-Lakritz vegan?
Salmiak selbst schon. Ammoniumchlorid ist ein Mineralsalz ohne tierischen Ursprung. Entscheidend sind wie bei jedem Lakritz die übrigen Zutaten, vor allem Gelatine und Überzugsmittel.
Welche Überzugsmittel sind bei Lakritz vegan?
Karnaubawachs (E 903) stammt von einer brasilianischen Palme und ist pflanzlich. Auch Gummi arabicum kommt aus Pflanzen. Bienenwachs (E 901) und Schellack (E 904) sind tierischen Ursprungs und passen nicht zu einer veganen Ernährung.
Ist schwarzes Lakritz ohne Gelatine automatisch vegan?
Nicht ganz. Auch ohne Gelatine können Bienenwachs, Schellack, Milchpulver oder der rote Farbstoff Karmin (E 120) in der Zutatenliste stehen. Lies die Liste deshalb bis zum Ende, besonders bei bunten Mischungen.
Ist Lakritz mit dem Hinweis 'Kann Spuren von Milch enthalten' vegan?
In der Regel ja. Der Hinweis betrifft unbeabsichtigte Verunreinigungen in der Produktion, keine Zutat. Steht Milch dagegen in der Zutatenliste selbst, ist das Produkt nicht vegan.
Woran erkenne ich veganes Lakritz im Supermarkt?
Am schnellsten am V-Label oder einem Vegan-Hinweis auf der Packung. Ohne Siegel suchst du in der Zutatenliste nach Gelatine, Bienenwachs, Schellack, Karmin und Milchpulver. Stehen diese nicht drin, ist das Lakritz vegan.
Kann ich Lakritz selber machen?
Ja. Mit Süßholzextrakt oder Lakritzpulver, Zuckerrübensirup, Mehl oder Stärke lässt sich Lakritz ohne tierische Zutaten kochen. Gelatine brauchst du dafür nicht, Stärke oder Agar binden die Masse.