E627 Dinatriumguanylat: Der versteckte tierische Geschmacksverstärker
Du kaufst vermeintlich pflanzliche Chips oder Instantnudeln - und ahnst nicht, dass darin Fischextrakt stecken könnte? Der Geschmacksverstärker E627 (Dinatriumguanylat) kann aus tierischen Quellen gewonnen werden und versteckt sich in vielen Fertigprodukten.
Was ist Dinatriumguanylat (E627)?
Dinatriumguanylat ist das Natriumsalz der Guanylsäure (E626) und gehört zur Gruppe der Geschmacksverstärker. Der Zusatzstoff verstärkt den natürlichen Geschmack von Lebensmitteln und erzeugt das sogenannte Umami - den fünften Geschmackssinn.
Laut EAT SMARTER wirkt E627 ähnlich wie Glutamat - allerdings bis zu 20-mal stärker. In der Industrie wird es daher meist in Kombination mit Mononatriumglutamat (E621) eingesetzt, da die Kombination einen synergistischen Effekt erzeugt und weniger von jedem einzelnen Stoff benötigt wird.
Das Zusatzstoffmuseum erklärt: Dinatriumguanylat kommt natürlich in allen Lebewesen vor. Besonders hohe Konzentrationen finden sich in getrockneten Pilzen und getrockneten Tomaten.
Das Problem: Tierische Herkunft
Dinatriumguanylat kann aus verschiedenen Quellen gewonnen werden - pflanzlich, tierisch oder durch Fermentation. Das Problem: Als Verbraucher erfährst du nicht, welche Variante in deinem Produkt steckt.
Die Verbraucherzentrale Hamburg bestätigt: Bis auf Ethylmaltol (E637) und Zinkacetat (E650) können alle Geschmacksverstärker je nach Herstellung tierische Bestandteile enthalten. Nur wenn der Hersteller dies garantiert, sind sie für Veganer geeignet.
Laut vegpool.de wird E627 aus Seetang, Hefeextrakt oder Meerestieren gewonnen. Die Gewinnung aus Fisch (besonders Sardinen) ist in der Industrie weit verbreitet.
Das Vitamine.com Portal erklärt: Chemisch gesehen ist E627 das Natriumsalz der Guanylsäure - einer Substanz, die natürlich in Fleisch und Fisch, aber auch in Hefe und einigen Pflanzen vorkommt.
Worin versteckt sich E627?
Dinatriumguanylat findest du vor allem in:
- Kartoffelchips und Snacks - für intensiveren Geschmack
- Instantnudeln - besonders in Würzmischungen (YumYum, A-One und andere enthalten regelmäßig E627)
- Fertigsuppen und Saucen - als Geschmacksverstärker
- Würzmittel und Brühwürfel - oft in Kombination mit Glutamat
- Tiefkühlgerichte - für volleres Aroma
- Knabbereien - Cracker, Salzgebäck, Flips
Das T-Online Gesundheitsportal erklärt: Geschmacksverstärker erkennst du an einer E-Nummer ab 600. Wenn du Geschmacksverstärkern aus dem Weg gehen willst, meide Produkte mit E-Nummern, die mit 6 beginnen.
Wie erkenne ich E627 auf dem Etikett?
Wenn Dinatriumguanylat deklariert wird, findest du es unter folgenden Bezeichnungen:
- E627 oder E 627
- Dinatriumguanylat
- Natriumguanylat
- Disodium guanylate (englisch)
- 5'-Guanylat
Oft wird E627 zusammen mit verwandten Stoffen eingesetzt:
- E621 - Mononatriumglutamat (MSG)
- E631 - Dinatriuminosinat (ebenfalls oft tierisch)
- E635 - Dinatrium-5'-ribonukleotide (Mischung aus E627 und E631)
Die Kombination E621 + E627 + E631 ist in der Lebensmittelindustrie Standard. Laut PETA können E627, E631 und E635 tierischen Ursprungs sein - eine Nachfrage beim Hersteller ist die einzige Möglichkeit, Gewissheit zu bekommen.
Ist E627 sicher?
Die EFSA (Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit) hat Dinatriumguanylat in einer wissenschaftlichen Stellungnahme von 2014 bewertet. Die Guanylate sind als Grundbausteine von DNA und RNA in der Natur weit verbreitet und gelten als unbedenklich.
Laut foodadditives.net haben Toxizitätsstudien keine signifikante Toxizität, Karzinogenität oder negative Auswirkungen auf die Fortpflanzung gezeigt. Eine JECFA-Studie von 1993 fand keine Hinweise auf schädliche Wirkungen.
Wichtig für Menschen mit Gicht: Laut das-ist-drin.de ist der Ausgangsstoff Guanylsäure ein Abkömmling des Purins Guanin. Alle Purine werden im Körper zu Harnsäure abgebaut. Bei Personen mit gestörtem Harnsäureabbau kann es zu einer Anreicherung kommen, die ab einer bestimmten Konzentration als Kristalle ausfällt und Gicht auslösen oder verschlimmern kann. Betroffene sollten häufigen Konsum vermeiden.
Pflanzliche Alternativen zu E627
Die gute Nachricht: Es gibt heute Alternativen zur tierischen Gewinnung.
Fermentativ hergestelltes Dinatriumguanylat
Moderne Biotechnologie ermöglicht die Herstellung von E627 durch bakterielle Fermentation von Zucker oder Tapiokastärke. Dabei nutzen Mikroorganismen pflanzliche Ausgangsstoffe - ganz ohne tierische Rohstoffe.
Laut The Vegan Catalog kann fermentativ hergestelltes E627 als vegan gelten, da weder tierische Rohstoffe noch tierische Produkte im Herstellungsprozess verwendet werden.
Natürliche Geschmacksverstärker
Wer E627 komplett meiden möchte, kann auf natürliche Umami-Quellen setzen:
- Hefeextrakt - natürlicher Glutamat- und Guanylatgehalt
- Sojasauce - fermentierter Umami-Geschmack
- Tomatenmark - reich an natürlichem Glutamat
- Miso - fermentierte Sojabohnenpaste
- Pilze - besonders getrocknete Shiitake (natürlich reich an Guanylat!)
Wie findest du tierfreie Produkte?
V-Label oder Vegan-Blume: Diese Siegel garantieren, dass keine tierischen Inhaltsstoffe verwendet wurden.
Bio-Produkte: Bio-Hersteller verzichten meist auf synthetische Geschmacksverstärker. Laut Verbraucherzentrale Hamburg sind Geschmacksverstärker für Bio-Lebensmittel nicht zugelassen.
Nachfragen: Bei Unsicherheit hilft nur die direkte Anfrage beim Hersteller nach der Herkunft von E627.
Selbst kochen: Frisch zubereitete Mahlzeiten brauchen keine Geschmacksverstärker - natürliche Zutaten wie Pilze, Tomaten oder Sojasauce liefern Umami von selbst.
Weitere versteckte tierische Zusatzstoffe
E627 ist nicht der einzige versteckte tierische Zusatzstoff. Achte auch auf:
- E631 Dinatriuminosinat - verwandter Geschmacksverstärker, oft aus Fisch
- E120 Karmin - roter Farbstoff aus Schildläusen
- E904 Schellack - Überzug aus Lackschildlaus-Sekret
- E901 Bienenwachs - Überzug aus Bienenwaben
- E441 Gelatine - aus Tierknochen und -haut
- E920 L-Cystein - aus Schweineborsten oder Federn
Informiere dich auch über vegane Suppeneinlagen, wenn du Fertigprodukte durch selbstgemachte Alternativen ersetzen möchtest.
Fazit: Geschmacksverstärker kritisch prüfen
E627 (Dinatriumguanylat) ist ein versteckter Zusatzstoff, der deine vermeintlich pflanzlichen Chips oder Instantnudeln zum tierischen Produkt machen kann. Die fehlende Herkunftskennzeichnung macht es unmöglich, die Quelle zu erkennen.
Deine sichersten Optionen sind V-Label-zertifizierte Produkte, Bio-Snacks (die per Definition keine Geschmacksverstärker enthalten dürfen) oder das Selbermachen mit natürlichen Umami-Quellen. So genießt du deinen Snack ohne versteckte Fischextrakte.