E904 Schellack: Der versteckte tierische Zusatzstoff in Süßigkeiten

18.1.2026

Du greifst zu glänzenden Schokolinsen, beschichteten Kaffeebohnen oder einem polierten Apfel – und konsumierst dabei unbewusst Ausscheidungen von Insekten. Klingt unappetitlich? Willkommen in der Welt von E904, besser bekannt als Schellack.

Was ist Schellack?

Schellack ist ein natürliches Harz, das von der Lackschildlaus (Kerria lacca) produziert wird. Diese winzigen Insekten leben in tropischen Regionen wie Indien und Thailand und sondern ein harziges Sekret ab, um ihre Eier zu schützen. Dieses Sekret wird von den Ästen der Wirtsbäume – hauptsächlich Pappelfeige, indische Jujube und Malabar-Lackbaum – abgekratzt und zu Schellack verarbeitet (Lebensmittellexikon).

Die Zahlen sind beeindruckend: Für ein einziges Kilogramm Schellack muss das Harz von etwa 300.000 Lackschildläusen gesammelt werden (Zusatzstoffauskunft). Bei der Ernte werden die Insekten häufig mit abgekratzt und sterben dabei.

Warum ist Schellack nicht vegan?

Schellack ist aus mehreren Gründen nicht mit einer veganen Lebensweise vereinbar:

Da Schellack tierischen Ursprungs ist, darf er nicht in Produkten verwendet werden, die als vegan gekennzeichnet sind (PETA).

Wo versteckt sich Schellack?

Die EU hat Schellack als Überzugsmittel für zahlreiche Lebensmittel zugelassen (Lebensmittel-Warenkunde):

Süßigkeiten und Schokolade

Obst und Gemüse

Mit Schellack überzogene Früchte müssen als "gewachst" gekennzeichnet werden:

Weitere Produkte

Bekannte Markenprodukte mit Schellack

Laut Utopia enthalten oder enthielten diese Produkte Schellack:

Gute Nachricht: Ferrero hat 2023 die Rezeptur der Kinder Schoko-Bons geändert und verwendet statt Schellack nun das pflanzliche Gummi Arabicum (Konsument.at).

So erkennst du Schellack auf der Zutatenliste

Achte auf diese Bezeichnungen:

Tipp: Besonders bei glänzenden oder beschichteten Produkten lohnt sich ein genauer Blick auf die Zutatenliste.

Was sagt die EU zu Schellack?

Die EFSA (Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit) hat 2024 eine Neubewertung von E904 durchgeführt (EFSA). Schellack ist als Lebensmittelzusatzstoff in der EU zugelassen und muss auf der Zutatenliste angegeben werden. Für die vegane Lebensweise sind jedoch vor allem die ethischen Aspekte der Gewinnung relevant.

Vegane Alternativen zu Schellack

Die gute Nachricht: Es gibt pflanzliche Überzugsmittel, die Schellack ersetzen können:

Carnaubawachs (E903)

Gummi Arabicum (E414)

Candelillawachs (E902)

Fazit: Augen auf beim Süßigkeitenkauf

Schellack ist ein klassisches Beispiel für einen versteckten tierischen Zusatzstoff. Seine Herkunft aus Insektensekreten widerspricht klar der veganen Lebensweise.

So gehst du auf Nummer sicher:

  1. Zutatenliste checken: Achte auf E904, Schellack oder "gewachst"
  2. Vegan-Label suchen: Produkte mit V-Label oder Veganblume sind garantiert schellackfrei
  3. Alternativen wählen: Viele Hersteller setzen mittlerweile auf Carnaubawachs oder Gummi Arabicum
  4. Naturbelassenes Obst kaufen: Bio-Obst wird seltener gewachst

Die positive Entwicklung: Immer mehr Hersteller wie Ferrero ersetzen Schellack durch pflanzliche Alternativen. Der Markt reagiert auf die steigende Nachfrage nach veganen Produkten – und das ist definitiv ein Grund zur Freude.

Weiterführende Artikel: