E904 Schellack: Der versteckte tierische Zusatzstoff in Süßigkeiten
Du greifst zu glänzenden Schokolinsen, beschichteten Kaffeebohnen oder einem polierten Apfel – und konsumierst dabei unbewusst Ausscheidungen von Insekten. Klingt unappetitlich? Willkommen in der Welt von E904, besser bekannt als Schellack.
Was ist Schellack?
Schellack ist ein natürliches Harz, das von der Lackschildlaus (Kerria lacca) produziert wird. Diese winzigen Insekten leben in tropischen Regionen wie Indien und Thailand und sondern ein harziges Sekret ab, um ihre Eier zu schützen. Dieses Sekret wird von den Ästen der Wirtsbäume – hauptsächlich Pappelfeige, indische Jujube und Malabar-Lackbaum – abgekratzt und zu Schellack verarbeitet (Lebensmittellexikon).
Die Zahlen sind beeindruckend: Für ein einziges Kilogramm Schellack muss das Harz von etwa 300.000 Lackschildläusen gesammelt werden (Zusatzstoffauskunft). Bei der Ernte werden die Insekten häufig mit abgekratzt und sterben dabei.
Warum ist Schellack nicht vegan?
Schellack ist aus mehreren Gründen nicht mit einer veganen Lebensweise vereinbar:
- Tierisches Produkt: Es handelt sich um ein Sekret von Insekten
- Insekten sterben bei der Ernte: Die Lackschildläuse werden beim Abkratzen des Harzes meist mit entfernt und getötet (Vegpool)
- Intensive Nutzung: Für geringe Mengen werden Hunderttausende Insekten benötigt
Da Schellack tierischen Ursprungs ist, darf er nicht in Produkten verwendet werden, die als vegan gekennzeichnet sind (PETA).
Wo versteckt sich Schellack?
Die EU hat Schellack als Überzugsmittel für zahlreiche Lebensmittel zugelassen (Lebensmittel-Warenkunde):
Süßigkeiten und Schokolade
- Schokolinsen (wie Smarties oder M&M's)
- Schokolade mit Glanz-Überzug (z.B. Milka Bunte Kakaolinsen)
- Gummibärchen mit glänzender Oberfläche
- Kaugummis (z.B. Mentos Pure White)
- Dragees und Bonbons
Obst und Gemüse
Mit Schellack überzogene Früchte müssen als "gewachst" gekennzeichnet werden:
- Äpfel, Birnen, Pfirsiche
- Zitrusfrüchte, Bananen, Mangos
- Granatäpfel, Melonen, Ananas
- Avocados
Weitere Produkte
- Kaffeebohnen (für den Glanz)
- Nüsse und Knabbereien
- Nahrungsergänzungsmittel
- Schokoladenüberzogenes Gebäck
Bekannte Markenprodukte mit Schellack
Laut Utopia enthalten oder enthielten diese Produkte Schellack:
- Milka Bunte Kakaolinsen: Schellack in der Zutatenliste
- Smarties: E904 als Überzug auf den Schokolinsen
- Mentos Pure White Kaugummis: Schellack für den Glanz
Gute Nachricht: Ferrero hat 2023 die Rezeptur der Kinder Schoko-Bons geändert und verwendet statt Schellack nun das pflanzliche Gummi Arabicum (Konsument.at).
So erkennst du Schellack auf der Zutatenliste
Achte auf diese Bezeichnungen:
- E904 oder E 904
- Schellack
- Shellac (englisch)
- Bei Obst: "gewachst" (kann Schellack enthalten)
Tipp: Besonders bei glänzenden oder beschichteten Produkten lohnt sich ein genauer Blick auf die Zutatenliste.
Was sagt die EU zu Schellack?
Die EFSA (Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit) hat 2024 eine Neubewertung von E904 durchgeführt (EFSA). Schellack ist als Lebensmittelzusatzstoff in der EU zugelassen und muss auf der Zutatenliste angegeben werden. Für die vegane Lebensweise sind jedoch vor allem die ethischen Aspekte der Gewinnung relevant.
Vegane Alternativen zu Schellack
Die gute Nachricht: Es gibt pflanzliche Überzugsmittel, die Schellack ersetzen können:
Carnaubawachs (E903)
- Wird aus den Blättern der brasilianischen Carnaubapalme gewonnen
- Pflanzlich und vegan
- Wird bereits bei veganen Gummibärchen verwendet
- Ähnliche Eigenschaften wie Schellack (Utopia)
Gummi Arabicum (E414)
- Gewonnen aus dem Harz afrikanischer Akazienbäume
- Komplett pflanzlich und vegan
- Wird von Ferrero als Schellack-Ersatz in Schoko-Bons verwendet
- Dient als Emulgator und Stabilisator
Candelillawachs (E902)
- Stammt aus einer mexikanischen Pflanze
- Ebenfalls vegan und pflanzlich
- Wird als Überzugsmittel verwendet
Fazit: Augen auf beim Süßigkeitenkauf
Schellack ist ein klassisches Beispiel für einen versteckten tierischen Zusatzstoff. Seine Herkunft aus Insektensekreten widerspricht klar der veganen Lebensweise.
So gehst du auf Nummer sicher:
- Zutatenliste checken: Achte auf E904, Schellack oder "gewachst"
- Vegan-Label suchen: Produkte mit V-Label oder Veganblume sind garantiert schellackfrei
- Alternativen wählen: Viele Hersteller setzen mittlerweile auf Carnaubawachs oder Gummi Arabicum
- Naturbelassenes Obst kaufen: Bio-Obst wird seltener gewachst
Die positive Entwicklung: Immer mehr Hersteller wie Ferrero ersetzen Schellack durch pflanzliche Alternativen. Der Markt reagiert auf die steigende Nachfrage nach veganen Produkten – und das ist definitiv ein Grund zur Freude.
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