Karmin (E120): Warum der rote Farbstoff nicht vegan ist
Du greifst im Supermarkt zu einem Erdbeerjoghurt oder naschst rote Gummibärchen - und ahnst nicht, dass darin zermahlene Insekten stecken könnten? Willkommen in der Welt von Karmin, einem der am weitesten verbreiteten nicht-veganen Farbstoffe überhaupt.
Karmin (E120) wird aus zerkleinerten Cochenille-Schildläusen gewonnen und ist deshalb nicht vegan
Karmin, auch als Cochenillerot, Karminsäure oder E120 bekannt, ist ein natürlicher roter Farbstoff. Er wird aus den getrockneten Weibchen der Cochenille-Schildlaus (Dactylopius coccus) gewonnen, die vor allem auf Feigenkakteen in Mittel- und Südamerika lebt. Die Läuse werden von Hand geerntet, getrocknet und zerkleinert - aus dem Pulver wird dann die Karminsäure extrahiert.
Um nur 50 Gramm Karmin herzustellen, werden etwa 75.000 Schildläuse benötigt, wie Vegpool berichtet. Karmin ist damit weder vegan noch vegetarisch - "natürlich" bedeutet eben nicht automatisch pflanzlich. Wer tierische Produkte konsequent meidet, sollte E120 auf der Zutatenliste meiden.
Karmin versteckt sich in Fruchtjoghurt, Fruchtgummis und Wursthüllen
Laut Imbarex und dem Zusatzstoffmuseum findet sich E120 in vielen Alltagsprodukten:
Lebensmittel:
- Erdbeer- und Himbeerjoghurt
- Fruchteis und Sorbets
- Fruchtgummis und Bonbons
- Zuckerstreusel und Tortenguss
- Marmeladen und Gelees
- Wursthüllen und Käseüberzüge
- Alkoholische Getränke (z. B. Campari, manche Liköre)
Kosmetik:
- Lippenstifte und Rouge
- Lidschatten und Nagellack
E120, Karminsäure oder Cochineal kennzeichnen Karmin auf dem Etikett
Achte auf diese Bezeichnungen in der Zutatenliste oder im INCI:
- E120
- Karmin oder Carmine
- Karminsäure oder Carminic Acid
- Cochenille oder Cochineal
- Natural Red 4 oder C.I. 75470
Seit der EU-Verordnung müssen Farbstoffe klar deklariert werden. Bei verarbeiteten Lebensmitteln findest du die Angabe in der Zutatenliste, bei Kosmetik unter INCI.
Karmin kann auch allergische Reaktionen auslösen - unabhängig von der veganen Frage
Karmin kann allergische Reaktionen auslösen - ein Aspekt, der über die vegane Frage hinausgeht. Eine Studie im Allergology International aus Japan dokumentierte 22 Fälle von Karmin-Allergie, darunter mehrere anaphylaktische Reaktionen.
Das Allergen sind Eiweißrückstände aus den Schildläusen, die bei der Extraktion nicht vollständig entfernt werden. Laut EFSA-Gutachten von 2015 gibt es keinen sicheren Schwellenwert für allergische Reaktionen, weshalb Allergiker:innen E120 konsequent meiden sollten. Wer schon einmal auf karminhaltige Kosmetik wie Lippenstift reagiert hat, kann später auch bei Lebensmitteln allergische Symptome entwickeln.
Rote Bete, Anthocyane und Paprika-Extrakt ersetzen Karmin in immer mehr Produkten
Es gibt zahlreiche pflanzliche rote Farbstoffe, die genauso gut funktionieren:
| Farbstoff | E-Nummer | Quelle |
|---|---|---|
| Rote Bete | E162 | Rote Bete |
| Anthocyane | E163 | Beeren, Trauben, Holunder |
| Paprika-Extrakt | E160c | Paprika |
| Lycopin | E160d | Tomaten |
Viele Hersteller haben bereits umgestellt. Bei veganen Fruchtgummis etwa wird heute meist Rote-Bete-Saft oder Fruchtkonzentrat verwendet.
Zutatenlisten lesen und Scanner-Apps nutzen helfen im veganen Alltag gegen Karmin
Diese vier Gewohnheiten machen den Einkauf einfacher:
- Zutatenlisten lesen - insbesondere bei rötlich gefärbten Süßigkeiten, Joghurts und Getränken
- Apps nutzen - Scanner-Apps wie CodeCheck zeigen dir sofort, ob E120 enthalten ist
- Vegane Labels beachten - Produkte mit V-Label oder Veganblume sind garantiert karminfrei
- Naturkosmetik prüfen - auch hier kann Karmin enthalten sein, achte auf zertifizierte vegane Kosmetik
Karmin ist ein perfektes Beispiel dafür, wie tierische Produkte sich in vermeintlich harmlosen Alltagsprodukten verstecken. Dank pflanzlicher Alternativen wie Rote-Bete-Extrakt gibt es aber immer mehr karminfreie Produkte - der Trend geht eindeutig in Richtung vegan.
Weitere interessante Artikel:
- Vegane Fruchtgummiprodukte: Der Überblick
- Aromen in Lebensmitteln
- Haribo: Was ist vegan?
- Bienenwachs (E901) auf Obst erkennen
Häufige Fragen
- Ist Karmin (E120) vegan?
- Nein. Karmin wird aus getrockneten und zerkleinerten Cochenille-Schildläusen gewonnen, für die 50 Gramm Farbstoff etwa 75.000 Tiere sterben. Auch wenn Karmin ein natürlicher Farbstoff ist, ist er weder vegan noch vegetarisch, da bei der Gewinnung Insekten getötet werden.
- In welchen Lebensmitteln steckt Karmin am häufigsten?
- Karmin färbt vor allem Erdbeer- und Himbeerjoghurt, Fruchteis und Sorbets, Fruchtgummis, Bonbons, Zuckerstreusel, Tortenguss, Marmeladen und manche alkoholischen Getränke wie Campari rot. Auch Wursthüllen und Käseüberzüge können den Farbstoff enthalten.
- Welche Kosmetikprodukte enthalten oft Karmin?
- In der Kosmetik wird Karmin häufig für Lippenstifte, Rouge, Lidschatten und Nagellack eingesetzt, um kräftige Rot- und Pinktöne zu erzeugen. Wer vegane Kosmetik sucht, sollte hier besonders genau auf die INCI-Liste schauen.
- Wie erkenne ich Karmin auf der Zutatenliste oder im INCI?
- Achte auf die Bezeichnungen E120, Karmin, Carmine, Karminsäure, Carminic Acid, Cochenille, Cochineal, Natural Red 4 oder C.I. 75470. Bei verpackten Lebensmitteln steht die Angabe in der Zutatenliste, bei Kosmetik unter INCI.
- Kann Karmin allergische Reaktionen auslösen?
- Ja. Eine japanische Studie im Allergology International dokumentierte 22 Fälle von Karmin-Allergie, darunter mehrere anaphylaktische Reaktionen. Auslöser sind Eiweißreste aus den Schildläusen, die bei der Extraktion nicht vollständig entfernt werden. Laut EFSA gibt es dafür keinen sicheren Schwellenwert.
- Welche pflanzlichen Alternativen ersetzen Karmin?
- Rote Bete (E162), Anthocyane aus Beeren und Trauben (E163), Paprika-Extrakt (E160c) und Lycopin aus Tomaten (E160d) erzeugen ähnliche Rottöne rein pflanzlich. Viele Hersteller von veganen Fruchtgummis setzen bereits auf Rote-Bete-Saft oder Fruchtkonzentrat.
- Woran erkenne ich Produkte, die garantiert frei von Karmin sind?
- Produkte mit V-Label oder Veganblume enthalten garantiert kein Karmin. Scanner-Apps wie CodeCheck zeigen beim Einscannen des Barcodes sofort an, ob E120 in der Zutatenliste steht - das erleichtert die Kontrolle beim Einkaufen erheblich.