Karmin (E120): Warum der rote Farbstoff nicht vegan ist

15.1.2026

Du greifst im Supermarkt zu einem Erdbeerjoghurt oder naschst rote Gummibärchen – und ahnst nicht, dass darin zermahlene Insekten stecken könnten? Willkommen in der Welt von Karmin, einem der am weitesten verbreiteten nicht-veganen Farbstoffe überhaupt.

Was ist Karmin (E120)?

Karmin, auch als Cochenillerot, Karminsäure oder E120 bekannt, ist ein natürlicher roter Farbstoff. Er wird aus den getrockneten Weibchen der Cochenille-Schildlaus (Dactylopius coccus) gewonnen, die vor allem auf Feigenkakteen in Mittel- und Südamerika lebt.

Die Herstellung ist aufwendig: Die Läuse werden von Hand geerntet, getrocknet und zerkleinert. Aus dem Pulver wird dann die Karminsäure extrahiert, der eigentliche Farbstoff. Um nur 50 Gramm Karmin herzustellen, werden etwa 75.000 Schildläuse benötigt.

Ist Karmin vegan?

Klare Antwort: Nein. Karmin ist weder vegan noch vegetarisch. Bei der Gewinnung werden unzählige Insekten getötet. Wer auf tierische Produkte verzichten möchte, sollte E120 auf der Zutatenliste meiden.

Das Problematische: Karmin ist ein natürlicher Farbstoff und wird deshalb manchmal fälschlicherweise für unbedenklich gehalten. "Natürlich" bedeutet aber nicht automatisch pflanzlich oder vegan.

Wo versteckt sich Karmin?

Laut Imbarex und dem Zusatzstoffmuseum findet sich E120 in vielen Produkten:

Lebensmittel:

Kosmetik:

Wie erkenne ich Karmin auf dem Etikett?

Achte auf diese Bezeichnungen in der Zutatenliste:

Seit der EU-Verordnung müssen Farbstoffe klar deklariert werden. Bei verarbeiteten Lebensmitteln findest du die Angabe in der Zutatenliste, bei Kosmetik unter INCI.

Allergierisiko: Nicht nur ein veganes Thema

Interessanterweise kann Karmin auch allergische Reaktionen auslösen – ein Aspekt, der über die vegane Frage hinausgeht. Eine Studie im Allergology International aus Japan dokumentierte 22 Fälle von Karmin-Allergie, darunter mehrere anaphylaktische Reaktionen.

Das Allergen sind Eiweißrückstände aus den Schildläusen, die bei der Extraktion nicht vollständig entfernt werden. Laut EFSA-Gutachten von 2015 gibt es keinen sicheren Schwellenwert für allergische Reaktionen, weshalb Allergiker E120 konsequent meiden sollten.

Wer schon einmal auf karminhaltige Kosmetik (etwa Lippenstift) reagiert hat, kann später auch bei Lebensmitteln allergische Symptome entwickeln.

Vegane Alternativen zu Karmin

Die gute Nachricht: Es gibt zahlreiche pflanzliche rote Farbstoffe, die genauso gut funktionieren:

Farbstoff E-Nummer Quelle
Rote Beete E162 Rote Bete
Anthocyane E163 Beeren, Trauben, Holunder
Paprika-Extrakt E160c Paprika
Lycopin E160d Tomaten

Viele Hersteller haben bereits umgestellt. Bei veganen Fruchtgummis etwa wird heute meist Rote-Bete-Saft oder Fruchtkonzentrat verwendet.

Tipps für den veganen Alltag

  1. Zutatenlisten lesen – insbesondere bei rötlich gefärbten Süßigkeiten, Joghurts und Getränken
  2. Apps nutzen – Scanner-Apps wie CodeCheck zeigen dir sofort, ob E120 enthalten ist
  3. Vegane Labels beachten – Produkte mit V-Label oder Veganblume sind garantiert karminfrei
  4. Naturkosmetik prüfen – auch hier kann Karmin enthalten sein, achte auf zertifizierte vegane Kosmetik

Fazit

Karmin ist ein perfektes Beispiel dafür, wie tierische Produkte sich in vermeintlich harmlosen Alltagsprodukten verstecken. Wer konsequent vegan leben möchte, sollte E120 auf dem Schirm haben. Die gute Nachricht: Dank pflanzlicher Alternativen wie Rote-Bete-Extrakt gibt es immer mehr karminfreie Produkte – der Trend geht eindeutig in Richtung vegan.

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