Vegane Zutatenkunde: Aromen und Gewürze auf dem Etikett

Zuletzt aktualisiert:

Auf vielen Fertigprodukten und Snacks steht schlicht "Aromen" oder "Gewürze" in der Zutatenliste. Doch was verbirgt sich dahinter? Laut der Verbraucherzentrale müssen Hersteller bei Zusatzstoffen, Aromen und Vitaminzusätzen bisher nicht angeben, ob sie tierischen Ursprungs sind.

Das bedeutet: Allein anhand des Zutatenverzeichnisses lässt sich nicht mit Sicherheit erkennen, ob ein Lebensmittel wirklich vegan ist.

Natürliche Aromen: Nicht immer pflanzlich

Laut Lebensmittelklarheit.de werden natürliche Aromastoffe aus pflanzlichen, tierischen oder mikrobiologischen Ausgangsstoffen gewonnen. Ein "natürliches Erdbeeraroma" muss zu mindestens 95 Prozent aus der Erdbeere stammen - die restlichen 5 Prozent können theoretisch tierischer Herkunft sein.

Noch komplizierter wird es bei Träger- und Hilfsstoffen: Wie vegpool.de erklärt, benötigen viele Aromen Trägersubstanzen oder Lösungsmittel. Diese müssen in der Zutatenliste normalerweise nicht deklariert werden - außer bei Allergenen.

Eindeutig nicht-vegane E-Nummern

Diese Zusatzstoffe sind laut PETA definitiv tierischen Ursprungs:

E-Nummer Name Herkunft
E120 Karmin Rote Farbe aus Schildläusen
E234 Nisin Bakterien, auf Milch gezüchtet
E1105 Lysozym Hühnereiklar
E901 Bienenwachs Geschmolzene Honigwaben
E904 Schellack Ausscheidung der Lackschildlaus
E441 Gelatine Bindegewebe von Schweinen und Rindern
E920 L-Cystein Federn, Borsten oder Haare
E966 Lactit Milchzucker

Mehr zum roten Farbstoff E120 im Karmin-Ratgeber.

E-Nummern mit unklarer Herkunft

Laut ich-lebe-vegan.de können diese Zusatzstoffe sowohl pflanzlich als auch tierisch sein:

E-Nummer Name Mögliche Herkunft
E322 Lecithin Meist Soja, kann aber Eidotter sein
E471 Mono- und Diglyceride Speisefettsäuren, teils tierisch
E635 Dinatrium-5'-ribonucleotid Pflanzliche oder tierische Zellen
E640 Glycin Kann aus Gelatine gewonnen werden

Im Zweifel hilft nur eine Anfrage beim Hersteller.

Versteckte Fallen im Supermarkt

Wie ÖKO-TEST berichtet, enthalten viele scheinbar vegane Produkte versteckte tierische Bestandteile:

So erkennst du sichere vegane Produkte

Die Verbraucherzentrale NRW empfiehlt: Achte auf das V-Label oder die Veganblume. Diese Siegel garantieren, dass keine tierischen Hilfsstoffe verwendet wurden.

Seit 2016 gibt es auch eine Definition der Verbraucherschutzminister: Als vegan gekennzeichnete Lebensmittel dürfen keine Zutaten tierischen Ursprungs enthalten - einschließlich Zusatzstoffe, Trägerstoffe, Aromen und Enzyme.

Tipps für den Alltag

  1. Produkte mit V-Label oder Veganblume bevorzugen
  2. Bei unklaren Aromen beim Hersteller nachfragen - explizit auch nach Träger- und Hilfsstoffen
  3. Fertigprodukte meiden - selbst kochen mit frischen Kräutern und Gewürzen gibt dir volle Kontrolle
  4. E-Nummern-Listen speichern - Swissveg bietet eine gute Übersicht

Die gute Nachricht: Immer mehr Hersteller kennzeichnen ihre Produkte freiwillig als vegan. Der Markt für pflanzliche Alternativen wächst stetig, und die Auswahl an garantiert veganen Produkten wird größer.

Häufige Fragen

Was bedeutet "Aromen" in der Zutatenliste?
"Aromen" ist ein Sammelbegriff für Geschmacksstoffe, die laut Lebensmittelklarheit.de aus pflanzlichen, tierischen oder mikrobiologischen Ausgangsstoffen gewonnen werden können. Hersteller müssen bislang nicht angeben, ob ein Aroma tierischen Ursprungs ist - der Begriff allein sagt also nichts über die Herkunft aus.
Ist ein "natürliches Aroma" automatisch vegan?
Nein. Ein natürliches Erdbeeraroma muss laut Lebensmittelklarheit.de nur zu mindestens 95 Prozent aus der Erdbeere selbst stammen - die restlichen 5 Prozent können theoretisch tierischer Herkunft sein. Auch Träger- und Lösungsmittel für Aromen müssen normalerweise nicht deklariert werden.
Welche E-Nummern sind eindeutig nicht vegan?
Laut PETA sind E120 (Karmin, aus Schildläusen), E234 (Nisin), E1105 (Lysozym, aus Hühnereiklar), E901 (Bienenwachs), E904 (Schellack, aus der Lackschildlaus), E441 (Gelatine), E920 (L-Cystein, aus Federn oder Haaren) und E966 (Lactit, aus Milchzucker) tierischen Ursprungs.
Welche E-Nummern haben eine unklare Herkunft?
E322 (Lecithin, meist aus Soja, kann aber aus Eidotter stammen), E471 (Mono- und Diglyceride), E635 (Dinatrium-5'-ribonucleotid) und E640 (Glycin) können je nach Hersteller pflanzlich oder tierisch sein. Im Zweifel hilft nur eine direkte Anfrage beim Hersteller.
Wie erkenne ich sicher vegane Produkte im Supermarkt?
Die Verbraucherzentrale NRW empfiehlt, auf das V-Label oder die Veganblume zu achten. Diese Siegel garantieren, dass auch keine tierischen Hilfs-, Träger- oder Zusatzstoffe verwendet wurden - anders als bei einer reinen Zutatenlisten-Prüfung.
Welche Lebensmittel enthalten häufig versteckte tierische Zusatzstoffe?
Laut ÖKO-TEST und foodwatch betrifft das vor allem Chips, Fruchtsäfte und Wein (oft mit Fischblase oder Gelatine geklärt), Industriebrot (häufig mit L-Cystein E920) sowie Obst mit Wachsüberzug (Bienenwachs E901 oder Schellack E904).
Seit wann gibt es eine offizielle Definition für vegane Lebensmittel?
Seit 2016 legen die Verbraucherschutzminister fest, dass als vegan gekennzeichnete Lebensmittel keine Zutaten tierischen Ursprungs enthalten dürfen - das schließt Zusatzstoffe, Trägerstoffe, Aromen und Enzyme mit ein.