E920 L-Cystein: Der versteckte tierische Zusatzstoff in Backwaren

19.1.2026

Du greifst morgens zum Brötchen beim Bäcker - und ahnst nicht, dass darin möglicherweise Schweineborsten stecken? Was sich absurd anhört, ist Realität: Der Zusatzstoff E920 (L-Cystein) wird in der Backindustrie als Mehlbehandlungsmittel eingesetzt - und kann aus tierischen Quellen stammen.

Was ist L-Cystein (E920)?

L-Cystein ist eine schwefelhaltige Aminosäure, die als Lebensmittelzusatzstoff unter der E-Nummer 920 zugelassen ist. In der Lebensmittelindustrie dient sie als Mehlbehandlungsmittel, das die Eigenschaften von Teigen verbessert.

Laut dem Zusatzstoffmuseum macht L-Cystein Teige elastischer, verbessert die Knetfähigkeit und erhöht das Gashaltevermögen - dadurch bleiben Backwaren länger locker und voluminös. Für die Industrie bedeutet das vor allem eines: Zeitersparnis bei der Teigverarbeitung.

Das Problem: Tierische Herkunft

Traditionell wird L-Cystein aus keratinreichen Geweben gewonnen. Das bedeutet konkret: aus Schweineborsten, Entenfedern oder - bis zum EU-Verbot 2011 - sogar Menschenhaaren.

Die transgen-Datenbank erklärt: Früher wurde L-Cystein durch saure Hydrolyse von Haaren, Horn oder Federn gewonnen. Dieses Verfahren ist nach wie vor verbreitet, besonders außerhalb der Bio-Produktion.

Worin versteckt sich E920?

L-Cystein findet sich vor allem in:

Das Tückische: Laut Lebensmittelklarheit muss L-Cystein in vielen Fällen nicht gekennzeichnet werden. Bei lose verkauften Brötchen erfährst du die Zutaten in der Regel gar nicht. Und selbst bei verpackten Produkten kann der Zusatzstoff fehlen, wenn er im Endprodukt keine technologische Funktion mehr hat.

Wie erkenne ich E920 auf dem Etikett?

Wenn L-Cystein deklariert wird, findest du es unter folgenden Bezeichnungen:

Das Problem: Selbst wenn du E920 auf der Zutatenliste findest, erfährst du nicht, ob es aus tierischen oder pflanzlichen Quellen stammt. Diese Information ist nicht kennzeichnungspflichtig.

Ist E920 sicher?

Die EFSA (Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit) hat L-Cystein als sicher bewertet, wenn es innerhalb der festgelegten Grenzen verwendet wird. Der Zusatzstoff ist nur als Mehlbehandlungsmittel zugelassen.

Laut einer wissenschaftlichen Analyse auf ResearchGate gibt es keine Daten zur Toxizität in den üblichen Backwaren-Dosierungen. Einige Studien weisen jedoch auf ein mögliches excitotoxisches Potenzial bei hohen Dosen hin - für normale Ernährung ist das aber nicht relevant.

Pflanzliche Alternativen zu tierischem L-Cystein

Die gute Nachricht: Es gibt heute Alternativen zur tierischen Gewinnung.

Fermentativ hergestelltes L-Cystein

Moderne Biotechnologie ermöglicht die Herstellung von L-Cystein durch Fermentation mit Bakterien. Dabei nutzen gentechnisch veränderte Mikroorganismen wie E. coli Zucker als Ausgangsstoff - ganz ohne tierische Rohstoffe.

Laut Marktanalysen hat fermentativ hergestelltes L-Cystein 2024 bereits einen Marktanteil von etwa 69%. Unternehmen wie Wacker Chemie produzieren mit ihrer FERMOPURE-Plattform pharmazeutisch reines, veganes L-Cystein.

Wie findest du tierfreie Backwaren?

  1. V-Label oder Vegan-Blume: Diese Siegel garantieren laut V-Label, dass keine tierischen Inhaltsstoffe - auch keine versteckten - verwendet wurden.

  2. Bio-Backwaren: Nach EU-Bio-Verordnung ist L-Cystein als Zusatzstoff in Bio-Produkten verboten.

  3. Traditionelle Bäckereien: Viele handwerkliche Bäckereien verzichten auf Mehlbehandlungsmittel und setzen stattdessen auf lange Teigruhe und Sauerteig - das ist nicht nur tierfreundlicher, sondern schmeckt auch besser.

  4. Nachfragen: Bei deiner Stammbäckerei kannst du direkt fragen, ob Backmischungen mit L-Cystein verwendet werden.

Weitere versteckte tierische Zusatzstoffe

E920 ist nicht der einzige versteckte tierische Zusatzstoff. Achte auch auf:

Informiere dich auch über vegane Gelatine-Alternativen, wenn du tierische Zusatzstoffe komplett meiden möchtest.

Fazit: Augen auf beim Brötchenkauf

L-Cystein (E920) ist ein versteckter Zusatzstoff, der dein vermeintlich pflanzliches Brötchen zum tierischen Produkt machen kann. Die fehlende Kennzeichnungspflicht macht es schwer, die Herkunft zu erkennen.

Deine sichersten Optionen sind Bio-Backwaren, V-Label-zertifizierte Produkte oder der Einkauf bei traditionellen Bäckereien, die auf chemische Mehlbehandlung verzichten. So kannst du entspannt in dein Frühstücksbrötchen beißen - garantiert ohne Schweineborsten.