Vegane Jodquellen: Der komplette Guide für die Schilddrüse
Jod ist eines der wichtigsten Spurenelemente für deine Schilddrüse - und gleichzeitig ein kritischer Nährstoff bei veganer Ernährung. Eine aktuelle Meta-Analyse aus 2025 zeigt: VeganerInnen haben im Schnitt die niedrigsten Jodwerte aller Ernährungsgruppen mit einem medianen Urin-Jodwert von nur 12,2 µg/l - weit unter dem WHO-Optimum von 100-200 µg/l. Aber keine Sorge: Mit dem richtigen Wissen deckst du deinen Bedarf problemlos!
Warum ist Jod so wichtig?
Jod ist der essenzielle Baustein für die Schilddrüsenhormone T3 und T4. Diese steuern:
- Stoffwechsel - Energiegewinnung und Wärmeregulation
- Gehirnfunktion - Konzentration und kognitive Leistung
- Wachstum - besonders wichtig bei Kindern
- Herzfunktion - Herzrhythmus und Blutdruck
Ein Jodmangel kann zu Müdigkeit, Konzentrationsproblemen, Gewichtszunahme und langfristig zu einer Schilddrüsenunterfunktion führen.
Wie viel Jod brauchst du täglich?
Laut den aktuellen DGE-Referenzwerten gilt:
| Altersgruppe | Empfehlung | Obergrenze |
|---|---|---|
| Erwachsene | 150 µg/Tag | 500 µg/Tag |
| Schwangere | 230 µg/Tag | 500 µg/Tag |
| Stillende | 260 µg/Tag | 500 µg/Tag |
Wichtig: Die Obergrenze von 500 µg/Tag sollte nicht überschritten werden, da zu viel Jod ebenfalls die Schilddrüse schädigen kann!
Das Jod-Problem bei pflanzlicher Ernährung
Eine umfassende Studie aus 2024 berechnete: Wenn du bei einer pflanzlichen Ernährung Kuhmilch durch unangereichertes Pflanzendrink ersetzt, sinkt deine Jodzufuhr auf nur 54 µg/Tag - das sind gerade mal 34% des empfohlenen Bedarfs!
Das neue DGE-Positionspapier von 2024 bestätigt: Jod gehört zu den "potenziell kritischen Nährstoffen" bei veganer Ernährung, weil wichtige Quellen wie Seefisch und Milchprodukte entfallen.
Die 10 besten veganen Jodquellen
1. Nori-Algen (moderat)
30-45 µg pro Blatt (2,5g)
Nori ist die sicherste Algenart für die regelmäßige Jodversorgung. 1-2 Blätter pro Tag können einen großen Teil deines Bedarfs decken. Ideal in Sushi-Bowls, als Snack oder zerbröselt über Salate.
2. Wakame-Algen
ca. 60 µg pro 5g (eingeweicht)
Perfekt für Miso-Suppen und Salate. Vor dem Verzehr immer einweichen, um den Jodgehalt zu regulieren.
3. Jodiertes Speisesalz
20 µg pro Gramm Salz
Bei 6g jodiertem Salz pro Tag nimmst du etwa 120 µg Jod auf. Die DGE empfiehlt jodiertes Speisesalz als Basis der Jodversorgung.
4. Meeresalgen-Salz (mit Deklaration!)
Einige Hersteller bieten Meersalz mit definiertem Jodgehalt aus Algen an. Wichtig: Nur Produkte mit ausgewiesenem Jodgehalt verwenden!
5. Angereicherte Pflanzendrinks
Einige Marken reichern ihre Hafer-, Soja- oder Mandeldrinks mit Jod an. Schau auf die Nährwerttabelle - ideal sind 22-45 µg pro 100ml.
6. Angereicherte Cerealien
Manche Frühstücksflocken enthalten zugesetztes Jod. Check die Zutatenliste!
7. Dulse-Algen
15-30 µg pro 2,5g
Dulse hat einen moderaten, gut kalkulierbaren Jodgehalt und schmeckt leicht würzig-salzig. Ideal als Topping.
8. Cranberries (getrocknet)
ca. 0,4 µg pro 100g
Zwar nur eine minimale Quelle, aber jeder Beitrag hilft bei der Grundversorgung.
9. Kartoffeln mit Schale
ca. 0,4-0,8 µg pro 100g
Der Jodgehalt variiert je nach Boden. Bio-Kartoffeln aus jodreichen Böden liefern mehr.
10. Nahrungsergänzung (Empfehlung!)
Die Vegan Society und das Positionspapier der DGE von 2024 empfehlen: Ein Supplement mit 150 µg Jod (als Kaliumiodid oder Kaliumiodat) ist die sicherste Methode zur Bedarfsdeckung.
Vorsicht bei Kelp (Braunalgen)!
Die Frontiers-Studie von 2025 warnt ausdrücklich: Kelp (Kombu) kann bis zu 2.984 µg Jod pro Gramm enthalten - das ist das 20-fache der täglichen Obergrenze in nur einem Gramm!
Finger weg von:
- Kelp-Pulver und -Tabletten ohne Deklaration
- Kombu (außer als Kochzutat in kleinen Mengen)
- Algen-Supplements ohne genauen Jodgehalt
So optimierst du deine Jodversorgung
Die ideale Kombination
- Jodiertes Salz als tägliche Basis (ca. 120 µg)
- Nori oder Dulse 2-3x pro Woche
- Supplement bei Unsicherheit oder erhöhtem Bedarf
Diese Lebensmittel hemmen die Jodaufnahme (Goitrogene)
Bestimmte gesunde Lebensmittel enthalten "goitrogene" Stoffe, die die Jodaufnahme beeinträchtigen können:
- Sojaprodukte (Tofu, Tempeh, Miso)
- Kreuzblütler (Brokkoli, Blumenkohl, Kohl)
- Hirse
- Süßkartoffeln
Keine Panik: Kochen zerstört einen Großteil der Goitrogene. Außerdem sind diese Lebensmittel so gesund, dass du sie auf keinen Fall meiden solltest - achte einfach auf eine gute Jodversorgung!
Selen nicht vergessen!
Die Schilddrüse braucht neben Jod auch Selen für die Hormonproduktion. Eine einzige Paranuss pro Tag deckt deinen Selenbedarf - mehr darüber erfährst du im Jodquellen-Artikel.
Risikogruppen: Wer besonders aufpassen sollte
Laut einer schwedischen Studie von 2025 und der tschechischen Kinder-Studie haben diese Gruppen ein erhöhtes Risiko für Jodmangel:
- Schwangere und Stillende - erhöhter Bedarf, kritisch für Babyentwicklung
- Kinder und Jugendliche - wichtig für Wachstum und Gehirnentwicklung
- Frauen im gebärfähigen Alter - besonders wenn Kinderwunsch besteht
Diese Gruppen sollten unbedingt ein Jod-Supplement nehmen!
Wann zum Arzt?
Lass deinen Jodstatus prüfen, wenn du diese Symptome bemerkst:
- Anhaltende Müdigkeit und Antriebslosigkeit
- Unerklärliche Gewichtszunahme
- Trockene Haut und Haarausfall
- Kälteempfindlichkeit
- Konzentrationsprobleme
- Schwellung am Hals (Kropf)
Wichtig: Nicht nur die Schilddrüsenwerte (TSH, T3, T4), sondern auch den Urin-Jodwert testen lassen!
Fazit: Jod braucht Aufmerksamkeit - aber ist lösbar!
Die wissenschaftliche Datenlage von 2025 ist eindeutig: VeganerInnen müssen aktiv auf ihre Jodversorgung achten. Aber mit jodiertem Salz, moderaten Algenmengen und bei Bedarf einem Supplement ist das kein Problem.
Meine Empfehlung: Nutze jodiertes Salz im Alltag, genieße regelmäßig Nori-Algen und ergänze bei Unsicherheit oder erhöhtem Bedarf mit einem Supplement (150 µg als Kaliumiodid). So bist du auf der sicheren Seite!
Mehr zur veganen Nährstoffversorgung findest du in unseren Guides zu Vitamin B12, Eisen, Calcium und Zink.