Schadstoffe in Kleidung

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PFAS, Formaldehyd und Nonylphenolethoxylate (NPE) stecken in vielen Textilien - auch in neuer, ungetragener Ware. Laut der Europäischen Umweltagentur (EEA) werden in der EU jährlich 41.000 bis 143.000 Tonnen PFAS allein für Textilien eingesetzt - das entspricht rund 35 Prozent der globalen PFAS-Nachfrage. Ein aktueller Test des niedersächsischen Landesamts LAVES fand bei einer als "fluorfrei" beworbenen Kinderhose 45,6 mg/kg einer PFAS-Verbindung - der gesetzliche Grenzwert liegt bei 1 mg/kg.

Drei Stoffgruppen tauchen in Studien und Behördenberichten besonders häufig auf.

PFAS in wasserabweisender Funktionskleidung

PFAS ("Ewigkeitschemikalien") machen Outdoor-Jacken, Schuhe und Taschen wasserabweisend. Die HBM4EU-Studie laut EEA fand bei 14,3 Prozent der getesteten Jugendlichen PFAS-Blutwerte über dem als sicher geltenden Schwellenwert. Für die meisten Alltagskleidungsstücke gebe es laut EEA längst technisch machbare PFAS-freie Alternativen - PFAS sei "keine technische Notwendigkeit".

Die WHO-Krebsforschungsagentur IARC stufte PFOA im November 2023 als krebserregend für Menschen (Gruppe 1) ein, PFOS als möglicherweise krebserregend (Gruppe 2B). Eine 2024 veröffentlichte Studie des Chemical Insights Research Institute mit Emory University wies in handelsüblicher Kleidung 11 von 20 getesteten PFAS-Verbindungen nach, am häufigsten die Substanz PFHxA.

Nonylphenolethoxylate beim Waschen

NPE wird als Waschmittel und Netzmittel in der Textilproduktion eingesetzt. Laut REACH-Verordnung Anhang XVII dürfen EU-Hersteller seit 2004 keine Textilien mit mehr als 0,1 Gewichtsprozent NPE mehr produzieren. Bei importierter Ware bleibt das laut Umweltbundesamt trotzdem ein Thema: Rückstände lösen sich beim ersten Waschen und gelangen als hormonell wirksame Substanz ins Abwasser, wo sie das Fortpflanzungssystem von Fischen stören.

Formaldehyd und Prüfsiegel als Orientierung

Formaldehyd wird Textilien teils zugesetzt, damit sie knitterärmer beim Transport ankommen. Das Prüfsiegel Oeko-Tex Standard 100 testet auf über 1.000 Substanzen - darunter Formaldehyd - und unterteilt Textilien in vier Produktklassen nach Hautkontakt:

Klasse Textilart Grenzwerte
I Baby- & Kleinkindartikel (0-3 Jahre) Am strengsten
II Hautnahe Kleidung (Unterwäsche, Bettwäsche) Streng
III Hautferne Kleidung (Jacken) Moderat
IV Heimtextilien (Vorhänge, Polster) Am lockersten

So reduzierst du die Belastung im Alltag

Ein paar einfache Gewohnheiten senken den Kontakt mit Textilchemikalien spürbar:

Wer sich generell für schadstoffärmeren Konsum interessiert, findet ergänzend unsere Artikel zu Schadstoffen in Baby-Sachen, versteckten Giftstoffen in Kinderhänden und Schadstoffen in der Kosmetik. Wer beim Kleiderkauf gleich auf vegane Materialien achten möchte, findet Orientierung in unserem Überblick zu veganer Kleidung und veganen Mode-Marken.

Häufige Fragen

Sind PFAS in Kleidung gefährlich für die Gesundheit?
Laut dem niedersächsischen Landesamt LAVES geht von fest in der Textilfaser gebundenen PFAS keine direkte Gefahr für Trägerinnen und Träger aus. Problematisch sind PFAS vor allem für die Umwelt, da sie biologisch kaum abbaubar sind und sich anreichern. Die WHO-Krebsforschungsagentur IARC stufte PFOA 2023 dennoch als krebserregend und PFOS als möglicherweise krebserregend ein - beide Stoffe zählen zur PFAS-Gruppe.
Welche Kleidungsstücke enthalten am häufigsten PFAS?
Vor allem wasserabweisende und atmungsaktive Funktionskleidung wie Outdoor-Jacken, Schuhe und Taschen. Laut der Europäischen Umweltagentur (EEA) macht Textilien rund 35 Prozent der globalen PFAS-Nachfrage aus, obwohl für die meisten Alltagskleidungsstücke laut EEA längst PFAS-freie Alternativen existieren.
Was bedeutet das Prüfsiegel Oeko-Tex Standard 100?
Das Siegel prüft Textilien auf über 1.000 potenziell schädliche Substanzen, darunter Formaldehyd. Es unterscheidet vier Produktklassen nach Hautkontakt: Klasse I für Baby- und Kleinkindartikel mit den strengsten Grenzwerten, Klasse II für hautnahe Textilien, Klasse III für hautferne Kleidung und Klasse IV für Heimtextilien. Die Grenzwerte werden laut Oeko-Tex mindestens jährlich überprüft.
Ist Nonylphenolethoxylat (NPE) in Europa verboten?
Die Herstellung von Textilien mit NPE-Konzentrationen über 0,1 Gewichtsprozent ist in der EU laut REACH-Verordnung (Anhang XVII) bereits seit 2004 verboten. Bei importierten Textilien bleibt NPE laut Umweltbundesamt dennoch ein Problem, weil Rückstände beim ersten Waschen ins Abwasser gelangen und dort als hormonell wirksame Substanz auf Fische wirken.
Wie erkenne ich schadstoffärmere Kleidung beim Einkauf?
Zertifizierungen wie Oeko-Tex Standard 100 oder GOTS testen gezielt auf Schadstoffgrenzwerte. Naturfasern wie Bio-Baumwolle oder Leinen kommen meist mit weniger Ausrüstungschemikalien aus als funktionelle Synthetik-Mischgewebe. Second-Hand-Kleidung ist bereits mehrfach gewaschen, wodurch viele lösliche Rückstände aus der Produktion bereits reduziert sind.
Hilft Waschen vor dem ersten Tragen wirklich?
Waschen entfernt einen Teil der wasserlöslichen Verarbeitungsrückstände wie NPE-Reste oder lose Formaldehyd-Anteile. Bei PFAS-Beschichtungen für Wasserabweisung bringt Waschen dagegen wenig, da diese Stoffe absichtlich fest in die Faser eingearbeitet sind und genau diese Funktion beibehalten sollen.