Schadstoffe in der Kosmetik
Kosmetik landet direkt auf der Haut und teils im Blutkreislauf - deshalb wird die Zutatenliste von Cremes und Shampoos genau geprüft. Parabene, Mikroplastik und einzelne CMR-Stoffe stehen dabei regelmäßig im Fokus von Behörden und Verbraucherschützern.
Parabene als Konservierungsstoff
Parabene verhindern, dass sich Keime in Cremes und Lotionen bilden. Laut Bundesinstitut für Risikobewertung sind Methyl- und Ethylparaben bis 0,4 Prozent als Einzelstoff sicher, in Mischungen bis 0,8 Prozent.
Seit 2015 gilt trotzdem eine Ausnahme: Butyl- und Propylparaben sind in nicht abwaschbaren Produkten für Kinder unter drei Jahren verboten, etwa in Wickelcremes. Die Datenlage zu möglichen Langzeitfolgen bleibt laut einer Literaturübersicht in PMC lückenhaft, weshalb Forschung dazu weiterläuft.
Mikroplastik in Peelings und Make-up
Feste Mikroplastik-Partikel wurden früher gezielt als Peeling-Körner oder Trübungsmittel eingesetzt. Seit Oktober 2023 untersagt die EU-Verordnung 2023/2055 feste Microbeads in abspülbaren Produkten wie Duschgel oder Peeling.
Für dekorative Kosmetik wie Lippenstift gelten laut Verbraucherzentrale Übergangsfristen von bis zu zwölf Jahren. Insgesamt schätzt eine NABU-Auswertung den Anteil von Kosmetik am gesamten Mikroplastik-Eintrag in Gewässer als vergleichsweise gering ein.
Neue EU-Verbote ab 2025
Die EU verschärft ihre Negativliste für Kosmetik-Inhaltsstoffe laufend. Die folgende Übersicht zeigt die wichtigsten aktuellen Regelungen:
| Stoffgruppe | Regelung | Seit |
|---|---|---|
| Butyl-/Propylparaben (Kinderprodukte) | Verboten in Wickelcremes für unter 3-Jährige | 2015 |
| Lilial und weitere Duftstoffe | 23 Chemikalien EU-weit verboten | 2021 |
| Mikroplastik-Microbeads | Verbot in abspülbaren Produkten | 2023 |
| 21 weitere CMR-Stoffe | Verbot laut Verordnung 2025/877 | 1. September 2025 |
Mit der Verordnung 2025/877 verbietet die EU-Kommission 21 weitere CMR-Stoffe - krebserregende, erbgutverändernde oder fortpflanzungsgefährdende Chemikalien. Ab dem Stichtag dürfen betroffene Produkte EU-weit nicht mehr verkauft werden, auch bereits produzierte Lagerware nicht.
Die Inhaltsstoffliste selbst prüfen
Hersteller müssen in der EU jeden Inhaltsstoff als INCI-Bezeichnung auf der Verpackung angeben. Beim Lesen helfen ein paar einfache Anhaltspunkte:
- INCI-Datenbank-App direkt im Geschäft nutzen, um unbekannte Begriffe nachzuschlagen
- Nach Hinweisen auf Polyethylen oder Polypropylen suchen - das sind gängige Mikroplastik-Formen
- Zertifizierungen wie Natrue oder Cosmos erleichtern die Auswahl geprüfter Naturkosmetik
- Bei Duft- und Konservierungsstoffen lohnt ein Blick in aktuelle Warentest-Einordnungen, die oft nüchterner ausfallen als Schlagzeilen
Wie du gezielt nach schadstoffärmeren Produkten suchst, zeigt unser Guide zu veganer Kosmetik ohne Schadstoffe. Wer zusätzlich tierische Inhaltsstoffe vermeiden will, findet die wichtigsten Begriffe in unserem Artikel zu tierischen Inhaltsstoffen in Kosmetik. Auch im Badezimmer selbst lässt sich einiges an Plastik und Verpackung reduzieren - Tipps dazu gibt es in unserem Guide für ein plastikfreies Bad.
Häufige Fragen
- Sind Parabene in Kosmetik in der EU überhaupt noch erlaubt?
- Ja, Methyl- und Ethylparaben sind laut Bundesinstitut für Risikobewertung bis 0,4 Prozent als Einzelstoff beziehungsweise 0,8 Prozent im Gemisch erlaubt und gelten in dieser Dosierung als sicher. Butyl- und Propylparaben sind seit 2015 in nicht abwaschbaren Produkten für Kinder unter drei Jahren verboten, etwa in Wickelcremes.
- Ist Mikroplastik in Kosmetik komplett verboten?
- Nein, nur teilweise. Seit Oktober 2023 dürfen feste Mikroplastik-Perlen in abspülbaren Produkten wie Peelings nicht mehr eingesetzt werden. Für dekorative Kosmetik wie Lippenstift oder Make-up gelten Übergangsfristen von bis zu zwölf Jahren, bevor das Verbot dort greift.
- Welche Stoffe verbietet die EU ab September 2025?
- Mit der Verordnung 2025/877 verbietet die EU 21 weitere CMR-Stoffe (krebserregend, erbgutverändernd oder fortpflanzungsgefährdend) in Kosmetik, darunter bestimmte Phosphorsäureester und Zinnverbindungen. Ab dem 1. September 2025 dürfen betroffene Produkte EU-weit nicht mehr verkauft werden, auch bestehende Lagerbestände nicht.
- Wie erkenne ich problematische Inhaltsstoffe auf der Verpackung?
- Die INCI-Liste auf der Verpackung listet alle Inhaltsstoffe nach absteigender Menge. Begriffe wie Parabene, PEG-Derivate oder Polyethylen (Hinweis auf Mikroplastik) lassen sich mit einer INCI-Datenbank-App beim Einkauf schnell nachschlagen, bevor du ein Produkt kaufst.
- Garantieren Naturkosmetik-Siegel automatisch schadstofffreie Produkte?
- Ein Siegel wie Natrue oder Cosmos schließt bestimmte synthetische Konservierungsmittel und Mikroplastik aus, ist aber kein Beweis für hundertprozentige Reinheit. Es lohnt sich trotzdem, gezielt nach zertifizierten Produkten zu schauen, da diese unabhängig geprüft werden.
- Was hat es mit dem Verbot von PFAS und Lilial in Kosmetik auf sich?
- Die EU-Kommission hat 2021 den Duftstoff Lilial sowie weitere hormonell wirksame Stoffe aus dem Verkehr gezogen. PFAS-Verbindungen, die in wasserabweisenden Formulierungen stecken, werden seither schrittweise weiter eingeschränkt, weil sie sich in der Umwelt kaum abbauen.