Schadstoffe in Baby-Sachen

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Auch geprüfte und als sicher beworbene Baby-Produkte enthalten laut aktuellen Studien immer wieder Schadstoffe. Eine Untersuchung zur BPA-Migration aus Schnullern maß bei sieben Produkten Werte zwischen 33 und 26.536 Nanogramm - das höchste Ergebnis stammte ausgerechnet von einem als "BPA-frei" beworbenen Modell. Eine Analyse von 43 Baby-Textilien fand insgesamt 303 verschiedene Chemikalien, viele davon auch nach dem Waschen noch nachweisbar.

Das zeigt: Verpackungsaufdrucke wie "schadstofffrei" oder "BPA-frei" sind kein Garant. Fünf Bereiche verdienen bei Baby-Ausstattung besondere Aufmerksamkeit.

Baby-Kleidung

In Textilien für Babys stecken laut der oben genannten Analyse unter anderem Flammschutzmittel, Weichmacher, UV-Filter und synthetische Duftstoffe. Besonders überraschend: Bei mehr als der Hälfte der getesteten Kleidungsstücke fand sich sogar das Antidepressivum Venlafaxin - vermutlich ein Rückstand aus der Verarbeitung, nicht absichtlich zugesetzt. Da Babyhaut dünner ist und lange direkten Kontakt mit dem Stoff hat, ist die Aufnahme über die Haut ein reales Thema.

Was hilft:

Schnuller und Babyflaschen

BPA gilt als hormonell wirksame Substanz und ist in Babyflaschen und Trinkbechern seit 2011 EU-weit verboten - bei Schnullern greift dieses Verbot bisher nicht. Genau hier liegt die Lücke, die die oben zitierte Studie aufgedeckt hat: Selbst der niedrigste gemessene BPA-Wert lag über der von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit festgelegten tolerierbaren Tagesdosis für BPA. Eine Untersuchung von 59 Beißringen und Schnullern auf 26 hormonell wirksame Chemikalien fand BPA in fast jedem Produkt, unabhängig vom Label.

Auskochen vor dem ersten Gebrauch verringert Rückstände aus der Produktion, ersetzt aber keine Materialprüfung. Naturkautschuk-Schnuller sind eine Alternative, sollten aber ebenfalls auf Prüfsiegel geachtet werden.

Baby-Geschirr

Bambus-Geschirr wird gerne als besonders nachhaltige Alternative zu Plastik beworben. Eine Untersuchung von Melamin-Bambus-Geschirr kommt jedoch zu einem gegenteiligen Ergebnis: Bei 100 Prozent der getesteten Bambusprodukte überschritt die Melamin- oder Formaldehyd-Abgabe die sicheren Grenzwerte für Einjährige, sobald heißes Essen eingefüllt wurde. Die beigemischten Pflanzenfasern setzen demnach mehr Substanzen frei als reines Melamin-Geschirr.

Material Eignung für heiße Speisen Hinweis
Bambus-Melamin Ungeeignet 100 % Grenzwert-Überschreitung in Studie
Reines Melamin Nur bedingt geeignet Geringere, aber messbare Abgabe
Edelstahl Gut geeignet Keine Schadstoff-Migration
Naturbelassenes Holz Gut geeignet Regelmäßig auf Risse prüfen

Beißringe

Beißringe landen direkt im Mund und werden oft über Stunden gekaut - ein besonders direkter Aufnahmeweg. Die bereits erwähnte Studie zu 59 Beißringen fand neben BPA auch Parabene, Triclosan und Triclocarban, obwohl fast 90 Prozent der Produkte als "BPA-frei" beworben wurden. In nahezu allen Produkten wurden insgesamt 15 bis 20 verschiedene Chemikalien nachgewiesen.

Wasserbefüllte Kühl-Beißringe aus lebensmittelechtem Silikon ohne Zusatzfarben gelten als vergleichsweise unkompliziert, sollten aber ebenfalls ein Prüfsiegel tragen.

Spielzeug

Bei einem Labortest von 18 Babyspielzeugen zeigten 9 Produkte - also die Hälfte eine signifikante östrogenähnliche Aktivität. Bei 7 dieser 9 Fälle ließ sich die Ursache nicht auf eine der 41 untersuchten bekannten Substanzen zurückführen, was auf bislang unbekannte Verbindungen hindeutet. Zusätzlich fanden sich BPA, Benzophenon und Phthalat-Ersatzstoffe wie ATBC in einzelnen PVC-Spielzeugen. Auch im Kinderzimmer selbst spielt Feinstaub eine Rolle: Eine Untersuchung von Flammschutzmitteln im Hausstaub fand messbare Rückstände in praktisch allen untersuchten Kinderzimmern.

Worauf beim Kauf achten:

Wer beim Wickeltisch ohnehin schon auf Inhaltsstoffe achtet, findet weiterführende Tipps in unserem Artikel über versteckte Giftstoffe, die nicht in Kinderhände gehören und in unserer Übersicht zu Schadstoffen in der Kosmetik.

Häufige Fragen

Sind "BPA-frei" beworbene Schnuller wirklich frei von Bisphenol A?
Nicht zuverlässig. Eine Studie zur BPA-Migration aus Schnullern maß bei sieben Produkten Werte zwischen 33 und 26.536 Nanogramm - ausgerechnet das höchste Ergebnis stammte von einem als "BPA-frei" beworbenen Modell. Selbst der niedrigste gemessene Wert lag über der von der europäischen Lebensmittelbehörde EFSA festgelegten tolerierbaren Tagesdosis. Die Kennzeichnung allein ist also kein verlässlicher Beweis für Schadstofffreiheit.
Welche Schadstoffe stecken am häufigsten in Baby-Kleidung?
Eine Analyse von 43 Baby-Textilien fand insgesamt 303 verschiedene Chemikalien, darunter Weichmacher, Bisphenole, Flammschutzmittel, UV-Filter und synthetische Duftstoffe. Viele Substanzen blieben auch nach einfachem Waschen mit Wasser nachweisbar, was auf eine mögliche Aufnahme über die Haut beim Tragen hindeutet. Ungefärbte Bio-Baumwolle und gewaschene Second-Hand-Kleidung reduzieren das Risiko spürbar.
Ist Bambus-Geschirr für Babys unbedenklich?
Im Gegenteil: Eine Untersuchung von Bambus-Melamin-Geschirr fand bei 100 Prozent der getesteten Bambusprodukte eine Melamin- oder Formaldehyd-Abgabe oberhalb sicherer Grenzwerte für Einjährige, sobald heißes Essen eingefüllt wurde. Die zugesetzten Pflanzenfasern begünstigen offenbar eine stärkere Freisetzung als bei reinem Melamin-Kunststoff. Für heiße Speisen eignen sich Edelstahl oder naturbelassenes Holz besser.
Was fanden Studien in Beißringen?
Eine Untersuchung von 59 Beißringen auf 26 hormonell wirksame Chemikalien fand BPA in fast jedem Produkt - auch bei knapp 90 Prozent der als "BPA-frei" gekennzeichneten Modelle. Zusätzlich wurden Parabene, Triclosan und Triclocarban nachgewiesen. Weil Beißringe direkt im Mund landen, ist die Aufnahme hier besonders unmittelbar.
Wie viele Spielzeuge zeigen hormonell wirksame Effekte im Labortest?
Bei einem Test von 18 Babyspielzeugen zeigten 9 Produkte - also die Hälfte - eine signifikante östrogenähnliche Aktivität im Labor. Bei 7 dieser 9 Fälle ließ sich die Ursache nicht auf eine der 41 bekannten untersuchten Substanzen zurückführen, was auf bislang unbekannte Verbindungen hindeutet. Zusätzlich fanden sich BPA, Benzophenon und Phthalat-Ersatzstoffe wie ATBC in einzelnen PVC-Spielzeugen.
Welche Prüfsiegel geben zusätzliche Sicherheit beim Kauf?
TÜV-Rheinland-Prüfzeichen, das GS-Zeichen ("Geprüfte Sicherheit") und das "spiel gut"-Siegel prüfen gezielt auf Schadstoffe und mechanische Risiken. Kein Siegel ersetzt jedoch eine unabhängige Nachprüfung, da Kennzeichnungen laut Studienlage nicht immer der tatsächlichen Schadstofffreiheit entsprechen. Ergänzend hilft der Blick in aktuelle Testberichte von Verbraucherorganisationen.
Wie lässt sich die Schadstoffbelastung im Babyzimmer allgemein senken?
Regelmäßiges Lüften und feuchtes Wischen reduzieren die Staubbelastung, in der sich Flammschutzmittel und andere halbflüchtige Chemikalien ansammeln. Neue Textilien, Matratzen und Spielzeuge vor der ersten Nutzung mehrfach waschen beziehungsweise auslüften lassen. Naturmaterialien wie naturbelassenes Holz, Bio-Baumwolle und Edelstahl haben grundsätzlich weniger chemische Zusatzstoffe als günstige Kunststoffprodukte.