Heimische Superfoods: Topinambur
Topinambur, auch bekannt als Erdbirne oder Jerusalem-Artischocke, ist eines der unterschätzten heimischen Superfoods. Ursprünglich in Amerika beheimatet und als Grundnahrungsmittel geschätzt, fand die knollige Pflanze im 17. Jahrhundert ihren Weg nach Europa. Mit der Verbreitung der Kartoffel geriet sie etwas in Vergessenheit - doch heute erlebt Topinambur ein wohlverdientes Comeback.
Die Knolle ähnelt optisch dem Ingwer, während ihr Geschmack leicht süßlich-nussig ist. An der Form und Farbe ihrer gelben Blüten erkennt man die Verwandtschaft zur Sonnenblume. Besonders in der kalten Jahreszeit bereichert Topinambur unseren Speiseplan mit wertvollen Nährstoffen.
Nährwerte und Inhaltsstoffe
Mit nur etwa 30 Kilokalorien pro 100 Gramm ist Topinambur ein echtes Leichtgewicht. Das Gemüse besteht zu 70-80% aus Wasser und enthält nur 0,49 Gramm Fett, etwa 9-10 Gramm Kohlenhydrate und 2,4 Gramm Eiweiß je 100 Gramm.
Der wichtigste Inhaltsstoff ist jedoch Inulin, ein wasserlöslicher Ballaststoff, der bis zu 15-20% des Trockengewichts der Knollen ausmacht. Daneben liefert Topinambur:
- Kalium (etwa 478 mg pro 100 g) - wichtig für Blutdruck und Muskelfunktion
- Eisen - unterstützt die Blutbildung und unser Energielevel
- Kalzium und Phosphor - wichtig für gesunde Knochen und Zähne
- Magnesium - hält Muskeln und Nervensystem in Schwung
- Niacin - wichtig für den Eiweißstoffwechsel
- Provitamin A, B-Vitamine und Vitamin C
Die prebiotische Wirkung von Inulin
Das besondere an Topinambur ist sein hoher Inulin-Gehalt. Laut wissenschaftlichen Studien wird Inulin im Dünndarm nicht verdaut, sondern erreicht den Dickdarm, wo es von der Darmmikrobiota fermentiert wird.
Diese Fermentation fördert das Wachstum nützlicher Bakterien wie Bifidobakterien und Laktobazillen. Eine Studie des PMC zeigte, dass Inulin-Behandlung die Anzahl der Bacteroides im Darm signifikant erhöhen kann. Auf Grund dieser prebiotischen Eigenschaften zählt Topinambur zum sogenannten "Functional Food".
Belgische Forscher vom Cargill R&D Centre Europe haben festgestellt, dass durch Inulin die Calciumaufnahme erhöht und die Knochendichte verbessert werden kann. Regelmäßiger Inulinverzehr kann die Darmflora positiv beeinflussen und besitzt laut Studien eine cholesterin- und triglyzeridsenkende Wirkung.
Topinambur und Blutzucker
Topinambur wird auch als "Diabetiker-Kartoffel" bezeichnet. Eine Studie in PubMed dokumentierte, dass der Verzehr von Jerusalem-Artischocken-Inulin zu einer Reduktion von Blutzucker, HbA1c, Triglyceriden und Cholesterin beitragen kann. Im Gegensatz zu herkömmlicher Stärke beeinflusst Inulin den Blutzuckerspiegel kaum.
Vielseitige Verwendung in der Küche
Topinambur ist in der Küche äußerst vielseitig einsetzbar:
- Roh als Salat - dünn gehobelt mit Zitrone und Öl
- Als wärmende Suppe - probiere unser Topinambur-Suppe Rezept
- Gekocht oder gebraten - als Beilage wie Kartoffeln
- Als Topinambur-Pommes - im Ofen geröstet
- Püriert - als cremige Beilage
- Als Saft - frisch gepresst
Die dünne Schale muss nicht unbedingt entfernt werden - einfach gründlich bürsten reicht oft aus.
Tipps zur Lagerung
Frische Topinamburknollen halten sich im Kühlschrank etwa 1-2 Wochen. Wickle sie in ein feuchtes Tuch und lagere sie im Gemüsefach. Anders als Kartoffeln verlieren sie schneller Feuchtigkeit, daher nicht zu lange aufbewahren.
Hinweis zur Verträglichkeit
Obwohl Topinambur viele gesunde Effekte hat, kann der übermäßige Verzehr - besonders roh - zu Blähungen führen. Das liegt an den vielen Ballaststoffen. Starte am besten mit kleinen Mengen und steigere dich langsam. Laut Experten gilt die Aufnahme von bis zu 40 g Inulin am Tag als nebenwirkungsfrei.
Saison und Einkauf
Topinambur hat von Oktober bis März Saison - perfekt für die kalte Winterzeit. Du findest die Knollen auf Wochenmärkten, in Bioläden und zunehmend auch in gut sortierten Supermärkten. Achte auf feste, unbeschädigte Exemplare ohne Druckstellen.
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