Pilze richtig putzen

Zuletzt aktualisiert:

Pilze saugen sich beim Waschen nicht wie ein Schwamm mit Wasser voll - das ist der wohl hartnäckigste Küchenmythos rund um Champignon, Portobello und Co. Wie du Pilze trotzdem schonend sauber bekommst, ohne Aroma oder Biss zu verlieren, hängt vor allem von der Sorte ab.

Der Wasser-Mythos hält einem einfachen Test nicht stand

Der Lebensmittelforscher Harold McGee hat den Mythos schon vor Jahren widerlegt: In seinem Experiment nahmen 252 Gramm Pilze nach fünf Minuten im Wasserbad gerade einmal 6 Gramm Wasser auf (Food Republic). Das ergibt Sinn, denn rohe Champignons bestehen laut US-Nährwertdaten bereits zu rund 92,5 Gramm pro 100 Gramm aus Wasser (nutritionvalue.org, USDA-Daten) - für zusätzliche Flüssigkeit bleibt kaum Platz.

Auch America's Test Kitchen kam bei eigenen Tests zu einem ähnlichen Ergebnis, differenziert aber nach Sorte: Pilze mit offenen, freiliegenden Lamellen wie Portobello und Shiitake nehmen spürbar mehr Wasser auf als geschlossene Champignons (America's Test Kitchen). Ein kurzer Kontakt mit Wasser schadet also kaum - eine ausgiebige Einweich-Session solltest du dir trotzdem sparen.

Die richtige Putz-Methode je nach Pilzsorte

Nicht jeder Pilz braucht dieselbe Behandlung. Diese Übersicht zeigt, was für welche Sorte am besten funktioniert:

Pilzsorte Putz-Methode Hinweis
Champignons (geschlossene Kappe) Feuchtes Tuch oder kurz abspülen, sofort abtrocknen Nehmen kaum Wasser auf
Portobello, Shiitake (offene Lamellen) Mit Pinsel oder feuchtem Tuch abwischen Offene Lamellen ziehen mehr Wasser
Wild gesammelte Pilze (Steinpilz, Pfifferling) Erst trocken abbürsten, bei Bedarf kurz abbrausen Waldreste vor der Lagerung entfernen

Für empfindliche Wildpilze empfiehlt sich generell die trockene Methode zuerst: Erde, Moos und kleine Tiere lassen sich mit einer weichen Bürste oder einem Pinsel entfernen, ohne die Struktur zu beschädigen. Erst wenn danach noch Schmutz haftet, kommt kurz fließendes Wasser zum Einsatz (Mushroom Appreciation).

Warum Spülmittel bei Pilzen tabu ist

Für die Reinigung von Pilzen und anderem Gemüse gilt eine klare Regel: kein Spülmittel, keine Seife. Nach Angaben von USDA und der Colorado State University Extension reicht ein feuchtes Küchenpapier oder eine weiche Bürste völlig aus, während Reinigungsmittel-Rückstände auf Lebensmitteln nicht sinnvoll wieder entfernt werden können (AARP, mit USDA-Verweis).

Ein paar Grundregeln für die Praxis:

Richtig lagern nach dem Putzen

Auch nach dem Putzen brauchen Pilze die richtige Umgebung, um nicht schnell schlapp oder schleimig zu werden. Ganze, ungewaschene Pilze halten sich in einer Papiertüte im Kühlschrank 4 bis 7 Tage, bereits geschnittene oder gewaschene Exemplare dagegen nur 1 bis 2 Tage (Stop Food Waste). Eine geschlossene Plastiktüte ist keine gute Idee, weil Feuchtigkeit darin nicht entweichen kann und die Pilze schneller schleimig werden.

Praktisch heißt das: Kauf die Menge, die du in den nächsten Tagen wirklich brauchst, und putze erst direkt vor dem Kochen. Geputzte Champignons eignen sich zum Beispiel perfekt für ein cremiges veganes Pilzgulasch, einen veganen Pilzrisotto oder eine samtige vegane Champignoncremesuppe.

Die Schale muss nicht runter

Ob Champignon oder Portobello - die dünne Haut auf der Kappe abzuziehen, ist bei den meisten Rezepten unnötig. Sie ist essbar und geschmacksneutral bis leicht nussig, ihr Entfernen kostet nur Zeit, ohne einen praktischen Vorteil zu bringen. Ausnahme sind ältere Pilze mit angetrockneten oder verfärbten Stellen - die schneidest du besser großzügig weg.

Ein letzter Praxistipp: Schneide Pilze erst unmittelbar vor dem Braten oder Kochen zu, nicht schon Stunden vorher. Angeschnittene Flächen verlieren durch die größere Oberfläche schneller Feuchtigkeit und werden beim Anbraten seltener knusprig braun.

Mit der passenden Methode je nach Sorte, ein bisschen Zurückhaltung beim Wasser und der richtigen Lagerung danach bleiben Pilze aromatisch, bissfest und länger frisch.

Häufige Fragen

Muss ich Pilze vor dem Kochen überhaupt waschen?
Meistens reicht Abwischen. Champignons aus dem Supermarkt sind in der Regel schon recht sauber und brauchen nur ein feuchtes Tuch oder eine weiche Bürste. Nur bei sichtbarer Erde, etwa bei wild gesammelten Pilzen, lohnt sich ein kurzer Kontakt mit Wasser - danach aber sofort gut abtrocknen.
Saugen sich Pilze beim Waschen wirklich mit Wasser voll?
Kaum. Der Lebensmittelforscher Harold McGee testete das: 252 Gramm Pilze nahmen nach fünf Minuten im Wasserbad nur 6 Gramm Wasser auf. Das liegt daran, dass rohe Pilze laut USDA-Daten schon zu rund 92,5 Gramm pro 100 Gramm aus Wasser bestehen - viel Platz für mehr bleibt da nicht.
Wie reinige ich wild gesammelte Pilze wie Steinpilze richtig?
Zuerst trocken mit einer weichen Bürste oder einem Pinsel Erde, Nadeln und Insekten entfernen. Erst wenn danach noch Schmutz haftet, kurz unter fließendem Wasser abbrausen und dabei vorsichtig mit den Fingern nachhelfen. Danach immer gut trocken tupfen, bevor die Pilze verarbeitet werden.
Darf ich Pilze mit Spülmittel oder Seife waschen?
Nein. Spülmittel ist nicht für den Verzehr gedacht und hinterlässt Rückstände, die sich nicht restlos abspülen lassen. Für die Reinigung von Pilzen und anderem Gemüse reichen klares Wasser, ein feuchtes Tuch oder eine Bürste völlig aus.
Wie lange halten sich geputzte Pilze im Kühlschrank?
Ganze, ungewaschene Pilze halten im Kühlschrank in einer Papiertüte etwa 4 bis 7 Tage. Bereits geschnittene oder gewaschene Pilze verderben schneller und sollten innerhalb von 1 bis 2 Tagen verbraucht werden. Am besten erst kurz vor der Zubereitung putzen, nicht schon bei der Lagerung.
Sollte ich die Haut von Champignons abziehen?
In der Regel nicht nötig. Die Schale ist essbar und geschmacksneutral bis leicht nussig, ihr Entfernen bringt keinen praktischen Vorteil und kostet nur Zeit. Ausnahme sind stark verschmutzte oder ältere Pilze mit angetrockneten Stellen.