Gärtnern für Faule: Pflanzenreste wieder wachsen lassen

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In Österreich landet laut einer Studie von WWF Österreich und der Universität für Bodenkultur jährlich 1,2 Millionen Tonnen vermeidbare Lebensmittel im Müll - pro Haushalt entspricht das Lebensmitteln im Wert von bis zu 800 Euro pro Jahr. Regrowing - also das Nachziehen von Gemüse aus Küchenresten - ist eine einfache, kostengünstige Antwort darauf.

Das Beste daran: Du brauchst keinen Garten. Ein Glas Wasser auf der Fensterbank reicht für den Start. Hier sind 13 Pflanzen, die sich besonders gut zum Regrowing eignen.

Welche Pflanzen eignen sich am besten zum Regrowing?

Ein Überblick über alle 13 Kandidaten - sortiert nach Aufwand:

Pflanze Methode Zeit bis Ernte Aufwand
Frühlingszwiebel Wasser 1-2 Wochen Sehr einfach
Lauch Wasser 1-2 Wochen Sehr einfach
Fenchel Wasser 1-2 Wochen Sehr einfach
Zitronengras Wasser 2-3 Wochen Sehr einfach
Sellerie Wasser, dann Erde 2-4 Wochen Einfach
Römersalat Wasser, dann Erde 2-4 Wochen Einfach
Pak Choi Wasser, dann Erde 3-5 Wochen Einfach
Kohl Wasser, dann Erde 4-6 Wochen Einfach
Karotten (Blätter) Flaches Wasser 2-3 Wochen Einfach
Knoblauch Erde 1-2 Wochen (Grün) Mittel
Kartoffeln Erde 3 Monate Mittel
Ingwer Erde (innen) 6-10 Monate Anspruchsvoll
Avocado Wasser, dann Erde 2-5 Jahre Geduldig

Wie funktioniert die Wasser-Methode beim Regrowing?

Die Wasser-Methode ist der einfachste Einstieg. Sie funktioniert für Frühlingszwiebeln, Lauch, Fenchel, Zitronengras, Sellerie, Römersalat, Pak Choi und Kohl:

  1. Strunk oder Wurzelenden aufheben - ca. 3-5 cm vom unteren Ende
  2. In ein Glas mit wenig Wasser stellen - nur der unterste Teil soll im Wasser stehen
  3. Täglich Wasser wechseln - verhindert Fäulnis und Schimmel
  4. An einen hellen Ort stellen - Fensterbank mit indirektem Licht ist ideal
  5. Nach 3-10 Tagen siehst du frisches Grün - bei Frühlingszwiebeln sogar schon nach 2-3 Tagen

Tipp: Ab Mai kannst du bewurzelte Pflanzen auch auf den Balkon in einen Topf mit Erde umtopfen - das verlängert die Erntezeit erheblich.

Frühlingszwiebel und Lauch - die schnellsten Regrower

Die Frühlingszwiebel ist der Star des Regrowings. Einfach die weißen Wurzelenden (ca. 3 cm) in ein Glas Wasser stellen - das Grüne wächst innerhalb von 1-2 Wochen nach. Den ganzen Sommer über kannst du immer wieder die grünen Spitzen abschneiden und verwenden, zum Beispiel im veganen Kartoffelgratin oder über jedem Salat.

Beim Lauch funktioniert die gleiche Methode ebenso zuverlässig.

Fenchel, Zitronengras - im Wasserglas

Auch Fenchel und Zitronengras lassen sich einfach ins Wasser stellen - nach wenigen Tagen zeigen sich die ersten neuen Triebe.

Sellerie, Römersalat, Pak Choi und Kohl

Den Strunkboden (ca. 4-5 cm) in ein flaches Gefäß mit Wasser legen. Täglich Wasser wechseln. Sobald sich nach ca. einer Woche kleine Wurzeln gebildet haben, in Erde umtopfen für eine vollständige Weiterkultur.

Welche Pflanzen wachsen am besten in Erde?

Einige Gemüsesorten entwickeln sich nur in Erde richtig weiter:

Knoblauch - frisches Grün in einer Woche

Wenn Knoblauchzehen Triebe bilden, einfach die keimende Zehe mit der Spitze nach oben ca. 3 cm tief in Erde eingraben. Schon nach 1-2 Wochen wächst frisches Knoblauchgrün - das schmeckt milder als Knoblauch und eignet sich perfekt als Topping über veganer Gemüsesuppe mit Quinoa oder Pasta.

Ingwer - ein Projekt für Geduldige

Ein frisches Stück Ingwer über Nacht in lauwarmes Wasser einlegen, dann in lockere, feuchte Erde setzen (Wuchsknospen zeigen nach oben, ca. 2 cm tief). An einem warmen, halbschattigen Ort langsam wachsen lassen - nach 6-10 Monaten ist die Knolle erntereif. Ingwer gedeiht gut als Zimmerpflanze.

Kartoffeln - nachhaltig aus dem eigenen Topf

Kartoffeln mit Keimen an einem hellen Ort 3-4 Wochen stehen lassen, bis die Keime ca. 2 cm lang sind. Dann mit Abstand von ca. 40 cm in Erde eingraben (Topf oder Beet). Nach ca. 3 Monaten sind neue Kartoffeln erntereif - probiere sie im veganen Kartoffel-Gulasch.

Karotten - wachsendes Grün als Bonus

Den oberen Teil der Karotte (ca. 2 cm) auf ein Tellerchen mit wenig Wasser legen. Nach 1-2 Wochen wächst frisches Karottengrün nach - essbar als Kräuterzusatz in Salaten. Achtung: Eine neue Karotte wächst dabei nicht nach.

Avocado - eine geduldsame Zimmerpflanze

Den Avocadokern waschen und den unteren Teil (breiteres Ende) mit 3 Zahnstocher-Stiften in einem Wasserglas aufhängen, sodass er zur Hälfte im Wasser hängt. An einem sonnigen Ort stellen und regelmäßig Wasser nachfüllen. Nach 4-8 Wochen bilden sich Wurzeln und ein Trieb - dann in Erde umpflanzen. Bis zur ersten Frucht können 3-5 Jahre vergehen; der Avocadobaum eignet sich daher vor allem als dekorative Zimmerpflanze.

Warum lohnt sich Regrowing gerade im Frühling?

April und Mai sind die beste Zeit zum Starten. Die längeren Tage bringen mehr Licht, die wärmeren Temperaturen beschleunigen das Wachstum. Gerade jetzt kannst du:

Laut FAO-Daten zur Lebensmittelverschwendung entstehen rund 14% der weltweiten Lebensmittelverluste allein zwischen Ernte und Handel. Jeder Schritt, bei dem du Küchenreste nutzt statt wegwirfst, macht einen Unterschied - auch im kleinen Maßstab.

Was sollte ich beim Regrowing beachten?

Praktische Tipps, damit es zuverlässig klappt:

  1. Frische Reste verwenden - Je frischer das Ausgangsmaterial, desto besser das Ergebnis. Altes, weiches Gemüse funktioniert weniger gut.
  2. Wasser täglich wechseln - Stehendes Wasser fördert Fäulnis und Schimmelbildung.
  3. Helles Licht, aber kein direktes Mittagssonnenbad - Direkte Mittagssonne kann junge Triebe austrocknen.
  4. Nur den untersten Teil ins Wasser tauchen - Die Schnittfläche muss Wasser haben, aber der Rest soll Luft bekommen.
  5. Nicht aufgeben nach dem ersten Versuch - Regrowing hat eine Lernkurve. Probieren und Fehler machen gehört dazu.

Mehr Inspiration für nachhaltiges Leben und Gärtnern findest du in unserem Artikel Nachhaltig gärtnern.

Häufige Fragen

Welche Gemüsesorten kann man am einfachsten aus Küchenresten nachziehen?
Die einfachsten Kandidaten sind Frühlingszwiebeln, Lauch und Fenchel - sie brauchen nur ein Glas Wasser auf der Fensterbank und wachsen innerhalb von 1-2 Wochen nach. Auch Sellerie, Römersalat und Pak Choi funktionieren zuverlässig mit der Wasser-Methode. Mehr Geduld brauchen Knoblauch, Ingwer und Avocado, die in Erde eingepflanzt werden.
Wie funktioniert die Wasser-Methode beim Regrowing?
Den Strunk oder die Wurzelenden (ca. 3-5 cm) in ein Glas mit wenig Wasser stellen, sodass nur der unterste Teil bedeckt ist. Täglich das Wasser wechseln, um Fäulnis zu vermeiden. Nach 3-7 Tagen bilden sich neue Wurzeln und Blätter - dann kann die Pflanze optional in Erde umgepflanzt werden, um länger zu ernten.
Brauche ich für Regrowing einen Garten?
Nein! Die meisten Pflanzen lassen sich auf der Fensterbank oder dem Balkon nachziehen. Für die Wasser-Methode reicht ein normales Trinkglas. Für Erde-Methoden genügen kleine Blumentöpfe. Ein heller, sonniger Standort ist ideal - eine Südseite oder Fensterbank mit indirektem Licht.
Wie viel Geld kann man durch Regrowing sparen?
Österreichische Haushalte werfen laut einer WWF/BOKU-Studie Lebensmittel im Wert von bis zu 800 Euro pro Jahr weg. Durch Regrowing von Kräutern und Gemüseresten lässt sich ein Teil davon einsparen. Frühlingszwiebeln etwa kaufst du nur einmal - und nutzt die Wurzelreste immer wieder für neues Grün.
Kann man aus Karottenwurzeln neue Karotten ziehen?
Nicht direkt - aus dem abgeschnittenen Karottenoberteil wachsen zwar schöne grüne Blätter nach, aber keine neue Karotte. Die Blätter sind essbar und eignen sich als Kräuterzusatz in Salaten. Wer neue Karotten ernten möchte, muss Karottensamen pflanzen.
Wie lange dauert es, bis das nachgezogene Gemüse erntereif ist?
Frühlingszwiebeln und Lauch sind schon nach 7-14 Tagen erntereif. Sellerie und Römersalat nach 2-4 Wochen. Knoblauchgrün nach 1-2 Wochen in Erde. Ingwer braucht 6-10 Monate bis zur vollen Knollenernte. Avocados brauchen 3-5 Jahre bis zur ersten Frucht.
Welche Fehler sollte ich beim Regrowing vermeiden?
Die häufigsten Fehler sind: Wasser nicht täglich wechseln (fördert Fäulnis), zu altes oder weiches Ausgangsmaterial verwenden, zu wenig Licht bieten und den Strunk zu tief ins Wasser tauchen. Am besten mit frischem Gemüse starten, nur den untersten Teil ins Wasser stellen und täglich kontrollieren.