Veganer Giersch: Das unterschätzte Wildkraut

Zuletzt aktualisiert:

Giersch (Aegopodium podagraria) ist das Wildkraut, das Gärtnerinnen und Gärtner zur Verzweiflung bringt - dabei gehört es direkt in die Küche! Von März bis Mai zeigen sich die zartesten Triebe, das ist die beste Erntezeit. Was kaum jemand weiß: Giersch ist ein außergewöhnliches heimisches Superfood, das Vitamin C, Eisen und zahlreiche Mineralstoffe liefert - und obendrein kostenlos im Garten oder im nächsten Wald wächst.

Das macht Giersch so besonders

Laut diet-health.info, einer Schweizer Ernährungsdatenbank, enthält Giersch pro 100 g frisches Blatt rund 140 mg Vitamin C - das entspricht 175 % des Tagesbedarfs. Zum Vergleich: Zitronen liefern etwa 51 mg, Paprika rund 128 mg. Damit ist Giersch eine der reichhaltigsten heimischen Vitamin-C-Quellen, die du dir vorstellen kannst.

Dazu kommen beeindruckende Mineralstoffwerte: Kalium (ca. 540 mg/100 g), Calcium (92 mg), Eisen (1,5 mg) und Kupfer (ca. 2 mg). Außerdem bringt Giersch 2,7 g pflanzliches Protein pro 100 g Frischgewicht mit - für ein Blattgemüse ein beachtlicher Wert.

Eine 2025 im Fachjournal Molecules veröffentlichte Übersichtsarbeit bestätigt: Giersch ist reich an Flavonoiden, organischen Säuren, Cumarin-Verbindungen und ätherischen Ölen. Die Forschenden bezeichnen ihn als „edible weed with health-promoting properties" - ein essbares Unkraut mit wertvollen Inhaltsstoffen. Eine weitere Studie in Plants (2022) untersuchte den Antioxidantiengehalt und stellte fest: Je weniger Verarbeitung, desto mehr Nährstoffe bleiben erhalten - frisch ist also am besten.

Giersch sicher erkennen

Bevor du Giersch sammelst, ist eine sichere Bestimmung Pflicht. Das Kraut hat Doppelgänger, darunter die giftige Gefleckte Schierlingswurzel. Achte auf diese Merkmale:

Wenn du unsicher bist, empfiehlt die Vegane Gesellschaft Österreich Bestimmungskurse oder geführte Kräuterwanderungen - besonders für Wildkräuter-Einsteiger eine gute Idee.

Erntezeit und Erntetechnik für Giersch

Die besten Erntetermine sind März bis Mai - dann sind die Blätter jung, zart und aromatisch. Ältere Blätter werden intensiver im Geschmack und etwas ledrig. Schneide die Triebe sauber ab und lass immer genug Blätter stehen, damit die Pflanze nachwächst.

Sammeltipps:

Die Naturzeitschrift Blühendes Österreich empfiehlt, Wildkräuter grundsätzlich von ungedüngten Wiesen und aus naturnahen Gärten zu sammeln - dort ist der Nährstoffgehalt am höchsten.

Giersch in der veganen Küche

Giersch schmeckt wie eine Mischung aus Petersilie, Karotte und Spinat - mild, würzig und vielseitig einsetzbar.

Roh genießen: Junge Blätter passen hervorragend in Salate - einfach mit anderen Frühlingssalaten mischen, mit Zitrone und Olivenöl anmachen. Oder gib eine Handvoll in deinen grünen Smoothie: Er liefert einen extra Vitaminkick ohne aufdringlichen Geschmack.

Gegart verwenden: Gedünstet funktioniert Giersch wie Spinat - in Suppen, als Beilage oder als Fülle für Wraps. Die Blätter verlieren beim Kochen deutlich an Volumen, also großzügig ernten. In der veganen Wildkräutersuppe macht sich Giersch besonders gut: Er gibt Tiefe und viel Nährstoffdichte.

Als Gewürzkraut: Frisch gehackt funktioniert Giersch ähnlich wie Petersilie - streue ihn über Pasta, Risotto oder Hummus. Oder mische ihn in ein Kräuterpesto, ähnlich wie beim klassischen Bärlauch-Pesto.

Pesto und Aufstriche: Giersch lässt sich zu einem würzigen Frühlingspesto verarbeiten: Blätter, Walnüsse, Knoblauch, Olivenöl und Zitronensaft - fertig ist ein vielseitiger Aufstrich oder Nudelsoße.

Weitere heimische Wildkräuter entdecken

Giersch ist nicht das einzige Wildkraut mit Frühlings-Hochsaison. Entdecke auch:

Giersch im Garten: Freund statt Feind

Falls du Giersch im Garten hast und ihn bisher bekämpft hast: Jetzt ist es Zeit, ihn zu nutzen! Regelmäßiges Abernten der Blätter schwächt die Pflanze über Zeit - du schaffst dir also durch Essen gleich einen natürlichen Helfer.

Tipp: Bau Giersch in einer großen Pflanzwanne ein, damit die Wurzeln nicht in benachbarte Beete ausbreiten können. So hast du immer frisches Wildkraut griffbereit.


Giersch ist ein Paradebeispiel dafür, dass die besten Zutaten manchmal direkt vor deiner Haustür wachsen. Also: Raus in den Garten, Blätter schneiden, und ab in die Küche!

Häufige Fragen

Ist Giersch essbar und vegan?
Ja, Giersch ist vollständig essbar und rein pflanzlich. Junge Blätter schmecken mild nach Petersilie, Karotte und Spinat und lassen sich roh in Salaten und Smoothies oder gegart wie Spinat verwenden.
Wie unterscheide ich Giersch von giftigen Doppelgängern?
Das wichtigste Merkmal ist der dreieckige Stängel - rollst du ihn zwischen den Fingern, spürst du drei klare Kanten. Dazu kommen dreizählig gefiederte Blätter und ein Anis- bzw. Petersilien-Duft beim Zerreiben. Bei Unsicherheit hilft ein Bestimmungskurs, da Verwechslungen mit der giftigen Gefleckten Schierlingswurzel möglich sind.
Wann ist die beste Erntezeit für Giersch?
Von März bis Mai sind die Blätter am zartesten und aromatischsten. Danach werden sie intensiver im Geschmack und etwas ledrig. Giersch wächst nach dem Schneiden schnell nach, sodass mehrfaches Ernten im Frühling möglich ist.
Wie viel Vitamin C enthält Giersch im Vergleich zu anderem Gemüse?
Rund 140 mg pro 100 g frisches Blatt - das entspricht 175 % des Tagesbedarfs. Zum Vergleich liefern Zitronen etwa 51 mg und Paprika rund 128 mg pro 100 g, womit Giersch zu den ergiebigsten heimischen Vitamin-C-Quellen zählt.
Kann ich Giersch aus dem eigenen Garten einfach essen?
Ja, sofern die Stelle weder gespritzt noch gedüngt wurde und nicht direkt an einer stark befahrenen Straße liegt. Die Blätter vor der Verwendung gründlich waschen. Regelmäßiges Ernten schwächt zudem die Ausbreitung der Pflanze im Beet.
Wie lässt sich Giersch haltbar machen?
Frisch verarbeitet zu Pesto (mit Walnüssen, Knoblauch, Olivenöl und Zitronensaft) hält sich Giersch im Kühlschrank mehrere Tage bis Wochen. Blanchiert und eingefroren bleiben Blätter mehrere Monate für Suppen und Aufstriche verwendbar.