Vegane Ernährung Studien: Was die Wissenschaft 2026 wirklich zeigt
„Studien besagen, dass vegane Ernährung ungesund ist" - dieses Argument begegnet dir vermutlich regelmäßig. Aber was sagt die Wissenschaft tatsächlich? Die Forschungslage zur veganen Ernährung ist heute deutlich umfangreicher als noch vor zehn Jahren. Wir schauen uns an, was aktuelle Studien und Metaanalysen wirklich zeigen.
Der aktuelle Stand der Wissenschaft
Eine umfassende Umbrella-Review in Critical Reviews in Food Science and Nutrition (2022) hat Metaanalysen aus Beobachtungsstudien und klinischen Studien zur veganen Ernährung zusammengefasst. Das Ergebnis: Vegane Ernährung ist mit einer Reihe positiver Gesundheitsmarker assoziiert - insbesondere beim Körpergewicht, Blutzucker, Blutfettwerten und Blutdruck.
Auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) hat 2024 ihre Position zur veganen Ernährung neu bewertet: Eine gut geplante vegane Ernährung kann für gesunde Erwachsene ernährungsphysiologisch geeignet sein - bei konsequenter Supplementierung kritischer Nährstoffe.
Diese Vorteile zeigen aktuelle Studien
Herzgesundheit und Blutfettwerte
Eine Metaanalyse in PubMed mit 49 Studien zeigte, dass vegetarische und vegane Ernährung das Risiko für ischämische Herzerkrankungen um 25 % senkt und das Krebsrisiko um 8 % reduziert. Die pflanzliche Ernährungsweise wirkt sich positiv auf Blutfettwerte und Entzündungsmarker aus.
Eine 2025 in The Lancet Healthy Longevity veröffentlichte Studie untersuchte den Zusammenhang zwischen pflanzlichen Ernährungsmustern und dem Risiko für Multimorbidität - das gleichzeitige Auftreten von zwei oder mehr chronischen Erkrankungen wie Krebs, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Typ-2-Diabetes. Das Ergebnis: Wer sich stärker pflanzlich ernährt, hat ein geringeres Risiko.
Gewicht und Stoffwechsel
Eine Systemanalyse in Nature Translational Psychiatry zeigt kurz- bis mittelfristig starke Belege für positive Effekte pflanzlicher Ernährung auf Körpergewicht, Energiestoffwechsel und systemische Entzündungen - bei gesunden Personen, bei Übergewicht und bei Typ-2-Diabetes.
Biologisches Altern
Ein Zwillingsstudie-Design ergab, dass sich vegane Kost positiv auf biologische Alterungsmarker auswirkt - die biologische Alterungsbeschleunigung nahm bei veganen Zwillingen messbar ab. Die Ergebnisse wurden international breit berichtet.
Diese Herausforderungen nennt die Forschung
Nicht alle Aspekte einer veganen Ernährung sind problemlos. Die Wissenschaft nennt bestimmte Nährstoffe, bei denen du aktiv gegensteuern solltest:
Vitamin B12 ist der einzige Nährstoff, der bei veganer Ernährung zwingend supplementiert werden muss - er kommt in relevanten Mengen nur in tierischen Produkten vor. Eine Supplementierung ist keine Option, sondern notwendig.
Jod zeigt sich in Studien als häufig unterversorgt bei Veganer:innen. Da Jod vor allem über Milchprodukte und Fisch aufgenommen wird, braucht es pflanzliche Alternativen wie jodiertes Salz oder Jodalgen in Maßen.
Knochengesundheit und Calcium: Laut der DGE FAQ zu veganer Ernährung (2025) haben Veganer:innen im Vergleich tendenziell eine geringere Knochendichte. Das liegt an einer oft niedrigeren Calciumzufuhr, niedrigerem Vitamin-D-Status und niedrigerem BMI. Calciumreiche Pflanzenlebensmittel und eine gute Vitamin-D-Versorgung sind wichtig.
Omega-3-Fettsäuren: Die pflanzliche Alpha-Linolensäure (ALA, z. B. aus Leinsamen und Walnüssen) wird im Körper nur begrenzt in die langkettigen Formen DHA und EPA umgewandelt. Algenöl-Kapseln gelten als direkte pflanzliche DHA/EPA-Quelle.
Mehr dazu, wie du alle Nährstoffe gut abdeckst, findest du in unserem Guide zur veganen Ernährung und Nährstoffen.
Die COPLANT-Studie: Aktuelle Forschung aus dem deutschsprachigen Raum
2024 startete die COPLANT-Studie - die bislang größte Ernährungsstudie im deutschsprachigen Raum, die gezielt die gesundheitlichen Auswirkungen veganer und vegetarischer Ernährung untersucht. Ergebnisse werden in den kommenden Jahren erwartet und werden das Bild weiter schärfen.
Das bedeutet die Studienlage für die Praxis
Die Wissenschaft ist eindeutig: Eine gut geplante vegane Ernährung ist für gesunde Erwachsene ernährungsphysiologisch machbar und mit einer Reihe von Gesundheitsvorteilen verbunden. „Gut geplant" bedeutet dabei:
- Vielfalt bei Gemüse, Hülsenfrüchten, Vollkorn, Nüssen und Samen
- Vitamin B12 konsequent supplementieren
- Jod, Calcium, Vitamin D und Omega-3 bewusst einplanen
- Regelmäßige Blutwertkontrolle als Orientierung
Dazu passend: Unsere vegane Ernährungspyramide zeigt dir, welche Lebensmittelgruppen täglich auf deinen Teller gehören.
Quellen:
- Tandfonline: Umbrella Review - Evidence of a vegan diet for health benefits and risks (2022)
- PubMed: Vegetarian/vegan diets and multiple health outcomes - meta-analysis
- The Lancet Healthy Longevity: Plant-based diets and multimorbidity risk (2025)
- Nature Translational Psychiatry: Effects of plant-based diets on body and brain
- DGE: FAQ vegane Ernährung - Knochengesundheit, Omega-3, Protein (2025)
- DGE: Neubewertung Position vegane Ernährung 2024 (Langversion)
- COPLANT-Studie (deutschsprachige Langzeitstudie, gestartet 2024)
Häufige Fragen
- Ist eine vegane Ernährung laut Studienlage gesund?
- Ja. Eine umfassende Umbrella-Review (2022) und die DGE-Neubewertung (2024) kommen übereinstimmend zum Schluss, dass eine gut geplante vegane Ernährung für gesunde Erwachsene ernährungsphysiologisch geeignet ist und mit positiven Effekten auf Körpergewicht, Blutzucker, Blutfettwerte und Blutdruck verbunden ist.
- Welche Nährstoffe muss ich bei veganer Ernährung im Blick behalten?
- Studien nennen vor allem Vitamin B12, Jod, Calcium, Vitamin D und Omega-3-Fettsäuren als kritische Nährstoffe. Vitamin B12 muss zwingend supplementiert werden, die anderen lassen sich mit bewusster Lebensmittelauswahl und gegebenenfalls gezielter Supplementierung gut abdecken.
- Senkt vegane Ernährung laut Studien das Herzrisiko?
- Eine Metaanalyse mit 49 Studien in PubMed zeigt, dass vegetarische und vegane Ernährung das Risiko für ischämische Herzerkrankungen um 25 Prozent senkt. Auch eine 2025 im Lancet veröffentlichte Studie bestätigt ein geringeres Risiko für chronische Erkrankungen bei stärker pflanzlicher Ernährung.
- Was ist die COPLANT-Studie?
- Die COPLANT-Studie ist die bislang größte Ernährungsstudie im deutschsprachigen Raum, die 2024 gestartet ist und gezielt die gesundheitlichen Auswirkungen veganer und vegetarischer Ernährung untersucht. Ergebnisse werden in den kommenden Jahren erwartet.
- Wirkt sich vegane Ernährung auf die Knochengesundheit aus?
- Laut DGE haben Veganer:innen im Vergleich tendenziell eine etwas geringere Knochendichte, meist bedingt durch niedrigere Calciumzufuhr, geringeren Vitamin-D-Status und niedrigeren BMI. Eine calciumreiche Ernährung mit guter Vitamin-D-Versorgung wirkt dem entgegen.