Recycle: Verwerten, was übrig bleibt
Was nach Refuse, Reduce und Reuse noch übrig bleibt, soll wenigstens richtig verwertet werden. Denn korrektes Recycling schont Rohstoffe und Energie messbar: Österreich erreicht bei Glasverpackungen zum Beispiel eine Recyclingquote von 85 Prozent - deutlich über dem EU-Schnitt von 74 Prozent. Wie gut das gelingt, hängt aber stark davon ab, wie sorgfältig zuhause schon vorsortiert wird.
Mülltrennung entscheidet über die Wiederverwertung
Schon eine einzige grüne Flasche im Weißglas-Container kann rund 500 kg Weißglas grünlich einfärben, und zu viele Fehlwürfe in der Biotonne landen komplett im Restmüll. Was in welche Tonne gehört, regeln die Gemeinden und Abfallverbände unterschiedlich - für Wien gibt es dafür online das Trenn-ABC. Eine ausführliche Übersicht zu allen Tonnen und den häufigsten Irrtümern beim Sortieren findest du im Detail-Guide Richtig recyclen. Hier geht es kompakt um die einzelnen Materialien, die typischerweise noch übrig bleiben, wenn Refuse, Reduce und Reuse schon ausgeschöpft sind.
Kunststoff bleibt die Recycling-Schwachstelle
Damit Kunststoff sinnvoll wiederverwertet werden kann, müsste er sortenrein gesammelt werden - bei der Vielzahl an Kunststoffarten ist das in der Praxis kaum umsetzbar (mehr dazu in den Kunststoff-Recyclingcodes). Werden verschiedene Kunststoffsorten gemeinsam wiederverwertet, kommt es zum Downcycling: Der neu entstandene Kunststoff ist minderwertiger als das Ausgangsmaterial. Deshalb landet der Großteil des Kunststoffmülls in der Verbrennung, während in Österreich derzeit vor allem PET-Flaschen sortenrein und damit hochwertig recycelt werden können. Genau deshalb bringt es am meisten, Plastik-Müll schon im Vorfeld zu vermeiden statt auf Recycling zu hoffen.
Glas lässt sich fast verlustfrei recyceln
Glas kann beliebig oft wiederverwertet werden, solange es sortenrein bleibt - mischen sich etwa Keramik-Scherben darunter, wird das neue Glas brüchig. Austria Glas Recycling beziffert die heimische Recyclingquote bei Glasverpackungen mit 85 Prozent (EU-Schnitt: 74 Prozent), verteilt auf rund 64.000 Sammelstellen im ganzen Land. Da Altglas bei niedrigeren Temperaturen eingeschmolzen werden kann als neuer Rohstoff, spart schon eine einzelne recycelte Flasche genug Energie, um eine Waschmaschine zehn Minuten laufen zu lassen. Beim Einwerfen wichtig: Deckel, Verschlüsse und Essensreste vorher entfernen, Etiketten dürfen aber dranbleiben. Kristallglas gehört nicht in den Container, da es bei einer anderen Temperatur schmilzt.
Papierfasern überstehen mehr Zyklen als gedacht
Auch Papier durchläuft einen Downcycling-Prozess, hält dabei aber deutlich mehr aus als lange angenommen. Eine Studie der TU Darmstadt aus 2018 widerlegt die verbreitete Annahme, dass Papierfasern nur 4 bis 7 Mal recycelt werden können: In der Praxis sind bis zu 12 Zyklen möglich, die größten Qualitätsverluste passieren dabei in den ersten 3 bis 4 Durchläufen. Weil bei jedem Durchgang trotzdem Fasern verloren gehen, braucht der Kreislauf laufend etwas frisches Frischfasermaterial - Altpapier landet am Ende meist als Zeitungspapier, Wellpappe oder WC-Papier.
Kork braucht eigene Sammelstellen
Kork wird in Österreich deutlich seltener gesammelt als in Deutschland oder der Schweiz, ist aber nicht unmöglich loszuwerden. Kleine Mengen Flaschenkorken gehören in den gelben Sack bzw. die gelbe Tonne. Für größere Mengen bietet etwa der Ressourcenpark Graz eine eigene Sammeltonne in der kostenfreien Wertstoff-Zone, und der Wiener Kork-Fachbetrieb Schiesser nimmt über sein ReKork-Programm (in Kooperation mit Amorim) Kork auch direkt zurück. Aus dem gesammelten Altkork entstehen Dämmplatten, Bodenbeläge oder Schuhsohlen - neue Flaschenverschlüsse lassen sich daraus allerdings nicht mehr herstellen, dafür braucht es weiterhin frischen Kork.
Alte Kleidung und Schuhe finden neue Verwendung
Saubere, tragfähige Kleidung, Schuhe und Haushaltswäsche gehören in einen Altkleider-Container - in Österreich betreiben unter anderem Caritas, Kolping, das Rote Kreuz, Volkshilfe und Humana People to People solche Sammelstellen, allein in Wien sind es laut Konsument.at rund 2.000 Container. Von der gesammelten Kleidung bleiben demnach 60 bis 65 Prozent tragfähig und werden als Secondhand-Ware weiterverkauft oder gespendet, rund 35 Prozent gehen ins Recycling und werden etwa zu Dämmmaterial oder Autopolstern verarbeitet, der Rest wird zu Abfall. Wichtig für gute Sortierquoten: Nur saubere und wirklich noch brauchbare Stücke einwerfen, keine stark verschlissene oder feuchte Ware.
Aus Altem entsteht Neues: Recycling-Produkte kaufen
Wer ohnehin etwas Neues braucht, findet mittlerweile eine große Auswahl an Produkten aus pre- oder post-consumer Abfällen. Gabarage in Wien verarbeitet zum Beispiel alte Aktenordner zu Taschen, Bowlingpins zu Vasen und Rolltreppenstufen zu Sofas. Refished macht aus alten Fischfutter- und Zementsäcken sowie ausrangierten Museumsfahnen von Kunstforum und Belvedere Taschen und Accessoires, gefertigt in fairen Werkstätten. Solche Produkte schließen den Kreislauf: Was sonst als Abfall enden würde, wird zu einem langlebigen, einzigartigen neuen Gegenstand.
Recycle im Vergleich zu Refuse, Reduce und Reuse
| Prinzip | Beispiele im Alltag | Wirkung |
|---|---|---|
| Refuse (Ablehnen) | Werbeflyer, Gratisproben, Einwegbesteck ablehnen | Verbrauch entsteht gar nicht erst |
| Reduce (Reduzieren) | Weniger kaufen, bewusster konsumieren | Geringerer Ressourcenverbrauch insgesamt |
| Reuse (Wiederverwenden) | Mehrwegbecher, Second-Hand, Reparatur | Produkte bleiben länger im Einsatz |
| Recycle (Verwerten) | Korrekte Mülltrennung, Recyclingprodukte kaufen | Rohstoffe fließen zurück in den Kreislauf |
Recycle steht bewusst am Ende des 4R-Prinzips: Erst wenn Ablehnen, Reduzieren und Wiederverwenden ausgeschöpft sind, macht die Verwertung von Restmüll überhaupt Sinn. Wer alle vier Schritte kombiniert, sorgt dafür, dass möglichst wenig überhaupt erst als Müll endet - und das, was doch noch übrig bleibt, in einem echten Kreislauf zurück in neue Produkte fließt.
Häufige Fragen
- Warum steht Recycling erst an vierter Stelle im 4R-Prinzip?
- Recycling verbraucht selbst Energie und Ressourcen für Sammlung, Transport und Aufbereitung. Erst wenn Ablehnen (Refuse), Reduzieren (Reduce) und Wiederverwenden (Reuse) ausgeschöpft sind, macht die Verwertung von Restmüll als letzter Schritt Sinn - deshalb steht Recycle bewusst am Ende des Prinzips, nicht am Anfang.
- Wie viel Glas recycelt Österreich wirklich?
- Österreich erreicht laut Austria Glas Recycling eine Recyclingquote von 85 Prozent bei Glasverpackungen und liegt damit deutlich über dem EU-Durchschnitt von 74 Prozent. Rund 64.000 Sammelstellen stehen dafür im ganzen Land zur Verfügung, Glas lässt sich dabei praktisch unbegrenzt oft wiederverwerten.
- Wohin mit Flaschenkorken?
- Kleine Mengen Flaschenkorken gehören in den gelben Sack bzw. die gelbe Tonne. Für größere Mengen bietet z.B. der Grazer Ressourcenpark eine eigene Sammeltonne, und der Wiener Kork-Fachbetrieb Schiesser nimmt über sein ReKork-Programm Kork auch direkt zurück. Aus dem Altkork entstehen Dämmplatten, Bodenbeläge oder Schuhsohlen - neue Flaschenkorken lassen sich daraus allerdings nicht mehr herstellen.
- Wo gebe ich gut erhaltene Kleidung und Schuhe ab?
- Caritas, Kolping, das Rote Kreuz, Volkshilfe und Humana betreiben in ganz Österreich Altkleider-Container, allein in Wien sind es rund 2.000. Laut Konsument.at bleiben 60 bis 65 Prozent der Altkleidung tragfähig und werden weiterverkauft oder gespendet, rund 35 Prozent gehen ins Recycling (etwa zu Dämmmaterial oder Autopolstern), der Rest wird zu Abfall.
- Wie oft lässt sich Altpapier wiederverwerten?
- Eine Studie der TU Darmstadt aus 2018 widerlegt die verbreitete Annahme, dass Papierfasern nur 4 bis 7 Mal recycelt werden können - in der Praxis sind laut der Untersuchung bis zu 12 Zyklen möglich, wobei die größten Qualitätsverluste in den ersten 3 bis 4 Durchläufen auftreten. Weil dabei aber immer auch Fasern verloren gehen, braucht der Kreislauf trotzdem laufend frisches Frischfasermaterial.