Verstecktes Plastik im Alltag
Plastik versteckt sich in vielen Alltagsprodukten, in denen du es nie vermutet hättest. Von Kosmetik über Reinigungsmittel bis zu Lebensmittelverpackungen – die kleinen Partikel gelangen unbemerkt in deinen Körper.
Was die Wissenschaft sagt
Aktuelle Forschung der Stanford Medicine zeigt, dass Mikroplastik in den Körper gelangen und die Genexpression in Zellen verändern kann. Eine Studie im New England Journal of Medicine fand heraus, dass Menschen mit Mikroplastik in ihren Arterien ein deutlich erhöhtes Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall haben.
Laut Fraunhofer-Institut UMSICHT gelangen allein in Deutschland jährlich etwa 977 Tonnen Mikroplastik und 46.900 Tonnen gelöste Polymere aus Kosmetik- und Reinigungsmitteln ins Abwasser.
Wo sich Mikroplastik versteckt
Kosmetik
Mikroplastik wird in der Kosmetik für bessere Schmierfähigkeit und Hautgefühl eingesetzt. Eine Analyse zeigt, dass viele bekannte Marken hohe Anteile an Plastikpartikeln enthalten:
- Zahnpasta – Mikroplastik als Schleifmittel
- Peelings – Die kleinen Partikel bestehen oft aus Kunststoff
- Mascara – Enthält häufig flüssige Plastikpartikel
- Feuchttücher – Meist aus Polyester und Viskose gefertigt
- Bodylotion und Cremes – Für bessere Haftung angereichert
Putz- und Reinigungsmittel
Für Oberflächen, die empfindlich auf Kratzer reagieren (z.B. Glaskeramik), werden mild schleifende Mikroplastik-Partikel eingesetzt:
- Waschmittel und Weichspüler – Enthalten wasserlösliche Polymere
- Toilettenreiniger – Nutzen Mikroplastik für den Reinigungseffekt
- Scheuermilch – Oft mit Kunststoffpartikeln
Lebensmittelverpackungen
Studien zeigen, dass Mikroplastik in Blut, Leber, Nieren und sogar in der Plazenta nachgewiesen wurde. Quellen im Lebensmittelbereich:
- Mineralwasser in PET-Flaschen
- Kaumasse von Kaugummis
- Tiefkühlverpackungen
- Getränkedosen (Innenbeschichtung)
- Kaffeefilter und Teebeutel aus Kunstfasern
- Chips-Tüten und Folienverpackungen
Plastikfreie Alternativen
Die gute Nachricht: Es gibt immer mehr Möglichkeiten, Plastik im Alltag zu reduzieren. Laut WWF ist eine schrittweise Umstellung am erfolgversprechendsten.
Im Badezimmer
- Feste Seife und Shampoo-Bars statt Flüssigprodukte in Plastikflaschen
- Bambus-Zahnbürsten mit biologisch abbaubaren Borsten
- Menstruationstassen oder waschbare Stoffbinden
- Zertifizierte Naturkosmetik – achte auf Siegel wie BDIH, NaTrue oder Ecocert
In der Küche
- Bienenwachstücher statt Frischhaltefolie
- Glas- und Edelstahlbehälter für Aufbewahrung
- Stoffbeutel für Obst und Gemüse
- Leitungswasser in Mehrweg-Trinkflaschen
Beim Einkaufen
Unverpackt-Läden bieten viele Produkte ohne Verpackung an. Alternativ:
- Milch und Joghurt im Pfandglas
- Eigene Behälter zur Frischetheke mitbringen
- Wochenmärkte nutzen
Worauf du achten kannst
Das EU-Mikroplastik-Verbot von 2023 schränkt den Einsatz in bestimmten Produkten ein, allerdings mit Übergangsfristen bis zu 12 Jahren. Bis dahin helfen diese Tipps:
- Inhaltsstoffe lesen – Begriffe wie Polyethylene, Polypropylene, Nylon oder Acrylates Copolymer deuten auf Plastik hin
- Zertifikate beachten – Blauer Engel und echte Naturkosmetik-Siegel garantieren plastikfreie Produkte
- Schritt für Schritt umstellen – Ein vollständig plastikfreies Leben braucht Zeit
Die Wissenschaft arbeitet weiter daran, die langfristigen Auswirkungen von Mikroplastik auf die Gesundheit zu erforschen. Harvard Medicine betont die Dringlichkeit weiterer Forschung. Bis dahin ist Vorsicht sinnvoll – besonders dort, wo einfache Alternativen existieren.