Schadstoffe in Tampons und Binden
Aktuelle Untersuchungen finden in Tampons und Binden Spuren von Schwermetallen und teilweise Pestizidrückständen - deutsche und österreichische Behörden stufen die gemessenen Mengen aber als gesundheitlich unbedenklich ein. Wer die Belastung dennoch weiter senken möchte, greift zu GOTS-zertifizierter Bio-Baumwolle.
Was aktuelle Studien zu Tampons zeigen
Die 2024 im Fachjournal Environment International veröffentlichte Studie der University of California, Berkeley, ist die erste, die gezielt Metalle in Tampons misst. Getestet wurden 30 Tampons aus 14 Marken auf 16 verschiedene Metalle.
Alle Proben enthielten messbare Spuren, darunter Blei, Cadmium und Arsen. Auffällig: Bio-Baumwolle hatte nicht durchgehend niedrigere Werte - bei Arsen lagen Bio-Produkte teils sogar höher, während Blei häufiger in konventionellen Tampons auftrat.
Pestizide in konventioneller Baumwolle
Ein 2025 veröffentlichter Bericht von Pesticide Action Network UK fand in einer von 15 getesteten Tamponpackungen Glyphosat-Rückstände - mit 0,004 mg/kg rund 40-mal höher als der EU-Trinkwassergrenzwert.
Grund dafür ist der konventionelle Baumwollanbau: Weltweit kommen laut dem Bericht etwa 300 verschiedene Pestizide zum Einsatz, ein Drittel davon gilt als besonders gefährlich. Rückstände können bis ins fertige Hygieneprodukt gelangen.
Einschätzung deutscher Behörden
Das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung bewertete die gemessenen Schwermetallwerte unter Worst-Case-Annahmen - selbst bei vollständiger Aufnahme durch den Körper wäre die Menge im Vergleich zu Nahrung, Trinkwasser und Luft vernachlässigbar.
Öko-Test prüfte 23 in Deutschland erhältliche Tampons, darunter neun Bio-Baumwoll-Varianten, auf 17 Elemente. Ergebnis: Alle Werte lagen tendenziell niedriger als in der US-Studie, jedes Produkt erhielt die Bewertung "sehr gut".
Bio-zertifizierte Alternativen erkennen
Wer die Pestizidbelastung zusätzlich senken möchte, achtet beim Einkauf auf anerkannte Zertifikate:
- GOTS (Global Organic Textile Standard): garantiert biologisch angebaute Baumwolle ohne Pestizide und kontrollierte Produktionsketten
- OEKO-TEX Standard 100: prüft das fertige Produkt auf Schadstoffgrenzwerte
- kbA (kontrolliert biologischer Anbau): EU-Bio-Siegel für den Rohstoffanbau
Ein österreichisches Beispiel für GOTS-zertifizierte Ware ist Happy Mona: Die Tampons bestehen aus 100% Bio-Baumwolle, werden in der EU produziert und in Wien verpackt.
Weitere Tipps zur Reduktion
Neben zertifizierter Bio-Baumwolle helfen folgende Alternativen, die Schadstoffbelastung weiter zu senken:
- Menstruationstassen aus medizinischem Silikon kommen ganz ohne Baumwolle aus und sind wiederverwendbar
- Waschbare Stoffbinden reduzieren sowohl Schadstoffkontakt als auch Verpackungsmüll
- Auf duft- und chlorfreie Produkte achten, da Bleichverfahren zusätzliche Rückstände hinterlassen können
Mehr Ideen für ein schadstoffärmeres Badezimmer gibt es im Beitrag Veganes plastikfreies Bad. Wer sich generell für Schadstoffe im Alltag interessiert, findet ergänzende Infos in Schadstoffe in Kleidung und Schadstoffe in Baby-Sachen.
Häufige Fragen
- Sind Schadstoffe in Tampons gesundheitsschädlich?
- Das deutsche Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR) hat die gemessenen Schwermetallwerte unter Worst-Case-Annahmen geprüft und kommt zu dem Schluss, dass gesundheitliche Beeinträchtigungen nicht zu erwarten sind. Selbst bei vollständiger Aufnahme wären die Mengen winzig im Vergleich zur Hintergrundbelastung aus Nahrung, Trinkwasser und Luft. Trotzdem lohnt sich der Griff zu zertifizierter Bio-Baumwolle, um die Belastung zusätzlich zu senken.
- Was bedeutet die GOTS-Zertifizierung bei Periodenprodukten?
- GOTS (Global Organic Textile Standard) garantiert biologisch angebaute Baumwolle ohne Pestizide sowie strenge Kontrollen entlang der gesamten Produktionskette. GOTS-zertifizierte Tampons und Binden enthalten daher keine Pestizidrückstände wie Glyphosat, die bei konventioneller Baumwolle vorkommen können.
- Sind Bio-Tampons komplett schadstofffrei?
- Vollständig schadstofffrei ist kein Produkt, da Spurenelemente wie Schwermetalle auch natürlich im Boden vorkommen und von Pflanzen aufgenommen werden. Bio-zertifizierte Baumwolle reduziert aber nachweislich die Pestizidbelastung, da beim Anbau auf Herbizide wie Glyphosat verzichtet wird.
- Welche Alternativen zu Tampons und Binden gibt es?
- Menstruationstassen aus medizinischem Silikon kommen komplett ohne Baumwolle aus und sind wiederverwendbar. Auch waschbare Stoffbinden sind eine plastik- und schadstoffarme Alternative. Beide Optionen reduzieren zusätzlich Verpackungsmüll gegenüber Einwegprodukten.
- Warum fanden US-Studien mehr Schadstoffe als deutsche Tests?
- Die 2024 in "Environment International" veröffentlichte Berkeley-Studie testete US- und EU-Marken gemeinsam und fand messbare Spuren von 16 Metallen. Der deutsche Öko-Test mit 23 Produkten stellte zwar ebenfalls Spuren fest, jedoch in tendenziell niedrigeren Konzentrationen als in der US-Untersuchung - alle getesteten Produkte erhielten die Bewertung "sehr gut".
- Enthalten auch Binden und Slipeinlagen Schadstoffe?
- Ja, dieselben Untersuchungen schlossen auch Binden mit ein. Da Binden ebenfalls meist aus Baumwolle und Kunststoffanteilen bestehen, gelten dieselben Empfehlungen: auf GOTS- oder OEKO-TEX-zertifizierte Bio-Baumwolle achten, um Pestizidrückstände zu vermeiden.