Der erste Arbeitstag nach den Feiertagen
Es ist 6:30 Uhr. Der Wecker klingelt. Du starrst ihn an wie einen Feind aus längst vergangenen Zeiten. War da nicht etwas? Richtig: Arbeit. Das Ding, das du zehn Tage lang erfolgreich verdrängt hast.
Willkommen zum ersten Arbeitstag nach den Feiertagen - dem Tag, an dem ganz Österreich kollektiv leidet.
Die fünf Phasen des Jänner-Montags
Phase 1: Verleugnung (6:30 - 7:00 Uhr)
"Der Wecker muss kaputt sein. Es kann unmöglich schon Montag sein. Die Feiertage haben doch gerade erst angefangen."
Du drückst dreimal auf Snooze und überlegst ernsthaft, dich krankzumelden. Aber dann erinnerst du dich: Du hast bereits 47 Nachrichten im Arbeits-Chat ignoriert. Die Kolleginnen wissen, dass du lebst.
Phase 2: Zorn (7:00 - 8:00 Uhr)
Warum ist es so dunkel? Warum ist es so kalt? Warum hat niemand in der Zwischenzeit ein Gesetz erlassen, das Arbeit im Jänner verbietet?
Du starrst in deinen Kleiderschrank und stellst fest: Nichts passt mehr. Die Weihnachtskekse waren keine gute Idee. Die zweite Portion Raclette-Bratkartoffeln auch nicht. Und das dritte Stück vegane Schokoladentorte? Kein Kommentar.
Phase 3: Verhandeln (8:00 - 9:00 Uhr)
"Wenn ich heute durchhalte, belohne ich mich mit einem ausgiebigen Mittagsschlaf. Oder vielleicht kündige ich auch einfach und werde Bienenzüchter in Portugal."
Du googelst "Bienenzucht lernen" und "Auswandern Portugal Kosten". Dann erinnerst du dich, dass du vor drei Wochen einen Vertrag für einen neuen Kühlschrank unterschrieben hast.
Phase 4: Depression (9:00 - 12:00 Uhr)
Du sitzt am Schreibtisch und versuchst dich zu erinnern, was dein Passwort war. Nach dem fünften Fehlversuch rufst du die IT an. Der Kollege klingt genauso leidend wie du.
Dein E-Mail-Postfach zeigt 847 ungelesene Nachrichten. Du schließt Outlook und öffnest stattdessen den Kalender. Der Januar ist vollgepackt mit Meetings, deren Sinn dir heute völlig schleierhaft erscheint.
Phase 5: Akzeptanz (12:00 - 17:00 Uhr)
Irgendwann passiert es: Du trinkst deinen dritten Kaffee, isst dein mitgebrachtes Meal-Prep, und plötzlich läuft es. Nicht großartig. Aber es läuft.
Du hast drei E-Mails beantwortet, ein Meeting überlebt und zweimal "Frohes Neues" gesagt, ohne dabei zu weinen.
Wissenschaftlich gesehen: Du bist nicht allein
Das Phänomen hat sogar einen Namen: Blue Monday. Ursprünglich als PR-Gag einer Reisefirma erfunden, beschreibt er den angeblich deprimierendsten Tag des Jahres - den dritten Montag im Jänner.
Die wissenschaftliche Realität sieht anders aus: Es gibt keinen einzigen Tag, der nachweislich der "schlimmste" ist. Aber was sehr real ist: Die Kombination aus wenig Licht, leerer Geldbörse nach den Feiertagen und dem Ende der Auszeit kann die Stimmung drücken.
Saisonal bedingte Stimmungsschwankungen (SAD) betreffen etwa 5% der Bevölkerung, mit Symptomen, die meist im Jänner und Februar am stärksten sind.
Was wirklich hilft (spoiler: keine Wunderpillen)
1. Erwartungen runterschrauben
Der erste Tag ist nicht dazu da, Heldentaten zu vollbringen. Er ist dazu da, zu überleben. Und das hast du geschafft.
2. Bewegung (ja, wirklich)
Studien zeigen, dass Bewegung im Freien - auch bei Kälte und Dunkelheit - die Stimmung hebt. Ein kurzer Spaziergang in der Mittagspause wirkt Wunder.
3. Nicht alleine leiden
Sprich mit Kolleginnen über den Jänner-Blues. Du wirst feststellen: Alle fühlen sich gleich. Das Leiden liebt Gesellschaft.
4. Vorfreude planen
Plane etwas Schönes für das Wochenende. Ein Brunch mit Freunden, ein neues Rezept ausprobieren, oder einfach einen Tag im Schlafanzug auf der Couch.
Die Wahrheit über den Jänner
Hier ist das Geheimnis, das dir niemand verrät: Der Jänner ist eigentlich gar nicht so schlimm. Er fühlt sich nur so an, weil wir gerade aus dem Dezember-Zuckerschock aufwachen.
In zwei Wochen wirst du dich nicht mehr daran erinnern, wie schwer dieser erste Tag war. Du wirst im Alltag sein, deine Routinen haben, und alles wird sich normal anfühlen.
Bis dahin: Halte durch. Trink Tee. Iss Comfort Food. Und vergiss nicht - in 359 Tagen sind wieder Weihnachtsferien.
Fazit
Der erste Arbeitstag nach den Feiertagen ist hart. Das ist keine Schwäche, das ist menschlich. Millionen Menschen durchleben heute genau das Gleiche.
Also: Snooze-Taste drücken ist okay. Drei Kaffees sind okay. Und heimlich nach Bienenzucht googeln ist auch okay.
Hauptsache, du schaffst es bis 17 Uhr. Danach ist alles bergab - im positiven Sinne.
Frohes Neues, du schaffst das!