Ashtanga Yoga: Die Serien erklärt

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Ashtanga Yoga ist nicht eine einzelne Übungsfolge, sondern ein System aus sechs aufeinander aufbauenden Serien. Wer "Primary Series" oder "Serie 2" googelt, will meist genau das wissen: Was unterscheidet die Serien, und wie kommt man von einer zur nächsten?

Die sechs Ashtanga-Serien im Überblick

Jede Serie hat einen eigenen Sanskrit-Namen und einen eigenen Schwerpunkt. Die Reihenfolge ist fest - eine neue Serie beginnt erst, wenn die vorherige sicher sitzt.

Serie Sanskrit-Name Schwerpunkt
Primäre Serie Yoga Chikitsa Ausrichtung, Entgiftung, Grundkraft
Zweite Serie Nadi Shodhana Rückbeugen, Hüftöffnung, Nervensystem
Serien 3-6 Sthira Bhaga Armbalancen, Kraft, fortgeschrittene Übergänge

Nur ein sehr kleiner Teil der Praktizierenden erreicht die fortgeschrittenen Serien - das System ist absichtlich so angelegt, dass die meisten Menschen dauerhaft und zufrieden in der Primären oder Zweiten Serie bleiben.

Die Primäre Serie: Yoga Chikitsa

Die Primäre Serie ist der Einstiegspunkt und für die meisten Praktizierenden die Serie, mit der sie jahrelang arbeiten. Sie beginnt mit den Sonnengrüßen Surya Namaskar A und B, geht über Stehpositionen in Sitzpositionen über und endet mit einer festen Abschlusssequenz aus Schulterstand, Pflug und Entspannung.

Der Name Yoga Chikitsa bedeutet Yoga als Therapie. Gemeint ist damit die Wirkung auf Wirbelsäule, Organe und Nervensystem durch die immer gleiche, wiederholte Abfolge - nicht ein Heilversprechen für konkrete Beschwerden.

Drei Elemente tragen jede Haltung der Serie:

Die Zweite Serie: Nadi Shodhana

Wer die Primäre Serie mit einiger Sicherheit übt, kommt irgendwann zur Zweiten Serie - auf Sanskrit Nadi Shodhana, sinngemäß "Nervenreinigung". Der Schwerpunkt verschiebt sich deutlich: mehr Rückbeugen, mehr Hüftöffnung, anspruchsvollere Balance-Elemente.

Diese Serie verlangt spürbar mehr Beweglichkeit in der Wirbelsäule als die Primäre Serie und wird deshalb erst dazugenommen, wenn der Körper darauf vorbereitet ist. Im Mysore-Format entscheidet die Lehrperson individuell, wann die ersten Haltungen der Zweiten Serie ergänzt werden.

Fortgeschrittene Serien: Sthira Bhaga

Die vier fortgeschrittenen Serien werden gemeinsam als Sthira Bhaga bezeichnet und enthalten komplexe Armbalancen, tiefe Rückbeugen und anspruchsvolle Übergänge. Sie sind bewusst als jahrelange, teils jahrzehntelange Weiterentwicklung angelegt - nicht als Ziel, das jede praktizierende Person erreichen soll oder muss.

Die Mysore-Methode: Serien im eigenen Tempo lernen

Traditionell werden die Serien im sogenannten Mysore-Format gelehrt - benannt nach der südindischen Stadt, in der diese Unterrichtsform entstand. Statt einer angesagten Gruppenstunde übt jede Person ihre eigene, individuell zugewiesene Sequenz, während die Lehrperson durch den Raum geht und einzeln korrigiert.

Neue Haltungen kommen erst dazu, wenn die vorherigen stabil und sicher sitzen. Diese Struktur bedeutet: Der Fortschritt ist streng individuell. Zwei Menschen im selben Raum können an völlig unterschiedlichen Stellen der Serie stehen, ohne dass das ein Problem wäre.

Wissenschaftliche Erkenntnisse zur Ashtanga-Praxis

Die Forschung zu Ashtanga und verwandten dynamischen Yogastilen ist mittlerweile recht umfangreich. Eine randomisierte Studie in PubMed (2022) verglich Ashtanga-basierte Yogapraxis mit allgemeinem Yoga bei Menschen mit abdominaler Adipositas über 12 Wochen und fand deutlichere Verbesserungen bei Körperzusammensetzung und Lebensqualität in der Ashtanga-Gruppe.

Zur mentalen Gesundheit liegt eine 2024 veröffentlichte Studie zu langfristiger Ashtanga-Praxis vor, die verbesserte emotionale Regulation und soziales Wohlbefinden bei langjährig Praktizierenden zeigt. Eine Untersuchung zu Glukosestoffwechsel im Gehirn in PMC fand bei erfahrenen Ashtanga-Praktizierenden Veränderungen, die mit den Praxisjahren zunahmen.

Ein systematisches Review zu Yoga und Genexpression in PMC fasst mehrere randomisierte Studien zusammen und findet konsistente Effekte auf Stressmarker bei regelmäßiger Praxis. Diese Studienlage bezieht sich meist auf regelmäßige Praxis über mehrere Wochen, nicht auf einzelne Einheiten.

Welche Serie ist die richtige für dich?

Für den Einstieg zählt nur eine Serie: die Primäre. Die Zweite und die fortgeschrittenen Serien ergeben sich - wenn überhaupt - erst aus jahrelanger, regelmäßiger Praxis der Primären Serie. Wer noch ganz am Anfang steht, findet einen praktischen Einstieg im Artikel Ashtanga Yoga für Anfänger.

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Häufige Fragen

Wie viele Ashtanga-Serien gibt es insgesamt?
Das traditionelle System umfasst sechs Serien: die Primäre Serie (Yoga Chikitsa), die Zweite Serie (Nadi Shodhana) und vier fortgeschrittene Serien, die zusammen als Sthira Bhaga bezeichnet werden. Die allermeisten praktizierenden Menschen bleiben dauerhaft bei der Primären oder Zweiten Serie - das ist im Ashtanga-System völlig normal und kein Zeichen mangelnden Fortschritts.
Was bedeutet der Name Yoga Chikitsa?
Yoga Chikitsa ist Sanskrit und bedeutet sinngemäß Yogatherapie. Der Name bezieht sich auf die Primäre Serie, die Wirbelsäule, Organe und Nervensystem durch eine feste Abfolge von Haltungen entlasten und stärken soll. Er beschreibt den therapeutischen Anspruch der ersten Serie, nicht ein Versprechen auf Heilung einzelner Beschwerden.
Kann ich direkt mit der Zweiten Serie beginnen?
Nein, im traditionellen Mysore-Format nicht. Die Serien bauen aufeinander auf, und die Zweite Serie verlangt Rückbeugen und Hüftöffnung, für die die Primäre Serie den Körper vorbereitet. Geführte Klassen zeigen manchmal einzelne Haltungen aus der Zweiten Serie zur Orientierung, doch die eigenständige Praxis beginnt fast immer mit der Primären Serie.
Wie lange dauert es, die Primäre Serie vollständig zu lernen?
Das ist von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich und hängt von Übungshäufigkeit, Vorerfahrung und Körperbau ab - realistisch sprechen viele Praktizierende von mehreren Jahren regelmäßiger Praxis, bis alle Haltungen sicher sitzen. Im Mysore-Stil ist das kein Rennen: Neue Haltungen kommen erst dazu, wenn die vorherigen stabil sind.
Brauche ich für die Serien-Praxis unbedingt eine Lehrperson?
Für die ersten Schritte ja - eine Lehrperson zeigt die korrekte Ausführung, den Atemrhythmus und die Drishti-Blickpunkte und ergänzt die Sequenz schrittweise. Fortgeschrittene mit gefestigter Praxis üben die erlernten Teile der Serie oft eigenständig zuhause, kehren aber für neue Haltungen und Korrekturen ins Mysore-Format zurück.
Was unterscheidet die fortgeschrittenen Serien von der Primären Serie?
Die vier fortgeschrittenen Serien (Sthira Bhaga) enthalten deutlich mehr Armbalancen, tiefe Rückbeugen und komplexe Übergänge und verlangen ein hohes Maß an Kraft und Beweglichkeit. Nur ein kleiner Teil der praktizierenden Menschen erreicht sie überhaupt - sie sind bewusst als jahrelange Weiterentwicklung angelegt, nicht als Ziel für alle.