Vinyasa vs Ashtanga Yoga – Welcher Stil passt zu dir?

19.1.2026

Vinyasa und Ashtanga – beide sind dynamisch, beide betonen die Verbindung von Atem und Bewegung, und beide bringen dich ins Schwitzen. Doch während Ashtanga strenger Tradition folgt, bietet Vinyasa kreative Freiheit. Die Frage ist: Was passt besser zu deiner Persönlichkeit?

Für einen Überblick über weitere Yoga-Stile, lies unseren Artikel Die verschiedenen Yoga-Stile erklärt.

Die Wurzeln: Eine gemeinsame Linie

Ashtanga Yoga: Die strukturierte Tradition

Ashtanga Yoga wurde von K. Pattabhi Jois (1915-2009) systematisiert. Er lernte 25 Jahre bei seinem Lehrer Krishnamacharya, der oft als "Vater des modernen Yoga" bezeichnet wird.

Der Name "Ashtanga" bedeutet "acht Glieder" und bezieht sich auf Patanjalis achtfachen Pfad: Yamas, Niyamas, Asanas, Pranayama, Pratyahara, Dharana, Dhyana und Samadhi.

1948 gründete Jois das Ashtanga Yoga Research Institute in Mysore, Indien. Der traditionelle "Mysore-Stil" – wo jeder Schüler in seinem eigenen Tempo übt – wurde zum Markenzeichen dieser Praxis.

Vinyasa Flow: Die kreative Evolution

Vinyasa Yoga entwickelte sich direkt aus dem Ashtanga und behielt die fließende Atem-Bewegung-Verbindung bei. Der entscheidende Unterschied: Vinyasa hat keine feste Sequenz.

Treffend beschrieben: "Ashtanga ist wie Schule, und Vinyasa ist wie Pause." Oder anders: "Ashtanga ist ein strukturiertes Buch, Vinyasa ist Freestyle."

Die Unterschiede auf einen Blick

Aspekt Vinyasa Yoga Ashtanga Yoga
Sequenz Flexibel, vom Lehrer gestaltet Feste Abfolge (6 Serien)
Kreativität Hoch – jede Klasse anders Gering – immer dieselbe Sequenz
Tempo Variabel Gleichmäßig, schnell
Musik Oft mit Musik Traditionell ohne Musik
Lernkurve Sanfter Einstieg möglich Strukturiertes Lernen
Fortschritt Subjektiv Messbar durch Serien

Was die Wissenschaft sagt

Vinyasa Yoga: Stimmung, Herz und Flexibilität

Stimmungsverbesserung: Eine Pilotstudie an College-Studenten zeigte:

Kardiovaskuläre Gesundheit: PMC-Forschung untersuchte Blutdruck und Herzratenvariabilität nach Vinyasa. Die Ergebnisse zeigen moderate kardiovaskuläre Aktivierung.

Depression: Eine Studie fand signifikante Verbesserungen bei Depressionssymptomen und erhöhte Achtsamkeit nach zwei Monaten regelmäßiger Vinyasa-Praxis.

Krebspatienten: Forschung in PMC zeigt, dass Vinyasa Yoga das Wohlbefinden von Brustkrebspatientinnen während der COVID-19-Pandemie verbesserte.

Ashtanga Yoga: Gehirn, Psyche und Körper

Gehirnaktivität: Eine PET/MR-Studie zeigt, dass erfahrene Ashtanga-Praktizierende veränderte Gehirnstoffwechselmuster aufweisen – besonders in Regionen, die mit Emotionsregulation verbunden sind.

Psychisches Wohlbefinden: Forschung mit über 31.000 Teilnehmern belegt, dass langfristige Ashtanga-Praktizierende in allen Dimensionen des psychologischen Wohlbefindens besser abschneiden als die Allgemeinbevölkerung.

Muskelkraft: Eine Studie aus 2012 zeigte, dass prämenopausale Frauen nach acht Monaten Ashtanga-Praxis ihre Muskelkraft signifikant verbesserten.

Achtsamkeit und Essverhalten: Forschung aus 2009 belegte, dass Yoga-Praktizierende achtsamer essen, was zu Gewichtsverlust führen kann.

Die Ashtanga-Serien erklärt

Ashtanga folgt einem klaren Stufensystem:

Primary Series (Yoga Chikitsa)

"Yoga-Therapie" – reinigt und richtet den Körper aus. Die meisten Praktizierenden verbringen Jahre hier.

Intermediate Series (Nadi Shodhana)

"Nervenreinigung" – intensivere Rückbeugen und Armbalancen.

Advanced Series A-D

Vier weitere Serien für sehr erfahrene Praktizierende – nur wenige erreichen dieses Level.

Der Mysore-Stil: Im traditionellen Ansatz übst du selbstständig in deinem Tempo, während der Lehrer individuell korrigiert. Das macht Ashtanga paradoxerweise sehr anfängerfreundlich – du lernst Pose für Pose.

Die Vorteile der jeweiligen Struktur

Vorteile der Ashtanga-Struktur

  1. Messbare Progression: Du weißt genau, wo du stehst
  2. Mentale Klarheit: Keine Entscheidungen nötig – einfach üben
  3. Muskelgedächtnis: Die Wiederholung vertieft die Praxis
  4. Disziplin: Fördert Durchhaltevermögen und Routine
  5. Tradition: Verbindung zu einer jahrtausendealten Linie

Vorteile der Vinyasa-Freiheit

  1. Kreativität: Jede Klasse ist ein neues Erlebnis
  2. Anpassbarkeit: Der Lehrer reagiert auf die Gruppe
  3. Abwechslung: Nie langweilig
  4. Zugänglichkeit: Sanfte bis intensive Klassen verfügbar
  5. Musikalität: Flow mit der Lieblingsmusik

Für wen ist welcher Stil?

Ashtanga Yoga passt zu dir, wenn:

Vinyasa Yoga passt zu dir, wenn:

Für Anfänger: Was ist besser?

Überraschende Antwort: Beide sind anfängertauglich!

Das Beste aus beiden Welten

Warum nicht kombinieren? Viele Yogis praktizieren beide Stile.

Wochenplanung:

Saisonale Variation:

Gemeinsamkeiten

Trotz aller Unterschiede teilen beide Stile fundamentale Prinzipien:

Praktischer Tipp: Der 30-Tage-Test

Probiere dieses Experiment:

Woche 1-2: 4x Vinyasa-Klassen bei verschiedenen Lehrern

Woche 3-4: 4x Ashtanga-Klassen (idealerweise Mysore-Stil)

Danach: Reflektiere:

Fazit: Struktur oder Freiheit?

Vinyasa und Ashtanga sind wie zwei Seiten derselben Medaille – beide dynamisch, beide kraftvoll, aber mit unterschiedlicher Philosophie.

Die beste Wahl? Die, die dich auf die Matte bringt.


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Ob strukturierte Tradition oder kreativer Flow – beide Wege führen zur Matte. Und das ist das Wichtigste. Namaste.