Veganer Erdäpfelsalat

Erdäpfelsalat ist in Österreich mehr als ein Rezept - er ist ein Kulturgut. Auf jedem Grill, bei jedem Heurigen und in jeder österreichischen Haushaltsküche hat er seinen festen Platz. Das Besondere: Der echte Wiener Erdäpfelsalat kommt ganz ohne Mayonnaise aus. Stattdessen macht ein heißer Essigsud aus Gemüsebrühe, Essig und Öl den Salat saftig und aromatisch - und er ist damit ganz von Natur aus vegan.

Was macht den österreichischen Erdäpfelsalat so besonders?

Der Unterschied zum deutschen oder amerikanischen Kartoffelsalat liegt in der Technik. Laut Mission Food Adventure ist der entscheidende Schritt, den heißen Sud direkt über die noch warmen Erdäpfelscheiben zu gießen - nur so saugen sie das Dressing vollständig auf und werden von innen heraus saftig. Ein erkalterter Erdäpfel nimmt den Sud kaum auf und bleibt fade.

Der zweite charakteristische Zug: Kürbiskernöl aus der Steiermark als Finish. Das dunkelgrüne, intensiv nussige Öl wird nicht zum Kochen verwendet, sondern erst kurz vor dem Servieren in feinen Fäden über den fertigen Salat geträufelt. Es ist das unverkennbare Erkennungszeichen eines echten österreichischen Erdäpfelsalats.

Laut Plantbased Redhead - eine österreichische vegane Köchin - ist die Sorte der Erdäpfel mindestens genauso wichtig wie die Technik. Nur festkochende Sorten wie Sieglinde oder Ditta halten beim Schneiden ihre Form und zerfallen nicht im Dressing.

Welche Erdäpfelsorten sind die besten?

Sorte Kochtyp Geschmack Eignung
Sieglinde festkochend nussig, würzig Sehr gut
Ditta festkochend mild, cremig Sehr gut
La Ratte festkochend nussig, elegant Hervorragend
Heurige festkochend grasig, frisch Sehr gut
Agria vorwiegend festkochend buttrig Gut
Bintje mehligkochend stärkereich Nicht geeignet

Für den perfekten Erdäpfelsalat immer festkochende Sorten wählen. Bei österreichischen Bauernmärkten oder im Hofer/Billa unter "Salatkartoffeln" zu finden.

Wie gelingt der Essigsud?

Das Dressing ist simpel, aber die Balance muss stimmen. Little Vienna - eine Österreicherin, die das Rezept ihrer Großmutter weitergibt - beschreibt das ideale Verhältnis: mehr Brühe als Essig, damit der Salat saftig und nicht zu sauer wird. Der Sud sollte heiß auf die noch warmen Erdäpfel kommen.

Grundregel: 3 Teile Brühe zu 1 Teil Essig. Wer es milder mag, nimmt Apfelessig statt Weißweinessig. Ein TL Senf bindet das Dressing leicht und gibt Tiefe.

Essigsorten im Vergleich:

Essig Geschmack Empfehlung
Weißweinessig mild, fruchtig Klassisch, ideal
Apfelessig fruchtig, leicht süßlich Sehr gut, milder
Himbeeressig aromatisch-fruchtig Besondere Note
Balsamico süß, intensiv Nur sehr sparsam

Wann serviert man Erdäpfelsalat am besten?

Erdäpfelsalat schmeckt am besten "Küchentemperatur" - also warm bis auf Zimmertemperatur abgekühlt, aber nicht kalt aus dem Kühlschrank. Das ist kein Zufall: Kälte dämpft die Aromen, während Wärme Essig und Schnittlauch erst richtig zur Geltung bringt.

Für Grillabende ist er die perfekte Beilage - er lässt sich gut vorbereiten und schmeckt nach dem Ziehen sogar noch besser. Zu veganen Grillsaucen selber machen und gegrilltem Gemüse ergibt er ein komplett österreichisches Sommermahl.

Wer den Salat als vollständige Mahlzeit servieren möchte, kann ihn auf einem Bett aus Vogerlsalat (Feldsalat) anrichten und mit gerösteten Kürbiskernen toppen - eine sehr beliebte Kombination auf Wiener Heurigen.

Wie variiert man den klassischen Erdäpfelsalat?

Der klassische Wiener Erdäpfelsalat mit Essigsud ist die Basis - aber es gibt wunderbare Abwandlungen:

Mehr Inspirationen gibt es im Veganer Kartoffelsalat Variationen Guide mit allen Zubereitungsarten im Überblick.

Weitere Kartoffelrezepte

Wer Erdäpfelsalat liebt, findet im Veganen Kartoffel-Rezepte-Guide weitere Ideen. Den klassischen Veganen Kartoffelsalat in der mayonnaisebasierten Variante gibt es ebenfalls - beide haben ihre Berechtigung und ihre Fans. Und Ist Kartoffelsalat vegan? beantwortet, worauf man beim Kauf oder in Restaurants achten sollte.

Rezepte als Stories entdecken

Rezept

Zubereitungszeit
15 Min
Kochzeit
25 Min
Gesamtzeit
40 Min
Portionen
4 Portionen

Zutaten

  • 800g festkochende Erdäpfel (z.B. Sieglinde, Ditta oder La Ratte)
  • 1 mittelgroße Zwiebel, sehr fein gewürfelt
  • 150ml heißer Gemüsebrühe
  • 3 EL milder Weißweinessig
  • 2 EL Raps- oder Sonnenblumenöl
  • 1 TL Dijon-Senf
  • 1 Prise Zucker
  • Salz und frisch gemahlener schwarzer Pfeffer nach Geschmack
  • 3 EL frischer Schnittlauch, in feine Röllchen geschnitten
  • 2 EL Kürbiskernöl zum Beträufeln (optional, aber sehr österreichisch)
  • 1 EL geröstete Kürbiskerne zum Garnieren (optional)

Zubereitung

  1. Erdäpfel gründlich waschen (nicht schälen) und in reichlich Salzwasser 20-25 Minuten weich garen. Sie sind fertig, wenn ein Messer leicht durch die größte Knolle geht.
  2. Während die Erdäpfel kochen, die Gemüsebrühe erhitzen. Essig, Öl, Senf, Zucker, Salz und Pfeffer einrühren - der Sud sollte kräftig gewürzt und leicht sauer-salzig schmecken.
  3. Erdäpfel abgießen und kurz ausdampfen lassen. Noch heiß schälen - das gelingt am besten mit einem kleinen Messer und einem Geschirrtuch zum Halten.
  4. Erdäpfel in gleichmäßige Scheiben von ca. 4-5mm schneiden. Sie müssen JETZT noch warm sein - das ist der wichtigste Schritt!
  5. Warme Erdäpfelscheiben sofort in eine große Schüssel geben. Den heißen Essigsud und die fein gewürfelte Zwiebel gleichmäßig darüber verteilen und vorsichtig unterheben.
  6. Den Salat mindestens 30 Minuten ziehen lassen - am besten mit einem Teller abgedeckt. Die Erdäpfel saugen in dieser Zeit den Sud auf und werden herrlich saftig.
  7. Abschmecken und bei Bedarf mit Salz, Essig oder einer Prise Zucker nachjustieren. Mit Schnittlauch bestreuen.
  8. Mit Kürbiskernöl beträufeln, mit Kürbiskernen garnieren und warm oder auf Zimmertemperatur servieren.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Erdäpfelsalat und Kartoffelsalat?
Erdäpfelsalat und Kartoffelsalat sind dasselbe Gericht - "Erdäpfel" ist der österreichische Begriff für Kartoffeln. Die österreichische Variante unterscheidet sich jedoch von der deutschen: Sie verzichtet auf Mayonnaise und verwendet stattdessen einen warmen Essigsud aus Gemüsebrühe, Essig und Öl. Dadurch schmeckt er leichter, frischer und säuerlicher.
Welche Erdäpfel eignen sich am besten für Erdäpfelsalat?
Für Erdäpfelsalat braucht man unbedingt festkochende Sorten - sie behalten ihre Form beim Schneiden und zerfallen nicht im Dressing. In Österreich eignen sich Sieglinde, Ditta, La Ratte oder Heurige besonders gut. Mehlig kochende Sorten wie Bintje werden beim Anmachen zu matschig.
Warum müssen die Erdäpfel beim Anrichten noch warm sein?
Nur heiße Erdäpfelscheiben saugen den Essigsud vollständig auf und werden dadurch von innen heraus saftig und aromatisch. Wenn die Erdäpfel kalt sind, bleibt das Dressing außen und der Salat schmeckt fade. Das ist das wichtigste Geheimnis des echten österreichischen Erdäpfelsalats.
Wie lange hält sich veganer Erdäpfelsalat im Kühlschrank?
Im Kühlschrank gut abgedeckt hält er sich 2-3 Tage. Beim Wiedererwärmen oder vor dem Servieren am besten nochmals abschmecken und eventuell einen Schluck Brühe oder Essig zugeben, da er im Kühlschrank etwas trockener wird. Er schmeckt übrigens frisch am besten - am selben oder nächsten Tag.
Wozu passt veganer Erdäpfelsalat am besten?
Erdäpfelsalat ist die klassische Grillbeilage in Österreich - er passt perfekt zu veganen Würsteln, Tofu-Steaks, gegrilltem Gemüse und veganen Bratlingen. Auch zu veganen Schnitzeln oder als Hauptspeise mit einem grünen Salat ist er ideal. Für ein komplettes Sommeressen mit Kürbiskernöl beträufeln und mit Vogerlsalat (Feldsalat) servieren.
Was ist das Geheimnis des Kürbiskernöls im Erdäpfelsalat?
Kürbiskernöl ist eine steirische Spezialität mit dunkelgrüner Farbe und intensivem Nussaroma. Im Erdäpfelsalat wird es nicht zum Kochen verwendet, sondern erst kurz vor dem Servieren in dünnen Fäden darüber geträufelt. Es verleiht dem Salat ein unverkennbar österreichisches Aroma. Kürbiskernöl gibt es in gut sortierten Supermärkten, Biomärkten oder online.
Kann ich den Erdäpfelsalat am Vortag vorbereiten?
Ja, mit einem Trick: Den Salat wie beschrieben zubereiten, aber Schnittlauch und Kürbiskernöl erst kurz vor dem Servieren zugeben. Über Nacht zieht der Sud noch tiefer ein und der Geschmack intensiviert sich. Vor dem Servieren Raumtemperatur annehmen lassen und nochmals abschmecken.
Wie mache ich den Erdäpfelsalat cremiger?
Wer einen cremigeren Erdäpfelsalat möchte, kann 2-3 EL vegane Mayonnaise oder veganes Joghurt zum erkalteten Salat einrühren. Eine andere Methode: Einige Erdäpfelscheiben leicht zerdrücken, damit sie die Stärke freisetzen - das bindet das Dressing auf natürliche Weise ohne Zusätze.