Vegane Produktbezeichnungen in der EU

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Darf vegane Wurst noch "Wurst" heißen? Nach einem wegweisenden EuGH-Urteil vom Oktober 2024 ist die Antwort eindeutig: ja. Der Europaische Gerichtshof hat nationale Verbote von Fleischbezeichnungen fur pflanzliche Produkte fur illegal erklart. Laut Wettbewerbszentrale bestatige das Gericht: EU-Mitgliedstaaten durfen pflanzliche Produkte nicht pauschal von der Nutzung tierischer Produktbezeichnungen ausschließen. Laut FoodNavigator (Oktober 2025) stimmte das EU-Parlament im Oktober 2025 mit 355 zu 247 Stimmen fur neue Regelungen - aber selbst diese Abstimmung nimmt die gangigsten Alltagsbegriffe explizit aus.

Was hat der EuGH im Oktober 2024 entschieden?

Am 4. Oktober 2024 erging das EuGH-Urteil in der Rechtssache C-438/23 - ein Meilenstein fur vegane Lebensmittelkennzeichnung. Frankreich hatte ein nationales Dekret erlassen, das Bezeichnungen wie "Veganer Steak", "Pflanzen-Wurst" oder "Soja-Schnitzel" fur pflanzliche Produkte untersagte. Der EuGH erklarte dieses Dekret fur unvereinbar mit EU-Recht.

Grundlage ist die EU-Lebensmittelinformationsverordnung (LMIV, Verordnung 1169/2011), die EU-weit einheitlich gilt. Nationale Sonderregelungen, die uber diesen Rahmen hinausgehen, sind unzulassig. WBS.legal erlautert das Urteil: Solange der pflanzliche Charakter eines Produkts klar erkennbar und nicht irrefuhrend ist, durfen die gangigen Fleischbezeichnungen verwendet werden.

Das bedeutet: "Vegane Bratwurst aus Erbsenprotein", "Pflanzlicher Schnitzel" oder "Veganer Burger" sind nach EU-Recht vollig legal - und das bleibt auch nach der neuen Verordnung so.

Was andert die neue EU-Verordnung ab 2026?

Nach dem EuGH-Urteil von 2024 war klar, dass eine Neuregelung auf EU-Ebene notig ist, wenn bestimmte Bezeichnungen eingeschrankt werden sollen. Das EU-Parlament stimmte im Oktober 2025 fur Anderungen an der EU-Marktorganisations-Verordnung (CMO-Verordnung). Nach mehreren Verhandlungsrunden - der erste Trilog-Versuch im Dezember 2025 scheiterte noch - kam im Marz 2026 eine Einigung zustande.

Das Ergebnis: Rund 31 spezifische Fleischbegriffe werden fur pflanzliche Produkte eingeschrankt. Laut Green Queen enthalt die Einigung eine entscheidende Ausnahme: Die Begriffe "Burger", "Wurst" und "Schnitzel" sind explizit ausgenommen und durfen weiterhin fur vegane Produkte verwendet werden.

Fur Unternehmen gilt eine dreijahrige Ubergangszeit nach Inkrafttreten - die vollstandige Umsetzung ist fruhestens ab 2029 erwartet.

Welche veganen Produktnamen bleiben erlaubt?

Die vertrauten Alltagsbezeichnungen bleiben großtenteils erhalten:

Bezeichnung Status nach EU-Verordnung 2026
Veganer Burger Erlaubt (explizit ausgenommen)
Vegane Wurst / Vegane Bratwurst Erlaubt (explizit ausgenommen)
Veganes Schnitzel Erlaubt (explizit ausgenommen)
Veganer Aufschnitt Erlaubt (allgemeiner Begriff)
Vegane Nuggets Erlaubt
Veganer Chorizo In Klarung (geografischer Hinweis)

Anders sieht es bei Milchbezeichnungen aus: "Milch", "Kase", "Butter", "Joghurt" und "Quark" sind fur pflanzliche Produkte bereits seit Jahren durch EU-Verordnung 1308/2013 verboten. Diese Regelung bleibt unverandert. Richtig ware daher "Haferdrink" statt "Hafermilch", auch wenn letztere Bezeichnung im Alltag toleriert wird.

Was gilt in Osterreich und Deutschland aktuell?

In Osterreich gilt die EU-LMIV direkt. Das Osterreichische Lebensmittelbuch (Codex Alimentarius Austriacus, Anhang 11) enthalt seit 2024 aktualisierte Leitlinien zur tauschungsfreien Aufmachung veganer Lebensmittel. Die AGES (Agentur fur Gesundheit und Ernahrungssicherheit) beaufsichtigt die korrekte Umsetzung. Laut Osterreich isst informiert gilt: Solange die pflanzliche Herkunft klar kommuniziert wird, sind die gangigen Bezeichnungen zulassig.

In Deutschland veroffentlichte die Deutsche Lebensmittelbuch-Kommission im Oktober 2024 aktualisierte Leitsatze fur vegane Lebensmittel. Das Lebensmittelverband Deutschland erlautert: Bezeichnungen wie "Vegane Lyoner" oder "Vegane Salami" sind in angepasster Form weiterhin zulassig, wenn die pflanzliche Grundlage erkennbar ist.

Ein Rechtsgutachten von Foodwatch (Dezember 2025) unterstrich: Nationale Verbote von Bezeichnungen wie "Veggie-Wurst" waren ohne eine eigene EU-Rechtsgrundlage nicht moglich gewesen - diese liefert jetzt erst die neue CMO-Verordnung 2026.

Wie erkennst du vegane Produkte sicher im Supermarkt?

Unabhangig von Produktbezeichnungen gibt es zuverlassige Zertifizierungssiegel, die vegane Zusammensetzung garantieren:

Aktuelle Produktubersichten fur vegane Einkaufe in osterreichischen Supermarkten findest du im Guide zu veganen Produkten bei Hofer. Wer vegane Wurstwaren selbst zubereiten mochte, findet Rezepte und Tipps im Artikel Veganer Aufschnitt selber machen. Die Frage, ob vegane Fleischprodukte auch ernahrungs-technisch uberzeugen, beleuchtet Ist vegane Wurst gesund?.

Häufige Fragen

Darf vegane Wurst in der EU noch "Wurst" heißen?
Ja. Laut EuGH-Urteil C-438/23 vom Oktober 2024 durfen vegane Produkte Bezeichnungen wie "Wurst", "Schnitzel" oder "Burger" weiterhin verwenden, solange der pflanzliche Charakter klar erkennbar ist. Nationale Verbote wurden als EU-rechtswidrig eingestuft. Auch die neue EU-Verordnung 2026 nimmt diese drei Begriffe explizit aus.
Was hat der EuGH im Oktober 2024 entschieden?
Der Europaische Gerichtshof urteilte am 4. Oktober 2024 (C-438/23), dass nationale Verbote von Fleischbezeichnungen fur pflanzliche Produkte gegen EU-Recht verstossen. Ein franzosisches Dekret, das "Veganer Steak" oder "Soja-Wurst" untersagte, wurde fur illegal erklart. Die EU-LMIV (Verordnung 1169/2011) gilt EU-weit und uberschreibt nationale Sonderregelungen.
Welche veganen Produktnamen werden durch die neue EU-Verordnung eingeschrankt?
Die Trilog-Einigung vom Marz 2026 sieht vor, rund 31 spezifische Fleischbegriffe fur pflanzliche Produkte einzuschranken - vor allem technische Bezeichnungen und Spezialitatenbezeichnungen. "Burger", "Wurst" und "Schnitzel" sind explizit ausgenommen. Fur Unternehmen gilt eine dreijahrige Ubergangszeit.
Durfen pflanzliche Produkte "Milch" oder "Kase" heißen?
Nein. Milchbezeichnungen wie "Milch", "Kase", "Butter", "Joghurt" und "Quark" sind fur rein pflanzliche Produkte durch EU-Verordnung 1308/2013 verboten. "Hafermilch" ist streng genommen unzulassig, im Alltag aber toleriert. Die korrekte Bezeichnung ware "Haferdrink". Diese Regelung bleibt unverandert.
Was bedeutet die neue Regelung fur vegane Konsumentinnen in Osterreich?
Fur vegane Einkauferinnen in Osterreich andert sich im Alltag wenig. "Veganer Burger", "Veganer Aufschnitt" und "Vegane Wurst" bleiben als Bezeichnungen erhalten. Osterreich fallt unter die EU-LMIV, und die AGES beaufsichtigt die korrekte Lebensmittelkennzeichnung. Das Osterreichische Lebensmittelbuch enthalt seit 2024 aktualisierte Leitlinien zur veganen Kennzeichnung.
Ab wann gilt die neue EU-Verordnung zu Produktbezeichnungen?
Die Trilog-Einigung wurde im Marz 2026 erzielt. Nach der finalen Abstimmung - voraussichtlich Mitte 2026 - gilt eine dreijahrige Ubergangsfrist fur Unternehmen. Die neuen Regeln mussen in der Praxis fruhestens 2029 vollstandig umgesetzt sein.
Wie erkenne ich vegane Produkte sicher im Supermarkt?
Zuverlassig sind europaische Zertifizierungssiegel: Das V-Label der Europaischen Vegetarischen Union, das Vegan-Siegel der Veganen Gesellschaft Osterreich und das PETA-Approved-Vegan-Siegel garantieren vegane Zusammensetzung. Seit November 2025 gibt es außerdem "Bio-Austria-Vegan" fur bio-zertifizierte Produkte.
Warum wurde ein nationales Verbot von "Veggie-Wurst" als rechtswidrig eingestuft?
Ein Rechtsgutachten von Foodwatch (Dezember 2025) zeigte, dass ein nationales Verbot von "Veggie-Wurst" ohne EU-Rechtsgrundlage nicht haltbar ware - das EuGH-Urteil C-438/23 schloss nationale Alleingange aus. Die neue CMO-Verordnung 2026 schafft jetzt erstmals eine EU-weite Basis fur spezifische Einschrankungen.