Ist vegane Wurst gesund?

16.1.2026

Vegane Wurst ist längst kein Nischenprodukt mehr. Bei Billa, Spar und Hofer füllen pflanzliche Würstchen ganze Regalreihen. Aber wie gesund ist der Fleischersatz wirklich? Wir haben uns die wissenschaftliche Datenlage angesehen.

Die gute Nachricht: Weniger gesättigtes Fett

Eine umfassende Analyse europäischer Märkte zeigt: Pflanzliche Würstchen enthalten deutlich weniger gesättigtes Fett als ihre tierischen Vorbilder. Laut einer Studie der Harvard School of Public Health weisen pflanzliche Fleischprodukte im Durchschnitt 81 Prozent weniger gesättigtes Fett auf.

Eine Studie von Stanford Medicine fand heraus, dass der Umstieg auf pflanzliche Fleischalternativen bestimmte Herz-Kreislauf-Risikofaktoren senken kann. Die TMAO-Werte (ein Molekül, das mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen in Verbindung gebracht wird) waren bei Teilnehmern, die pflanzliche Würstchen aßen, niedriger als bei denen, die tierische Produkte verzehrten.

Keine Nitrate und Nitrite

Ein entscheidender Vorteil: Vegane Wurst enthält keine Nitrate und Nitrite. Diese Konservierungsstoffe werden herkömmlichen Würstchen zugesetzt und stehen im Verdacht, das Krebsrisiko zu erhöhen.

Die WHO klassifiziert verarbeitetes Fleisch als krebserregend (Gruppe 1). Eine Studie der Queen's University Belfast fand den bisher stärksten Zusammenhang zwischen Nitriten in verarbeitetem Fleisch und Krebsrisiko: "Fast zwei Drittel der Studien fanden einen Zusammenhang mit Krebs."

Der World Cancer Research Fund empfiehlt, möglichst wenig verarbeitetes Fleisch zu essen. Bei pflanzlichen Würstchen fällt dieses Risiko weg.

Das Salz-Problem

Hier liegt der Haken: Viele vegane Würstchen enthalten zu viel Salz. Öko-Test kritisiert, dass gut zwei Drittel der getesteten Produkte mit "mangelhaft" oder "ungenügend" abschnitten – hauptsächlich wegen zu hohem Salzgehalt.

Aber Perspektive ist wichtig: Laut Verbraucherzentralen enthält Deutsche Salami 5,4 Gramm Salz pro 100 Gramm, während die salzreichsten veganen Alternativen bei etwa 3 Gramm liegen. Die WHO empfiehlt maximal 5 Gramm Salz pro Tag.

Beim Kauf achten: Maximal 2 Gramm Salz pro 100 Gramm sind optimal.

Was sagt der VKI?

Der Verein für Konsumenteninformation (VKI) testete 2024 323 vegetarische und vegane Produkte in Österreich. 22 Produkte erhielten "sehr gut", 128 "gut". Die Bewertung basierte auf dem Nutri-Score und dem Verarbeitungsgrad (NOVA-System).

Fazit des VKI: Auf die Zutatenliste achten. Hochverarbeitete Produkte erkennt man an vielen Zutaten, Aromen und Verdickungsmitteln.

Hochverarbeitet, aber...

Ja, vegane Würstchen sind hochverarbeitet. Aber sie scheinen eine Ausnahme zu sein. Eine Studie im Lancet eClinicalMedicine fand: Während der Konsum von hochverarbeiteten Lebensmitteln generell mit gesundheitlichen Risiken verbunden ist, zeigen pflanzliche Fleischalternativen in Studien sogar positive Effekte.

Eine 2024 Meta-Analyse im American Journal of Clinical Nutrition ergab, dass der Ersatz von konventionellem Fleisch durch pflanzliche Alternativen Gesamtcholesterin (6 Prozent), LDL-Cholesterin (12 Prozent) und Körpergewicht (1 Prozent) senken kann.

Praktische Tipps für den Einkauf

Testsieger bei Öko-Test

Die rossmann enerBiO Tofu Würstchen erhielten als einziges Produkt "sehr gut". Bei Aufschnitt schnitt der Vemondo Veganer Aufschnitt von Lidl mit "gut" am besten ab.

Fazit

Vegane Wurst ist gesünder als ihr tierisches Pendant – vor allem weil sie keine Nitrate enthält und weniger gesättigtes Fett hat. Aber: Der Salzgehalt vieler Produkte ist zu hoch. Wer auf Bio-Qualität, kurze Zutatenlisten und einen Salzgehalt unter 2 Gramm achtet, kann pflanzliche Würstchen ohne schlechtes Gewissen genießen.

Wie bei allen verarbeiteten Lebensmitteln gilt: In Maßen, nicht in Massen. Die gesündeste Option bleibt frisch zubereitetes Essen aus ganzen pflanzlichen Zutaten.