Die Nottingham-Studie zu veganem Hundefutter
Pflanzliches Hundefutter lag in einer 2025 veröffentlichten Nährstoffanalyse der University of Nottingham bei den meisten Werten gleichauf mit fleischbasiertem Futter - mit zwei Ausnahmen: Jod und B-Vitamine. Eine zweite Studie derselben Forschungsgruppe hat kurz darauf die Umweltbilanz derselben Futtermittel verglichen. Was beide Untersuchungen konkret zeigen.
Zwei Studien, ein Datensatz
Rebecca Brociek und ihr Team an der University of Nottingham analysierten 31 handelsübliche Trockenfutter aus dem britischen Markt: 19 fleischbasierte Rezepturen, 6 tierärztliche Nierendiäten und 6 pflanzliche Futter. Die erste Publikation untersuchte Protein, Aminosäuren, Fettsäuren, Mineralstoffe und Vitamine (Brociek et al., PLOS ONE 2025). Eine zweite, im Oktober 2025 erschienene Arbeit verglich dieselben Futtersorten anhand von Treibhausgasen, Flächen- und Wasserverbrauch (Brociek et al., Frontiers in Sustainable Food Systems 2025).
Beide Arbeiten sind auch über PubMed nachvollziehbar (PubMed-Eintrag).
Wichtig für die Einordnung: Die Nährstoffwerte stammen aus einer laboranalytischen Untersuchung der Futter selbst, nicht aus den Herstellerangaben auf der Verpackung. Das unterscheidet die Studie von reinen Marktübersichten, die sich auf Deklarationen verlassen.
Nährstoffe: pflanzliches Futter hält mit, außer bei Jod
Bei Protein und Aminosäuren fiel das Ergebnis eindeutig aus: Die pflanzlichen Rezepturen waren vollständig formuliert und lagen im Nährwert nahe an den fleischbasierten Futtern. Auffällig unterversorgt waren stattdessen Jod und einige B-Vitamine - hier lagen 5 von 6 pflanzlichen Futtern unter dem Bedarf. Interessanterweise erfüllten auch die tierärztlichen Nierendiäten nicht durchgehend die Richtwerte für essenzielle Aminosäuren.
| Futterkategorie | Protein/Aminosäuren | Jod & B-Vitamine |
|---|---|---|
| Pflanzlich (6 Futter) | vollständig, vergleichbar mit Fleisch | 5 von 6 unter FEDIAF-Richtwert |
| Fleischbasiert (19 Futter) | vollständig | überwiegend im Richtwert |
| Tierärztliche Nierendiät (6 Futter) | teils unter Richtwert | nicht Studienfokus |
Die Autorinnen ordnen das nüchtern ein: Nährstofflücken hängen von der konkreten Rezeptur ab, nicht davon, ob ein Futter pflanzlich oder tierisch ist. Wer mehr zur Jodfrage wissen will, findet die Details im Artikel Jod bei veganem Hundefutter.
Umweltbilanz: deutlicher Unterschied bei CO2, Fläche und Wasser
Die zweite Studie maß den ökologischen Fußabdruck pro 1.000 Kilokalorien Futter. Pflanzliches Futter verursachte 2,82 kg CO2-Äquivalent, rindfleischbasiertes Futter 31,47 kg - mehr als das Zehnfache. Auch beim Flächenverbrauch war der Abstand deutlich: 2,73 m² für pflanzliches Futter gegenüber 102,15 m² für rindfleischbasiertes.
| Kennzahl (pro 1.000 kcal) | Pflanzlich | Rindfleisch |
|---|---|---|
| CO2-Äquivalent | 2,82 kg | 31,47 kg |
| Flächenverbrauch | 2,73 m² | 102,15 m² |
| Wasserverbrauch | 249 l | 575 l |
Eine ausführlichere Einordnung dieser Zahlen inklusive Lammfleisch-Vergleich steht im Artikel CO2-Pfotenabdruck beim Hund.
Was die Studien für die Futterwahl bedeuten
Aus beiden Arbeiten lassen sich drei praktische Punkte ableiten:
- Ein als "Alleinfuttermittel" gekennzeichnetes pflanzliches Futter mit vollständiger Nährstofftabelle erreicht laut Studienlage vergleichbare Proteinwerte wie fleischbasiertes Futter.
- Jod und B-Vitamine verdienen bei pflanzlichem Futter besondere Aufmerksamkeit - eine Nährstofftabelle mit ausgewiesenem Jodgehalt schafft hier Klarheit.
- Der ökologische Unterschied ist bei dieser Studie groß genug, um bei der Futterwahl eine Rolle zu spielen, unabhängig von der individuellen Nährstoffversorgung des jeweiligen Hundes.
Wer die individuelle Eignung für den eigenen Hund klären will, bespricht das am besten anhand einer aktuellen Blutuntersuchung mit der Tierärztin oder dem Tierarzt.
Häufige Fragen
- Was genau hat die Nottingham-Studie untersucht?
- Ein Forschungsteam um Rebecca Brociek an der University of Nottingham hat 31 kommerzielle Trockenfutter im britischen Handel analysiert - 19 fleischbasierte, 6 tierärztliche Nierendiäten und 6 pflanzliche Rezepturen. Eine Publikation befasst sich mit den Nährstoffwerten, eine zweite mit dem ökologischen Fußabdruck derselben Futtermittel.
- Ist veganes Hundefutter laut der Studie genauso nahrhaft wie fleischbasiertes?
- Bei den meisten Nährwerten ja - Protein und Aminosäuren waren bei den pflanzlichen Rezepturen vollständig und mit den fleischbasierten Futtern vergleichbar. Auffällig war ausschließlich eine schwächere Versorgung mit Jod und einigen B-Vitaminen bei einem Teil der getesteten pflanzlichen Produkte.
- Wie viel Jod und B12 fehlt im pflanzlichen Futter laut Studie?
- Fünf der sechs getesteten pflanzlichen Futter lagen bei Jod und B-Vitaminen unter den FEDIAF-Richtwerten. Die Studienautorinnen betonen, dass sich diese Lücke durch gezielte Supplementierung leicht schließen lässt - das Problem liegt in der konkreten Rezeptur, nicht im pflanzlichen Prinzip an sich.
- Wie viel CO2 spart pflanzliches Hundefutter laut der Umweltstudie?
- Pflanzliches Futter verursachte in der zweiten Nottingham-Studie nur 2,82 kg CO2-Äquivalent pro 1.000 Kilokalorien, rindfleischbasiertes Futter dagegen 31,47 kg - mehr als das Zehnfache. Auch bei Flächen- und Wasserverbrauch schnitt pflanzliches Futter deutlich besser ab.
- Muss ich mein Hundefutter jetzt wechseln?
- Die Studie liefert keine Kaufempfehlung für ein einzelnes Produkt, sondern zeigt, worauf es bei jeder Futterwahl ankommt: eine vollständige Nährstofftabelle mit ausgewiesenem Jod- und B-Vitamin-Gehalt. Das gilt unabhängig davon, ob das Futter pflanzlich oder fleischbasiert ist.
- Wo finde ich die Original-Studien?
- Die Nährstoffanalyse ist frei zugänglich in PLOS ONE veröffentlicht, die Umweltstudie in Frontiers in Sustainable Food Systems. Beide Links stehen im Artikel direkt bei den jeweiligen Ergebnissen.