Ist Milchsäure vegan? Der vollständige Guide zu E270
Die kurze Antwort: Ja, Milchsäure (E270) ist in den allermeisten Fällen vegan! Der Name täuscht – sie hat nichts mit Kuhmilch zu tun, sondern wird durch Fermentation aus pflanzlichen Quellen wie Mais, Kartoffeln oder Melasse hergestellt.
Was ist Milchsäure überhaupt?
Milchsäure, auch bekannt als E270 oder Lactat, ist eine organische Säure, die natürlich in unserem Körper vorkommt – zum Beispiel in unseren Muskeln nach dem Sport. In der Lebensmittelindustrie wird sie als Säuerungsmittel, Konservierungsstoff und Geschmacksverstärker eingesetzt.
Du findest Milchsäure in:
- Fermentiertem Gemüse (Sauerkraut, Kimchi)
- Veganen Käsealternativen
- Sauerteigbrot
- Eingelegtem Gemüse
- Vielen Fertiggerichten
- Süßigkeiten und Backwaren
Warum heißt sie "Milch"-säure?
Der irreführende Name stammt aus der Geschichte: 1780 entdeckte der schwedische Chemiker Carl Wilhelm Scheele die Säure erstmals in saurer Milch. Daher der Name – obwohl Milchsäure überall in der Natur vorkommt und nichts mit Kuhmilch zu tun haben muss!
Wie wird Milchsäure hergestellt?
Laut aktuellen Studien aus 2024 wird kommerzielle Milchsäure heute fast ausschließlich durch bakterielle Fermentation hergestellt:
- Pflanzliche Rohstoffe: Maisstärke, Kartoffeln, Zuckerrüben oder Melasse dienen als Ausgangsmaterial
- Milchsäurebakterien: Spezielle Bakterienstämme (meist Lactobacillus) wandeln den Zucker in Milchsäure um
- Fermentation: Der Prozess läuft in großen Bioreaktoren ab – komplett ohne tierische Bestandteile
Eine Studie von 2025 zeigt, dass besonders Hülsenfrüchte wie Lupinen und Ackerbohnen als nachhaltige Rohstoffquellen für die Milchsäureproduktion genutzt werden.
Ist E270 immer vegan?
In 99% der Fälle: Ja! Die pflanzliche Herstellung ist deutlich günstiger und effizienter als die Gewinnung aus tierischen Quellen. Laut EU-Lebensmittelzusatzstoff-Datenbank gibt es keine speziellen Kennzeichnungspflichten für die Herkunft von E270.
Ausnahmen können sein:
- Traditionelle Sauermilchprodukte (hier ist die Milchsäure natürlich entstanden)
- Sehr spezielle Anwendungen in der Pharmazie
Tipp: Bei Unsicherheit einfach beim Hersteller nachfragen. Die meisten Unternehmen geben gerne Auskunft über die vegane Herkunft ihrer Zusatzstoffe.
Gesundheitliche Vorteile von Milchsäure
Milchsäure ist nicht nur unbedenklich, sondern kann sogar gesundheitsfördernd sein! Aktuelle Forschung von 2024 zeigt:
- Darmgesundheit: Milchsäurebakterien unterstützen eine gesunde Darmflora
- Immunsystem: Fermentierte Lebensmittel mit Milchsäure können das Immunsystem stärken
- Bessere Nährstoffaufnahme: Die Säure hilft bei der Aufnahme von Mineralstoffen wie Calcium und Eisen
- Natürliche Konservierung: Schützt Lebensmittel vor schädlichen Bakterien
Eine Übersichtsarbeit aus 2024 betont besonders die Rolle von Milchsäure bei der Verbesserung des Geschmacks und der Haltbarkeit pflanzlicher Alternativen.
Milchsäure in veganen Lebensmitteln
Besonders in der veganen Ernährung spielt Milchsäure eine wichtige Rolle:
Fermentierte Gemüse
Sauerkraut, Kimchi und andere fermentierte Gemüse sind natürliche Milchsäurequellen. Die Fermentation macht sie nicht nur haltbar, sondern auch besonders gesund für die Darmflora.
Pflanzliche Milchalternativen
Neueste Forschung zeigt, dass Milchsäurebakterien den Geschmack von Hafermilch, Sojamilch und anderen pflanzlichen Drinks deutlich verbessern können.
Vegane Käsealternativen
Viele vegane Käsesorten nutzen Milchsäure für den charakteristischen säuerlichen Geschmack und die richtige Textur. Übrigens: Ja, veganer Käse kann schmelzen – du musst nur wissen, wie!
EU-Rechtslage und Sicherheit
E270 ist in der EU als Lebensmittelzusatzstoff ohne Mengenbeschränkung zugelassen ("quantum satis"). Das bedeutet:
- Kein festgelegtes Tageslimit (ADI = "not specified")
- Als unbedenklich eingestuft von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA)
- Zugelassen in Bio-Lebensmitteln
Praktische Tipps für den Alltag
- Keine Angst vor E-Nummern: E270 ist ein natürlicher, meist veganer Zusatzstoff
- Selber fermentieren: Mit Sauerkraut oder Kimchi produzierst du deine eigene Milchsäure
- Labels lesen: Bei veganen Produkten ist E270 garantiert pflanzlich
- Im Zweifel nachfragen: Hersteller geben meist gerne Auskunft
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Fazit
Milchsäure ist trotz ihres irreführenden Namens in fast allen Fällen vegan und sogar gesundheitsfördernd. Sie entsteht durch natürliche Fermentation aus pflanzlichen Rohstoffen und ist ein wichtiger Bestandteil vieler veganer Lebensmittel. Also: Keine Sorge beim nächsten Einkauf – E270 ist dein Freund!
Wissenschaftliche Quellen
- The role of fermentation with lactic acid bacteria in quality and health effects of plant‐based dairy analogues (2024)
- Optimizing the fermentation parameters in the Lactic Acid Fermentation of Legume-based Beverages (2025)
- Current Research on Probiotics and Fermented Products (2024)
- Fermented foods, their microbiome and its potential in boosting human health (2024)
- Fermentation's pivotal role in shaping the future of plant-based foods (2024)
- EFSA - Food Additives Database
- EU Food Safety - Additives Database
- Health Benefits of Lactic Acid Bacteria Fermentates (2024)