Ist Kaffee vegan?

19.1.2026

Die Kaffeebohne stammt von der Kaffeepflanze – ein rein pflanzliches Produkt. Trotzdem ist die Antwort auf "Ist Kaffee vegan?" nicht ganz so einfach. Während der reine Kaffee tatsächlich vegan ist, gibt es einige Fallstricke, die du kennen solltest.

Die kurze Antwort: Ja, aber...

Kaffee an sich ist vegan. Die Bohnen werden von der Coffea-Pflanze geerntet und enthalten keine tierischen Bestandteile. Problematisch wird es erst bei der Verarbeitung oder bei speziellen Kaffeesorten.

Überzugsmittel: Der versteckte Haken

Die EU-Zusatzstoffverordnung erlaubt vier verschiedene Überzugsmittel für Kaffeebohnen:

Überzugsmittel E-Nummer Herkunft Vegan?
Carnaubawachs E903 Palmenblätter Ja
Candelillawachs E902 Kakteenblätter Ja
Bienenwachs E901 Bienen Nein
Schellack E904 Lackschildläuse Nein

Was ist Schellack?

Schellack wird aus dem Harz der Lackschildlaus gewonnen. Für ein Kilogramm werden etwa 300.000 Schildläuse benötigt. Es wird verwendet, um Kaffeebohnen eine glatte, glänzende Oberfläche zu geben – besonders bei entkoffeiniertem Kaffee, der nach der Verarbeitung eine raue Oberfläche haben kann.

Die gute Nachricht: Laut Lebensmittelklarheit.de verwenden die meisten deutschen Kaffeehersteller Carnaubawachs – ein rein pflanzliches Wachs von der brasilianischen Carnaubapalme. Schellack auf Kaffeebohnen ist in Deutschland selten.

Tipp: Im Zweifel beim Hersteller nachfragen, ob und welche Überzugsmittel verwendet werden.

Kopi Luwak: Der ethische Deal-Breaker

Kopi Luwak (auch Schleichkatzenkaffee genannt) ist definitiv nicht vegan – und ethisch höchst problematisch. Die Kaffeebohnen werden von asiatischen Schleichkatzen (Zibetkatzen) gefressen und nach der Verdauung aus dem Kot gesammelt.

Das Problem mit Kopi Luwak

Tony Wild, der Kaffeehändler, der Kopi Luwak ursprünglich im Westen bekannt machte, distanziert sich heute davon und startete die Kampagne "Cut the Crap" gegen diesen Kaffee.

Übrigens: Innerhalb der Kaffeeindustrie gilt Kopi Luwak laut der Specialty Coffee Association of America als Gimmick mit minderwertigem Geschmack.

Milchkaffee und vegane Alternativen

Klassischer Milchkaffee, Cappuccino oder Latte Macchiato mit Kuhmilch sind natürlich nicht vegan. Die gute Nachricht: Fast jedes Café bietet heute Pflanzenmilch an.

Die besten Pflanzenmilch-Alternativen für Kaffee

Nachhaltigkeit und ethischer Kaffeekonsum

Laut einer umfassenden Studie gehört die Kaffeeproduktion zu den landwirtschaftlichen Wertschöpfungsketten mit den größten ökologischen und sozialen Auswirkungen. Etwa 125 Millionen Menschen weltweit sind auf Kaffee für ihren Lebensunterhalt angewiesen – und über 5,5 Millionen Kaffeebauern leben in Armut.

Worauf du beim Kaffeekauf achten solltest

Zertifizierungen, die helfen:

Der ökologische Fußabdruck

Nachhaltige Anbaumethoden können den CO2-Fußabdruck von Kaffee um über 75% reduzieren. Besonders Agroforstwirtschaft – der Anbau von Kaffee unter Schattenbäumen – verbessert die Bodengesundheit und schützt die Biodiversität.

Gesundheitliche Aspekte

Auch wenn das ein eigenes Thema ist: Moderate Kaffeemengen (3-5 Tassen täglich) werden mit positiven Gesundheitseffekten in Verbindung gebracht – von reduziertem Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen bis zu Typ-2-Diabetes. Wichtig: Diese Vorteile gelten für schwarzen Kaffee ohne viel Zucker oder Sahne.

Fazit: So trinkst du veganen Kaffee

Kaffee ist grundsätzlich vegan, wenn du auf folgendes achtest:

  1. Kein Kopi Luwak oder andere tierisch verarbeitete Kaffeesorten
  2. Auf Überzugsmittel achten – im Zweifel nachfragen (in Deutschland meist unproblematisch)
  3. Pflanzenmilch verwenden statt Kuhmilch
  4. Auf Zertifizierungen achten für ethischen und nachhaltigen Genuss

Die meisten handelsüblichen Kaffeesorten in Deutschland sind vegan. Wer sichergehen will, wählt Bio-Kaffee ohne Zusatzstoffe oder fragt beim Hersteller nach.

Übrigens: Hier findest du tolle vegane Snacks zum Kaffee und wenn dich weitere versteckte tierische Zusatzstoffe interessieren, lies unseren Artikel über Schellack (E904).