Ist Kaffee vegan?
Die Kaffeebohne stammt von der Kaffeepflanze – ein rein pflanzliches Produkt. Trotzdem ist die Antwort auf "Ist Kaffee vegan?" nicht ganz so einfach. Während der reine Kaffee tatsächlich vegan ist, gibt es einige Fallstricke, die du kennen solltest.
Die kurze Antwort: Ja, aber...
Kaffee an sich ist vegan. Die Bohnen werden von der Coffea-Pflanze geerntet und enthalten keine tierischen Bestandteile. Problematisch wird es erst bei der Verarbeitung oder bei speziellen Kaffeesorten.
Überzugsmittel: Der versteckte Haken
Die EU-Zusatzstoffverordnung erlaubt vier verschiedene Überzugsmittel für Kaffeebohnen:
| Überzugsmittel | E-Nummer | Herkunft | Vegan? |
|---|---|---|---|
| Carnaubawachs | E903 | Palmenblätter | Ja |
| Candelillawachs | E902 | Kakteenblätter | Ja |
| Bienenwachs | E901 | Bienen | Nein |
| Schellack | E904 | Lackschildläuse | Nein |
Was ist Schellack?
Schellack wird aus dem Harz der Lackschildlaus gewonnen. Für ein Kilogramm werden etwa 300.000 Schildläuse benötigt. Es wird verwendet, um Kaffeebohnen eine glatte, glänzende Oberfläche zu geben – besonders bei entkoffeiniertem Kaffee, der nach der Verarbeitung eine raue Oberfläche haben kann.
Die gute Nachricht: Laut Lebensmittelklarheit.de verwenden die meisten deutschen Kaffeehersteller Carnaubawachs – ein rein pflanzliches Wachs von der brasilianischen Carnaubapalme. Schellack auf Kaffeebohnen ist in Deutschland selten.
Tipp: Im Zweifel beim Hersteller nachfragen, ob und welche Überzugsmittel verwendet werden.
Kopi Luwak: Der ethische Deal-Breaker
Kopi Luwak (auch Schleichkatzenkaffee genannt) ist definitiv nicht vegan – und ethisch höchst problematisch. Die Kaffeebohnen werden von asiatischen Schleichkatzen (Zibetkatzen) gefressen und nach der Verdauung aus dem Kot gesammelt.
Das Problem mit Kopi Luwak
- Tierleid: PETA-Ermittlungen haben massive Tierquälerei auf indonesischen Kopi-Luwak-Farmen dokumentiert
- Käfighaltung: Geschätzte 90% des kommerziellen Kopi Luwak stammt aus Käfighaltung mit kleinen Käfigen, Isolation und Zwangsfütterung
- Etikettenschwindel: Selbst als "wild-sourced" beworbener Kopi Luwak stammt häufig von gefangenen Tieren
- Gesundheitsrisiken: Wissenschaftliche Bedenken wegen möglicher Übertragung von Krankheitserregern
Tony Wild, der Kaffeehändler, der Kopi Luwak ursprünglich im Westen bekannt machte, distanziert sich heute davon und startete die Kampagne "Cut the Crap" gegen diesen Kaffee.
Übrigens: Innerhalb der Kaffeeindustrie gilt Kopi Luwak laut der Specialty Coffee Association of America als Gimmick mit minderwertigem Geschmack.
Milchkaffee und vegane Alternativen
Klassischer Milchkaffee, Cappuccino oder Latte Macchiato mit Kuhmilch sind natürlich nicht vegan. Die gute Nachricht: Fast jedes Café bietet heute Pflanzenmilch an.
Die besten Pflanzenmilch-Alternativen für Kaffee
- Hafermilch: Schäumt gut, leicht süßlich, nachhaltige Produktion
- Sojamilch: Proteinreich, schäumt gut, neutraler Geschmack
- Mandelmilch: Leicht nussig, weniger cremig
- Kokosmilch: Intensiv, passt zu bestimmten Kaffeesorten
Nachhaltigkeit und ethischer Kaffeekonsum
Laut einer umfassenden Studie gehört die Kaffeeproduktion zu den landwirtschaftlichen Wertschöpfungsketten mit den größten ökologischen und sozialen Auswirkungen. Etwa 125 Millionen Menschen weltweit sind auf Kaffee für ihren Lebensunterhalt angewiesen – und über 5,5 Millionen Kaffeebauern leben in Armut.
Worauf du beim Kaffeekauf achten solltest
Zertifizierungen, die helfen:
- Rainforest Alliance: 2024 wurde eine neue Regenerativ-Zertifizierung für Kaffee eingeführt, die auf Bodengesundheit und Biodiversität setzt
- Fair Trade: Garantiert Mindestpreise für Bauern und fördert Gemeinschaftsprojekte
- Bio-Zertifizierung: Keine synthetischen Pestizide, aber weniger als 20% des Rainforest-Alliance-Kaffees ist auch bio-zertifiziert
Der ökologische Fußabdruck
Nachhaltige Anbaumethoden können den CO2-Fußabdruck von Kaffee um über 75% reduzieren. Besonders Agroforstwirtschaft – der Anbau von Kaffee unter Schattenbäumen – verbessert die Bodengesundheit und schützt die Biodiversität.
Gesundheitliche Aspekte
Auch wenn das ein eigenes Thema ist: Moderate Kaffeemengen (3-5 Tassen täglich) werden mit positiven Gesundheitseffekten in Verbindung gebracht – von reduziertem Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen bis zu Typ-2-Diabetes. Wichtig: Diese Vorteile gelten für schwarzen Kaffee ohne viel Zucker oder Sahne.
Fazit: So trinkst du veganen Kaffee
Kaffee ist grundsätzlich vegan, wenn du auf folgendes achtest:
- Kein Kopi Luwak oder andere tierisch verarbeitete Kaffeesorten
- Auf Überzugsmittel achten – im Zweifel nachfragen (in Deutschland meist unproblematisch)
- Pflanzenmilch verwenden statt Kuhmilch
- Auf Zertifizierungen achten für ethischen und nachhaltigen Genuss
Die meisten handelsüblichen Kaffeesorten in Deutschland sind vegan. Wer sichergehen will, wählt Bio-Kaffee ohne Zusatzstoffe oder fragt beim Hersteller nach.
Übrigens: Hier findest du tolle vegane Snacks zum Kaffee und wenn dich weitere versteckte tierische Zusatzstoffe interessieren, lies unseren Artikel über Schellack (E904).