Hilfe, ich liebe einen Veganer!
Es passierte irgendwann zwischen dem dritten Date und dem ersten gemeinsamen Frühstück. Da saß dieser wunderbare Mensch vor dir, mit diesem Lächeln, diesen Augen - und bestellte Hafermilch zum Kaffee.
"Ich bin übrigens vegan", sagte er. Oder sie. Ganz beiläufig, als wäre es keine weltbewegende Information.
Und du? Du hast genickt. Cool geblieben.
Innerlich aber: Alarm. ALARM. AAAAALARM.
Phase 1: Die Verleugnung
"Vegan? Ach, das ist bestimmt nur so eine Phase."
Du googelst heimlich "wie lange dauert vegane Phase" und findest heraus, dass manche Menschen seit 20 Jahren vegan leben. Panik steigt auf.
Aber hey - die Augen! Das Lächeln!
Die Art, wie sie lacht! Vielleicht... vielleicht ist das gar nicht so schlimm?
(Spoiler: Es ist nicht schlimm. Es ist nur anders.)
Phase 2: Die heimliche Recherche
Du verbringst drei Stunden damit, "was essen Veganer eigentlich" zu googeln. Die Ergebnisse überraschen dich.
Pommes? Oft vegan. Nudeln? Meistens vegan.
Und beim Thema Bier lohnt sich ein Blick aufs Etikett.
Du fühlst dich wie ein Geheimagent, der eine fremde Kultur studiert. Dein Suchverlauf sieht aus wie ein Krimi:
- "Ist Honig vegan" (Nein)
- "Warum ist Honig nicht vegan" (Weil Bienen)
- "Mögen Veganer Leute die Honig essen" (Kommt drauf an)
- "Wie erkläre ich meiner Mutter dass mein Date vegan ist" (Viel Glück)
Phase 3: Das erste gemeinsame Kochen
Du hast dich vorbereitet. YouTube-Tutorials geschaut. Tofu gekauft - obwohl du nicht weißt, was man damit macht.
Der Tofu liegt jetzt seit drei Tagen im Kühlschrank und starrt dich vorwurfsvoll an.
Dann der Abend. Ihr kocht zusammen.
Und weißt du was? Es schmeckt. Richtig gut sogar.
Du hast gerade freiwillig etwas ohne Fleisch gegessen und es hat dir geschmeckt. Dein Weltbild wackelt ein bisschen.
Phase 4: Die Familien-Ankündigung
"Mama, ich muss dir was sagen..."
"Du bist schwanger!"
"Nein, Mama. Schlimmer. Mein Freund ist Veganer."
Stille. Lange Stille.
"...und was isst er dann zu Weihnachten?"
(Die Antwort: Wahrscheinlich bessere Beilagen als alle anderen, weil Veganer nach Jahren der "es gibt nur Salat für dich"-Erfahrungen gelernt haben, grandios vorzukochen.)
Phase 5: Die Erkenntnis
Irgendwann - vielleicht nach dem zehnten gemeinsamen Essen, dem fünften veganen Restaurant, dem ersten selbstgemachten Cashew-Käse - passiert etwas Merkwürdiges.
Du merkst: Es geht gar nicht ums Essen.
Es geht darum, dass dieser Mensch Werte hat und danach lebt.
Dass er oder sie für etwas steht. Dass Überzeugungen sexy sein können.
Und du merkst auch: Du hast in den letzten Wochen mehr über Ernährung gelernt als in deinem ganzen Leben. Du weißt jetzt, was E120 (Karmin) ist.
Du checkst Zutatenlisten. Du hast Hafermilch im Kühlschrank - und findest sie mittlerweile gar nicht mehr so schlecht.
Phase 6: Die Akzeptanz (mit Humor)
Ja, es gibt Momente, die... speziell sind.
- Ihr sitzt im Restaurant, und er oder sie studiert 15 Minuten die Speisekarte, nur um dann zu fragen: "Ist in der Gemüsesuppe Rinderbrühe?"
- Deine Oma fragt zum fünften Mal: "Aber Fisch isst er schon, oder?"
- Beim Grillabend musst du erklären, warum die vegane Wurst eine eigene Zange braucht.
Aber weißt du was? Das sind die Geschichten, die ihr in 20 Jahren erzählen werdet.
"Weißt du noch, als du meiner Mutter erklärt hast, warum Käse nicht vegan ist? Ihr Gesicht!"
So klappt das gemeinsame Essen
Ein paar kleine Gewohnheiten machen den Alltag zu zweit deutlich entspannter:
- Plant die Woche gemeinsam und kocht abwechselnd - so lernst du Schritt für Schritt neue Gerichte kennen.
- Starte mit Klassikern, die ohnehin pflanzlich sind, etwa Kürbis-Cremesuppe oder Kürbisrisotto.
- Probiert ein Wochenend-Projekt wie die vegane Lasagne und kocht sie gemeinsam.
- Schau vor dem Restaurantbesuch in die veganen Lokale in Wien oder in die Karten in deiner Stadt.
- Gönnt euch zum Abschluss ein veganes Tiramisu - der Beweis, dass Verzicht kein Thema sein muss.
Mehr Alltagstipps für Paare findest du in unserem Artikel Beziehung mit VeganerIn: 7 Tipps für Paare.
Die Wahrheit über die Liebe
Liebe ist nicht, das Gleiche zu essen. Liebe ist, füreinander Kompromisse zu machen.
Liebe ist, im Restaurant nach veganen Optionen zu fragen, obwohl du selbst das Schnitzel bestellen könntest. Liebe ist, sich für die Welt des anderen zu interessieren.
Und manchmal - nur manchmal - ist Liebe auch, festzustellen, dass veganes Tiramisu verdammt gut schmecken kann.
Ein Wort an alle, die gerade in Phase 1 stecken
Keine Panik.
Veganer sind Menschen. Sie lachen, weinen, haben schlechte Tage und gute.
Sie wollen nicht missionieren (die meisten jedenfalls). Sie wollen einfach nur leben - und lieben - wie alle anderen auch.
Und wenn du dich in einen verliebt hast? Herzlichen Glückwunsch. Du hast jemanden gefunden, der für seine Überzeugungen einsteht.
Das ist selten. Das ist wertvoll. Das ist - wenn wir ehrlich sind - ziemlich attraktiv.
Also: Willkommen im Club. Der Hafermilch-Latte wartet auf dich.
- Beziehung mit VeganerIn: 7 praktische Tipps
- Karmin (E120): Versteckte tierische Inhaltsstoffe
- Gewaltfreie Kommunikation in der Partnerschaft
Häufige Fragen
- Muss ich selbst vegan werden, wenn mein Partner oder meine Partnerin vegan lebt?
- Nein. Viele Paare leben mit unterschiedlichen Ernährungsweisen sehr gut zusammen. Entscheidend ist, dass ihr offen darüber sprecht, was euch wichtig ist, und beim gemeinsamen Kochen und Einkaufen Lösungen findet, mit denen sich beide wohlfühlen. Viele Paare kochen zu Hause gemeinsam pflanzlich und essen auswärts, worauf sie Lust haben.
- Was koche ich beim ersten gemeinsamen Abendessen?
- Setz auf Gerichte, die von Natur aus pflanzlich sind: Pasta mit Tomatensauce, Linsencurry, Ofengemüse mit Kartoffeln oder eine Gemüsesuppe. Lies bei Fertigprodukten die Zutatenliste und frag lieber einmal zu viel nach. Dein Date merkt sofort, dass du dir Mühe gegeben hast, und du musst keine exotischen Spezialzutaten besorgen.
- Wie erkläre ich meiner Familie, dass mein Partner oder meine Partnerin vegan ist?
- Erzähl es ruhig und ohne Rechtfertigung: Er oder sie isst pflanzlich, und das Essen bei Familienfeiern lässt sich leicht planen. Biete an, bei großen Essen eine Beilage oder ein Hauptgericht mitzubringen. So fühlt sich niemand übergangen, und die Familie lernt beim Probieren, dass pflanzliche Gerichte gut schmecken.
- Wie läuft ein Restaurantbesuch, wenn einer von uns vegan isst?
- Schau vorab online auf die Speisekarte oder ruf kurz an und frag nach pflanzlichen Gerichten. In Wien und anderen größeren Städten gibt es viele Lokale mit eigener veganer Karte. Bei Suppen, Saucen und Beilagen hilft eine freundliche Nachfrage, ob sie ohne tierische Zutaten zubereitet sind.
- Welche Rezepte eignen sich, wenn ein Veganer und ein Nicht-Veganer zusammen essen?
- Gut funktionieren Gerichte, bei denen jede Person sich ihre Toppings selbst wählt: Pasta mit verschiedenen Saucen, Bowls, Ofengemüse mit Dips oder Lasagne mit Gemüsefüllung. Ein pflanzliches Grundgericht lässt sich so unkompliziert für alle am Tisch anpassen, ohne dass zweimal gekocht werden muss.