Vegane ätherische Öle für das Immunsystem: 5 wissenschaftlich untersuchte Aromaöle

15.2.2026

Ätherische Öle sind weit mehr als nur angenehme Raumdüfte. Die konzentrierten Pflanzenstoffe werden seit Jahrhunderten in der Naturheilkunde eingesetzt und ihre Wirkungen sind inzwischen durch zahlreiche wissenschaftliche Studien belegt.

Eine umfassende Übersichtsstudie im Journal Biomolecules analysierte die immunmodulierenden Eigenschaften ätherischer Öle und bestätigte ihre entzündungshemmenden, antibakteriellen und antiviralen Wirkungen. Allerdings betonen die Forschenden, dass die meisten Ergebnisse aus Laborstudien stammen und weitere klinische Untersuchungen am Menschen nötig sind.

1. Oreganoöl: Der Kraftvolle

Oregano gehört zu den natürlichen Antibiotika und ist eines der am besten erforschten ätherischen Öle. Die Hauptwirkstoffe Carvacrol und Thymol zeigen beeindruckende Ergebnisse.

Eine 2024 erschienene Studie in Frontiers in Pharmacology belegt, dass Oreganoöl das Wachstum von Gram-positiven und Gram-negativen Bakterien hemmt und sogar die Bildung von Biofilmen verhindert.

Besonders interessant: Eine Untersuchung zur antiviralen Wirkung zeigte, dass Carvacrol Noroviren innerhalb von 15 Minuten signifikant reduzierte und bis zu 3,87-log₁₀-Reduktionen innerhalb einer Stunde erreichte.

Anwendung:

Da Oreganoöl sehr stark ist, sollte es nur verdünnt und mit ärztlicher Rücksprache angewendet werden. Für die Raumbeduftung genügen 2-3 Tropfen in einem Diffuser.

2. Thymianöl: Der Vielseitige

Thymian ist bekannt für seine lindernde Wirkung bei Husten und Atemwegserkrankungen. Die wissenschaftliche Forschung bestätigt diese traditionellen Anwendungen.

Eine Dezember 2024 Studie in Microorganisms untersuchte Thymianöl gegen verschiedene lebensmittelbedingte Krankheitserreger wie Salmonella, Yersinia und Listeria. Das Ergebnis: Eine starke antibakterielle Wirkung durch Störung der bakteriellen Zellmembran.

Forschung in Scientific Reports zeigt, dass Thymianöl von neun getesteten ätherischen Ölen die höchste antibakterielle Aktivität aufwies, mit Hemmzonen von 17,3 bis 51 mm.

Anwendung:

Inhalation: 2-3 Tropfen Öl in 2 Liter heißes (nicht mehr kochendes!) Wasser geben und mehrmals täglich für ein paar Minuten inhalieren.

Einreibung: 5 Tropfen Thymianöl mit 1 EL Trägeröl (z.B. Mandelöl) vermischen und den Brustkorb damit einreiben.

3. Rosmarinöl: Der Belebende

Rosmarinöl wirkt belebend und anregend und verfügt über antibakterielle, antifungale und entzündungshemmende Eigenschaften.

Eine 2025 veröffentlichte Übersichtsstudie in SAGE Journals analysierte 39 wissenschaftliche Arbeiten und bestätigte, dass Aromatherapie mit Rosmarinöl die kognitive Funktion, Schlafqualität und Schmerzmanagement verbessern kann.

Die Hauptwirkstoffe 1,8-Cineol, Campher und α-Pinen sind laut einer Studie in Nature für die antiviralen Eigenschaften verantwortlich.

Anwendung:

Inhalation: 4 Tropfen Öl in 2 Liter heißes Wasser geben und je nach Bedarf für ein paar Minuten inhalieren.

Massage: 1 EL Trägeröl mit 3-4 Tropfen Rosmarinöl mischen und verspannte Muskeln damit massieren.

4. Myrtenöl: Der Sanfte

Das aus den Blättern des Myrtenstrauches gewonnene Öl wurde schon im antiken Griechenland bei Atemwegserkrankungen eingesetzt.

Eine Übersichtsstudie in PMC dokumentiert die entzündungshemmenden und antibakteriellen Eigenschaften von Myrtus communis. Der hohe Gehalt an Myrtenol macht das Öl besonders wirksam bei der Reduktion von Schwellungen.

Klinische Studien aus 2018 zeigten außerdem positive Effekte auf die Hautgesundheit, insbesondere bei der Regulierung von überschüssigem Talg.

Anwendung:

Inhalation: 2-3 Tropfen Öl in 2 Liter heißes Wasser geben und mehrmals am Tag für ein paar Minuten inhalieren.

Einreibung: 2 EL Trägeröl (z.B. Jojobaöl) mit 2-3 Tropfen Myrtenöl vermischen und den Brustkorb damit einreiben.

5. Zimtblattöl: Der Wärmende

Zimt zählt zu den natürlichen Antibiotika und wirkt immunstärkend. Zimtblattöl hemmt das Bakterienwachstum und kann vorbeugend während der Erkältungszeit eingesetzt werden.

Eine 2024 Studie in Frontiers in Pharmacology zeigte, dass Zimtöl und sein Hauptwirkstoff Cinnamaldehyd die antibakteriellen Abwehrmechanismen des Körpers aktivieren.

Forschung in ACS Omega dokumentierte eine beeindruckende 54-90% Hemmung von Enzymen, die für virale Infektionen relevant sind.

Anwendung:

Da Zimtblattöl sehr stark ist, sollte es nur mit ärztlicher Absprache und stark verdünnt (maximal 1%) verwendet werden.

Aktuelle Forschung: Tannennadelduft aktiviert Immunabwehr

Eine 2025 veröffentlichte Studie des Universitätsklinikums Regensburg fand heraus, dass bereits fünf Minuten Riechen an Tannennadeln bei über 40% der Teilnehmenden die Immunabwehr der Nasenschleimhaut aktivierte. In Kombination mit dem Summen von Melodien stieg dieser Effekt auf 70%.

Qualität und Sicherheitshinweise

Worauf du beim Kauf achten solltest:

Reine ätherische Öle bekommst du in Bioläden, Reformhäusern oder online bei zertifizierten Anbietern wie Primavera.

Wichtige Sicherheitshinweise:

Von der direkten Anwendung wird abgeraten:

Generell gilt:

Raumbeduftung: Die sanfte Alternative

Alle diese ätherischen Öle lassen sich auch als Raumduft verwenden. Die Wirkung ist dabei sanfter und beeinflusst eher die Stimmung als den Körper direkt. Ein Diffuser oder eine Duftlampe mit 3-5 Tropfen des gewählten Öls schafft eine angenehme Atmosphäre.

Laut Medizin-Transparent gilt jedoch: Was im Reagenzglas funktioniert, muss nicht automatisch im menschlichen Körper ebenso wirken. Die Raumbeduftung ist eine angenehme Ergänzung zur Stärkung des Wohlbefindens, ersetzt aber keine medizinische Behandlung.

Fazit

Ätherische Öle wie Oregano, Thymian, Rosmarin, Myrte und Zimt zeigen in wissenschaftlichen Studien vielversprechende immunstärkende, antibakterielle und antivirale Eigenschaften. Während die Laborergebnisse beeindruckend sind, braucht es weitere klinische Studien, um die Wirkungen am Menschen besser zu verstehen.

Als Ergänzung zu einem gesunden Lebensstil können ätherische Öle das Wohlbefinden steigern. Sie ersetzen jedoch keine ärztliche Behandlung. Bei anhaltenden Beschwerden solltest du immer professionellen Rat einholen.