Zero Waste mit Baby
Bis ein Baby trocken ist, verursacht es rund eine Tonne Windelmüll - dazu kommt eine komplette Erstausstattung, die oft nur wenige Monate passt. Wer das reduzieren will, braucht keine radikale Umstellung: Second-Hand statt Neukauf, Mehrweg-Windeln statt Wegwerfware und ein paar einfache Pflegeprodukte selbst mischen sparen bereits deutlich Müll, Ressourcen und Geld.
Second-Hand statt Neukauf
Babykleidung wird oft nur wenige Wochen getragen, bevor sie schon wieder zu klein ist. Laut einer österreichischen Konsument:innen-Befragung kaufen über drei Viertel der Eltern gebrauchte Babykleidung, weil sich Neuware kaum je richtig abnutzt, bevor sie aussortiert wird. Auch der Markt für gebrauchte Baby- und Kinderausstattung ist deutlich gewachsen - der IFH Köln registrierte 2021 ein Plus von 22,5 Prozent im Secondhand-Segment gegenüber dem Vorjahr.
Quellen für gebrauchte Sachen:
- Kleidung: Flohmärkte, Second-Hand-Läden, Online-Kleinanzeigen, Tauschbörsen im Freundes- oder Bekanntenkreis
- Kinderwagen & große Ausstattung: lokale Verleihservices oder gebraucht über Kleinanzeigen-Plattformen
- Spielzeug: Spielzeugbibliotheken, Tauschgruppen, Second-Hand-Läden
- Nicht mehr Gebrauchtes direkt weitergeben, statt es ungenutzt im Schrank zu lagern
Mehrweg-Windeln: weniger Restmüll, weniger Kosten
Ein Kind verbraucht bis zum Trockenwerden im Schnitt 5.000 bis 6.000 Wegwerfwindeln - das sind rund eine Tonne Müll pro Kind. Kinder machen nur etwa 2 Prozent der Bevölkerung aus, verursachen über ihre Windeln aber bis zu 10 Prozent des Restmülls. Für ein modernes Stoffwindelsystem reichen dagegen 24-28 Windeln, die sich waschen und wiederverwenden lassen - auch für weitere Kinder.
Eine Meta-Analyse des UN-Umweltprogramms von 2021 kommt zu dem Schluss, dass Stoffwindeln ökologisch im Vorteil sind, wenn sie bei niedrigen Temperaturen und in voller Trommelladung gewaschen werden. Richtig genutzt lässt sich die CO2-Bilanz der Wickelzeit laut dem österreichischen Verein WIWA um bis zu 40 Prozent senken.
| Merkmal | Wegwerfwindeln | Stoffwindeln |
|---|---|---|
| Windeln bis zum Trockenwerden | ca. 5.000-6.000 Stück | 24-28 Stück (wiederverwendbar) |
| Windelmüll pro Kind | ca. 1 Tonne | kaum Restmüll |
| Laufende Kosten | Nachkauf über die ganze Wickelzeit | einmalige Anschaffung, danach Waschkosten |
| Ökobilanz | abhängig von Rohstoff & Produktion | abhängig von Waschtemperatur & Auslastung |
In Österreich bezuschussen viele Gemeinden den Kauf von Stoffwindeln über den vom Verein WIWA koordinierten Windelgutschein - einfach bei der eigenen Gemeinde oder dem zuständigen Abfallwirtschaftsverband nachfragen. Wer plastikfreie Alternativen auch bei Schnuller, Spielzeug und Babymöbeln sucht, findet mehr dazu in unserem Artikel Plastikfrei mit Babies & Kindern.
Pflegeprodukte einfach selbst mischen
Ein paar Baby-Pflegeprodukte lassen sich mit wenigen Zutaten selbst herstellen - praktisch, wenn man weiß, was drin ist, und meist günstiger als Fertigprodukte.
- Feuchttücher: Ein altes, weiches T-Shirt in Tücher schneiden. 250 ml abgekühlten Salbeitee mit ½ EL Bio-Pflanzenöl vermischen, über die Tücher in einem dicht schließenden Behälter gießen und durchziehen lassen.
- Massageöl: 235 ml Bio-Olivenöl im Wasserbad erwärmen, je 2 EL getrocknete Kamillen- und Ringelblumenblüten zugeben und bei milder Hitze etwa eine Stunde ziehen lassen. Abseihen und in eine saubere Flasche füllen.
- Körperpuder: 1 TL getrocknete Kamillenblüten fein mahlen, mit ½ Becher Pfeilwurzelmehl mischen und in einen sauberen Streuer füllen.
Vor der ersten Anwendung immer einen Patch-Test auf einer kleinen Hautstelle machen und ein bis zwei Stunden abwarten. Selbst gemachte Pflegeprodukte enthalten keine Konservierungsstoffe und sollten deshalb nur in kleinen Mengen angesetzt, kühl gelagert und innerhalb weniger Tage aufgebraucht werden. Bei Hautreizungen sofort absetzen und im Zweifel die Kinderärztin oder den Kinderarzt fragen.
Wer den Zero-Waste-Gedanken über die Babyzeit hinaus weiterverfolgen möchte, findet allgemeine Grundlagen in unserem Artikel Zero Waste vegan leben.
Häufige Fragen
- Lohnen sich Stoffwindeln finanziell wirklich?
- Ja. Für ein Kind reichen 24-28 Stoffwindeln, die sich bis zum Trockenwerden und darüber hinaus für Geschwisterkinder wiederverwenden lassen, während Wegwerfwindeln laufend nachgekauft werden müssen. Die Anschaffung kostet anfangs mehr, macht sich aber über die gesamte Wickelzeit durch die gesparten Windelkäufe bezahlt.
- Wie viel Windelmüll spart man mit Mehrweg-Windeln?
- Ein Kind verbraucht bis zum Trockenwerden im Schnitt 5.000 bis 6.000 Wegwerfwindeln - das ergibt rund eine Tonne Müll pro Kind. Stoffwindeln fallen dagegen kaum ins Gewicht, weil dieselben 24-28 Stück immer wieder gewaschen und weiterverwendet werden.
- Wo bekommt man gebrauchte Baby-Kleidung?
- Babykleidung wird oft nur wenige Wochen getragen und ist danach meist wie neu. Flohmärkte, Second-Hand-Läden, Online-Kleinanzeigen und Tauschbörsen in der Nachbarschaft oder im Freundeskreis sind die gängigsten Quellen - viele Eltern geben Erstausstattung sogar kostenlos weiter, wenn das eigene Kind herausgewachsen ist.
- Wie lange sind selbstgemachte Feuchttücher haltbar?
- Ohne Konservierungsstoffe halten sich selbst angesetzte Feuchttücher nur wenige Tage im Kühlschrank. Am besten immer nur eine kleine Menge ansetzen und den Behälter vor jeder Verwendung auf Geruch oder Verfärbung prüfen.
- Gibt es in Österreich eine Förderung für Stoffwindeln?
- Viele österreichische Gemeinden und Abfallwirtschaftsverbände bezuschussen den Kauf von Stoffwindeln, koordiniert über den Verein WIWA und dessen Windelgutschein-System. Ob und in welcher Höhe die eigene Gemeinde fördert, lässt sich direkt bei der Gemeinde oder beim zuständigen Abfallwirtschaftsverband erfragen.
- Was macht man mit Baby-Sachen, die man nicht mehr braucht?
- Gut erhaltene Kleidung, Spielzeug und Ausstattung lassen sich über Second-Hand-Läden, Online-Plattformen oder Tauschbörsen weitergeben, statt im Restmüll zu landen. So bekommt die Ausstattung ein zweites Leben bei der nächsten Familie, statt nur einige Monate genutzt zu werden.