Wie gesund ist Stevia?
Stevia ist ein kalorienfreier, pflanzlicher Süßstoff aus den Blättern von Stevia rebaudiana, der seit Dezember 2011 EU-weit zugelassen ist. Entscheidend für die Bewertung ist eine Unterscheidung, die viele nicht kennen: Nicht das ganze Blatt landet im Supermarktprodukt, sondern isolierte Steviolglycoside - in der Zusatzstoffliste als E960 geführt.
Herkunft und Zulassung von Stevia
Die Pflanze stammt aus Paraguay und Brasilien, wo indigene Gemeinschaften ihre Blätter seit Jahrhunderten zum Süßen nutzen. In der EU ist ausschließlich der wasserextrahierte Steviolglycosid-Extrakt als Lebensmittelzusatzstoff zugelassen, wie die Zusatzstoff-Datenbank von transgen.de dokumentiert.
Das getrocknete Stevia-Blatt selbst gilt als nicht zugelassenes neuartiges Lebensmittel und darf in der EU nicht verkauft werden. Wer Stevia zuhause zieht, tut das als Zierpflanze - nicht als zugelassenes Lebensmittel.
Blutzuckerwirkung: Was die Studienlage zeigt
Eine randomisierte 12-Wochen-Studie mit gesunden Erwachsenen fand keinen signifikanten Unterschied bei Glukose- oder Insulinwerten zwischen Stevia-Konsum und Kontrollgruppe. Auch eine Crossover-Studie zur Reaktion nach dem Essen zeigte keinen Blutzuckeranstieg durch Stevia selbst.
Präklinische Tierstudien deuten in einer systematischen Übersichtsarbeit auf ein blutzuckersenkendes Potenzial hin - diese Effekte stammen aber überwiegend aus Tiermodellen, nicht aus Humandaten. Für gesunde Menschen bedeutet Stevia vor allem: kein Blutzuckeranstieg, wie es bei echtem Zucker der Fall wäre.
Wirkung auf die Darmflora
Eine Humanstudie über 12 Wochen fand keine relevante Veränderung der Darmflora durch regelmäßigen Stevia-Konsum - weder bei der Artenvielfalt noch bei einzelnen Bakteriengruppen. Eine begleitende Übersichtsarbeit zu "Stevia Consumption on Gut Bacteria" bestätigt: Die Datenlage ist insgesamt unauffällig, große negative Effekte wurden bislang nicht nachgewiesen.
Interessant dabei: Steviolglycoside werden erst durch Darmbakterien in die Verbindung Steviol aufgespalten, bevor der Körper sie aufnimmt. Die Darmflora ist also Teil des Stoffwechselwegs, nicht nur ein möglicher Nebenschauplatz.
Sicherheit und tägliche Höchstmenge
EFSA und das UN-Gremium JECFA haben gemeinsam eine akzeptable Tagesdosis (ADI) von 4 mg pro Kilogramm Körpergewicht für Steviolglycoside festgelegt. Bei einer 70-Kilo-Person entspricht das 280 mg Steviolglycosid-Äquivalenten pro Tag - je nach Produkt mehrere Dutzend Tropfen oder Portionsbeutel.
Eine Toxikologiestudie aus 2025 fand keine akute, subchronische, genotoxische oder teratogene Toxizität bei Stevia-Extrakt. Innerhalb der ADI-Grenze gilt Stevia damit nach aktueller Studienlage als unbedenklich.
| Zulassungsstelle | Bewertung |
|---|---|
| EFSA (EU) | Zugelassen seit 2011, ADI 4 mg/kg Körpergewicht |
| JECFA (WHO/FAO) | Gleicher ADI-Wert, international abgestimmt |
| FDA (USA) | Als "Generally Recognized As Safe" eingestuft |
Geschmack und Verwendung in der Küche
Reines Stevia-Pulver hat eine 200- bis 400-fache Süßkraft gegenüber Zucker - schon eine Messerspitze reicht oft für einen ganzen Kuchen. Bei höherer Dosierung tritt bei manchen Produkten ein bitterer oder leicht lakritzartiger Nachgeschmack auf, der vom Anteil bestimmter Steviolglycoside abhängt.
Weil reines Stevia weder Volumen noch Bräunung wie Zucker liefert, bestehen die meisten Back-Produkte im Handel aus einer Mischung mit Erythrit. Diese Kombination verhält sich beim Abmessen und Backen deutlich ähnlicher zu klassischem Zucker als reines Stevia-Pulver allein.
Stevia-Produkte in Österreich kaufen
Stevia ist in Österreich breit verfügbar - als Flüssigsüße in Tropfenform, als Streusüße in Pulverform oder als Stevia-Erythrit-Blend zum Backen. Reformhäuser, dm, Bipa sowie die Bio-Regale von Spar und Hofer führen mehrere Marken zu unterschiedlichen Preisen und Süßkraft-Konzentrationen.
Beim Kauf lohnt ein Blick auf die Zutatenliste: reine Steviolglycoside ohne Zusätze unterscheiden sich in Süßkraft und Nachgeschmack spürbar von den günstigeren Stevia-Erythrit-Mischungen.
Häufige Fragen
- Ist Stevia vegan?
- Ja. Steviolglycoside stammen aus den Blättern der Pflanze Stevia rebaudiana und werden per Wasserextraktion gewonnen, ganz ohne tierische Zusätze. Auch die üblichen Stevia-Erythrit-Mischungen im Supermarkt sind rein pflanzlich beziehungsweise über Fermentation hergestellt.
- Darf ich getrocknete Stevia-Blätter in Österreich kaufen?
- Nicht als Lebensmittel. In der EU ist nur der isolierte Extrakt (Steviolglycoside, E960) als Süßungsmittel zugelassen, das ganze Blatt gilt als nicht zugelassenes neuartiges Lebensmittel. Stevia-Pflanzen für den eigenen Balkon sind als Zierpflanze trotzdem erhältlich.
- Wie viel Stevia ersetzt einen Teelöffel Zucker?
- Steviolglycoside süßen etwa 200 bis 400 Mal stärker als Haushaltszucker. Ein Teelöffel Zucker entspricht je nach Produktkonzentration meist nur einer Messerspitze reinem Stevia-Pulver oder wenigen Tropfen der flüssigen Variante - die Packungsangabe ist hier zuverlässiger als eine Faustregel.
- Warum schmeckt manches Stevia bitter oder nach Lakritz?
- Der Nachgeschmack stammt von bestimmten Steviolglycosiden wie Stevioside, die in höherer Konzentration bitter wahrgenommen werden. Produkte mit einem höheren Anteil an Rebaudiosid A gelten als milder, deshalb schmecken Marken je nach Rezeptur unterschiedlich stark nach.
- Kann ich mit Stevia normal backen?
- Reines Stevia ersetzt zwar die Süße, aber nicht das Volumen und die Bräunung, die Zucker beim Backen liefert. Deshalb bestehen die meisten Back-Produkte im Handel aus einer Mischung von Stevia mit Erythrit oder anderen Füllstoffen, die das Volumen von Zucker nachbilden.
- Was unterscheidet Stevia von Erythrit?
- Stevia ist ein hochintensiver Süßstoff (200-400-fache Süßkraft, in Tropfenform dosiert), Erythrit ein Zuckeralkohol mit fast der gleichen Menge und Textur wie Zucker. Viele Fertigprodukte kombinieren beide, damit sich Süße und Volumen wie bei Haushaltszucker verhalten.