Wie gesund ist Erythrit?

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Erythrit gilt als nahezu kalorienfreier Zuckerersatz ohne nennenswerte Blutzuckerwirkung - deshalb steckt es in unzähligen zuckerfreien Produkten. Seit 2023 sorgen jedoch zwei Cleveland-Clinic-Studien für Aufsehen, die hohe Erythrit-Werte im Blut mit einem erhöhten Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall in Verbindung bringen. Was ist dran?

Herkunft und Kalorien von Erythrit

Erythrit ist ein Zuckeralkohol, der großtechnisch durch Fermentation von Traubenzucker mit Hefepilzen gewonnen wird. Der Körper nimmt rund 90 Prozent davon im Dünndarm auf, verstoffwechselt es aber kaum und scheidet es weitgehend unverändert über den Urin wieder aus (Studie zur Magenentleerung nach Erythrit-Aufnahme, PMC). Genau dieser Stoffwechselweg erklärt, warum Erythrit praktisch keine Kalorien liefert und den Blutzucker- sowie Insulinspiegel kaum beeinflusst.

Erythrit und das Herzinfarktrisiko: die Cleveland-Clinic-Studien

2023 werteten Forschende um Marco Witkowski und Stanley Hazen Blutproben von 1.157 Herzpatientinnen und -patienten aus. Menschen mit hohen Erythrit-Werten im Blut hatten binnen drei Jahren ein etwa doppelt so hohes Risiko für Herzinfarkt oder Schlaganfall wie Menschen mit niedrigen Werten (Nature Medicine, 2023).

Eine Folgestudie desselben Teams gab 2024 gesunden Testpersonen eine haushaltsübliche Menge Erythrit, wie sie in einer Portion zuckerfreier Limonade oder einem Muffin steckt. Die Blutplättchen der Teilnehmenden wurden danach messbar reaktiver und bildeten leichter Blutgerinnsel - bei einer Vergleichsgruppe mit normalem Traubenzucker zeigte sich dieser Effekt nicht (Arteriosclerosis, Thrombosis and Vascular Biology, 2024). Beide Studien zeigen einen Zusammenhang und einen möglichen Mechanismus, liefern aber keinen abschließenden Beweis für eine ursächliche Wirkung beim Menschen.

Wie Behörden das Risiko einschätzen

Die europäische Lebensmittelbehörde EFSA hat Erythrit 2023 neu bewertet und kam zu einem vorsichtigeren Ergebnis: Die aktuelle Studienlage belege keinen bewiesenen Kausalzusammenhang zwischen normalem Erythrit-Verzehr und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, weitere Forschung sei aber sinnvoll (EFSA-Neubewertung E968). Die US-Behörde FDA führt Erythrit weiterhin als GRAS (generally recognized as safe), basierend auf umfangreichen Toxizitätsstudien ohne relevante Nebenwirkungen (FDA-GRAS-Notice 789).

Eine Zahl aus der EFSA-Bewertung gibt trotzdem zu denken: In allen untersuchten Bevölkerungsgruppen lag der tatsächliche Erythrit-Konsum bereits über der neu festgelegten Tagesdosis von 0,5 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht.

Verträglichkeit für den Darm

Wie andere Zuckeralkohole kann Erythrit in großen Mengen den Darm reizen. Eine kontrollierte Studie an Erwachsenen zeigte dabei ein klares Dosis-Muster:

Einzeldosis Beobachtung
20-35 Gramm keine deutliche Zunahme von Verdauungsbeschwerden
ab 50 Gramm mehr Übelkeit und Blähungen berichtet

(Studie zur Verträglichkeit von Erythrit und Xylit, PubMed). Im direkten Vergleich verursacht Xylit bei gleicher Menge deutlich häufiger weichen Stuhl als Erythrit - der Darm verträgt Erythrit also besser als andere Zuckeralkohole.

Diabetes und Zahngesundheit

Mit einem glykämischen Index von 0 gilt Erythrit als blutzuckerneutrale Zucker-Alternative und taucht deshalb häufig in Produkten für Menschen mit Diabetes auf. Zusätzlich können Mundbakterien Erythrit nicht zu Säure abbauen, wodurch es nicht kariesfördernd wirkt.

Eine Vergleichsstudie an Schulkindern fand sogar, dass Erythrit das Wachstum kariesauslösender Bakterien wirksamer hemmt als Xylit oder Sorbit (Erythritol Is More Effective Than Xylitol and Sorbitol, International Journal of Dentistry) - ein Effekt, den auch die EFSA in einer gesundheitsbezogenen Angabe zu zuckerfreien Bonbons bestätigt hat (EFSA-Bewertung Zahnschutz-Health-Claim).

Fazit

Erythrit ist kalorienarm, blutzuckerneutral und schont die Zähne - in diesen Punkten ist die Studienlage eindeutig positiv. Gleichzeitig mehren sich seit 2023 wissenschaftliche Hinweise auf ein Herz-Kreislauf-Risiko, während Zulassungsbehörden noch keinen bewiesenen Kausalzusammenhang sehen. Wer vorsichtig sein möchte, hält sich an moderate Mengen statt an literweise Light-Produkte mit Erythrit und behält bei bestehenden Herz-Kreislauf-Erkrankungen die aktuelle Forschungslage im Blick.

Häufige Fragen

Ist Erythrit als Süßstoff sicher?
Die US-Behörde FDA stuft Erythrit als GRAS (generally recognized as safe) ein, die EFSA hält nach ihrer Neubewertung an der Zulassung fest. Beide Behörden sehen aktuell keinen belegten ursächlichen Zusammenhang zwischen normalem Verzehr und Herz-Kreislauf-Erkrankungen, fordern aber weitere Forschung.
Stimmt es, dass Erythrit das Herzinfarktrisiko erhöht?
Eine Cleveland-Clinic-Studie an 1.157 Herzpatienten fand 2023, dass hohe Erythrit-Blutwerte mit einem etwa doppelt so hohen Risiko für Herzinfarkt oder Schlaganfall binnen drei Jahren einhergingen. Eine Folgestudie 2024 zeigte im Labor eine erhöhte Blutplättchen-Aktivität nach Erythrit-Konsum. Es handelt sich um Beobachtungsdaten und einen möglichen Mechanismus, keinen abschließenden Beweis.
Ist Erythrit für Diabetiker geeignet?
Erythrit hat einen glykämischen Index von 0 und lässt den Blutzucker- und Insulinspiegel nach aktueller Studienlage praktisch unverändert. Es gilt deshalb als eine der blutzuckerneutraleren Alternativen zu Zucker. Bei bestehenden Erkrankungen lohnt sich trotzdem die individuelle Abstimmung mit der behandelnden Ärztin oder dem Arzt.
Bekommt man von Erythrit Blähungen oder Durchfall?
Bei Erwachsenen zeigten Studien bei Einzeldosen von 20 bis 35 Gramm keine deutliche Zunahme von Verdauungsbeschwerden. Ab etwa 50 Gramm auf einmal berichteten mehr Teilnehmende von Übelkeit und Blähungen. Im Vergleich zu Xylit oder Sorbit verträgt der Darm Erythrit generell besser.
Ist Erythrit gut für die Zähne?
Ja, Mundbakterien können Erythrit nicht zu Säure verstoffwechseln, wodurch es nicht kariesfördernd wirkt. Studien zeigen sogar, dass es das Wachstum kariesauslösender Bakterien stärker hemmt als Xylit oder Sorbit.
Wie viel Erythrit gilt pro Tag als unbedenklich?
Die EFSA setzt die akzeptable Tagesdosis bei 0,5 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht an - für eine 70 Kilogramm schwere Person also rund 35 Gramm. Die Behörde weist zugleich darauf hin, dass viele Menschen diesen Wert durch stark verarbeitete Light-Produkte im Alltag bereits überschreiten.