Warum vegan: Fleischindustrie nimmt auch Menschen den Lebensraum
Für ein Steak in Europa wird auf der anderen Seite der Erde manchmal Wald gerodet - und mit ihm der Lebensraum von Menschen, die dort seit Generationen leben. Im Gran Chaco Paraguays, einem der am schnellsten schwindenden Waldgebiete der Erde, weichen große Flächen der Rinderzucht für den Export. Betroffen sind die Ayoreo-Totobiegosode, das letzte bekannte unkontaktierte Volk außerhalb des Amazonas.
Der Gran Chaco: einer der am schnellsten schwindenden Wälder der Erde
Der Gran Chaco ist nach dem Amazonas der zweitgrößte Wald Südamerikas - und einer der am stärksten bedrohten. Laut NASA-Auswertungen von Landsat-Satellitendaten gingen zwischen 2001 und 2021 rund 5,3 Millionen Hektar Wald verloren. Eine 2025 veröffentlichte Analyse beziffert den Verlust noch dramatischer: In den vergangenen 30 Jahren wichen im Chaco mehr als 19 Millionen Hektar Wald der Weide- und Ackerfläche.
Wichtige Zahlen im Überblick:
- 5,3 Millionen Hektar Wald verloren im Gran Chaco zwischen 2001 und 2021
- 19 Millionen Hektar Weide- und Ackerfläche in den letzten 30 Jahren neu erschlossen
- 20,2 % Rückgang der Trockenwaldfläche zwischen 2000 und 2019 - der weltweit höchste Wert in dieser Kategorie
- 67,4 % von Paraguays Rindfleischexporten stammen aus dem Gran Chaco
Trotz einer 2026 erweiterten Schutzzone im Chaco steigt die Rodung laut Mongabay-Recherchen in angrenzenden Gebieten weiter an - Kontrolle und Durchsetzung bleiben lückenhaft.
Die Ayoreo: das letzte unkontaktierte Volk außerhalb des Amazonas
Die Ayoreo-Totobiegosode leben halb-nomadisch im Grenzgebiet zwischen Paraguay und Bolivien und gelten als letztes bekanntes unkontaktiertes Volk außerhalb des Amazonasgebiets. Ihr letzter erzwungener Kontakt mit der Außenwelt liegt laut Mongabay (2025) im Jahr 2004, als 17 Ayoreo durch vordringende Viehzüchter aus dem Wald vertrieben wurden.
Der Wald ist für die Ayoreo weit mehr als Lebensraum: Er liefert Nahrung, Schutz und traditionelle Heilmittel. Weil sie keine Immunität gegen viele Krankheiten von außen besitzen, kann jeder erzwungene Kontakt mit Außenstehenden schwere gesundheitliche Folgen haben - eine Gefahr, die mit schwindendem Wald wächst, wie das World Rainforest Movement dokumentiert.
Rindfleisch aus dem Chaco landet auch in Europa
Das Rindfleisch, für das im Chaco gerodet wird, ist auch für internationale Märkte bestimmt. Das brasilianische Viehzuchtunternehmen Yaguareté Porã erwarb bereits 2002 einen Landtitel über 78.000 Hektar innerhalb des angestammten Ayoreo-Schutzgebiets und rodete dort systematisch Wald für neue Weideflächen, wie Survival International dokumentiert. Ein Teil des Rindfleisches aus solchen Betrieben gelangt über internationale Handelsketten letztlich auch auf europäische Teller.
Neue EU-Regeln für importiertes Rindfleisch
Die EU-Entwaldungsverordnung (EUDR) soll genau hier ansetzen: Importeure müssen künftig nachweisen, dass Rindfleisch, Soja und andere Rohstoffe nicht von Flächen stammen, die nach dem 31. Dezember 2020 gerodet wurden. Die Regel wurde jedoch bereits zweimal verschoben - zuletzt im Dezember 2025 - und gilt laut Beschluss des EU-Parlaments nun ab 30. Dezember 2026 für große Unternehmen, ab Juni 2027 auch für kleine Betriebe. Bis dahin bleibt die Kontrolle über die Herkunft von importiertem Rindfleisch größtenteils freiwillig.
Dein Beitrag: weniger Nachfrage nach neuen Weideflächen
Wer auf Rindfleisch verzichtet, reduziert direkt die Nachfrage nach neuen Weideflächen im Gran Chaco - ganz ohne auf politische Regulierung warten zu müssen. Genau diese Wirkung macht pflanzliche Ernährung zu einem der unmittelbarsten Hebel, die einzelne Menschen in der Hand haben. Wer mehr über die ethischen Beweggründe hinter veganer Ernährung erfahren möchte, findet in Warum vegan? Wegen der Tiere! und in unserem Artikel über die Auswirkungen veganer Ernährung auf die Umwelt weitere Hintergründe. Wer den Einstieg plant, bekommt in unserem Guide zum Vegan-Werden praktische erste Schritte.
Der Gran Chaco und seine Bewohner zeigen: Die Auswirkungen der Fleischindustrie enden nicht an der eigenen Landesgrenze. Eine bewusste Entscheidung am Esstisch in Europa wirkt bis in den Wald am anderen Ende der Welt.
Häufige Fragen
- Warum wird der Gran Chaco in Paraguay abgeholzt?
- Der Gran Chaco wird vor allem für Weideflächen gerodet, auf denen Rinder für den Export gehalten werden. Laut einer 2025 veröffentlichten Analyse verlor die Region durch Weide- und Ackerflächenausbau in den vergangenen 30 Jahren mehr als 19 Millionen Hektar Wald - eine der höchsten Entwaldungsraten weltweit.
- Wer sind die Ayoreo und warum sind sie besonders betroffen?
- Die Ayoreo-Totobiegosode sind das letzte bekannte unkontaktierte Volk außerhalb des Amazonas. Sie leben halb-nomadisch im Gran Chaco und sind vollständig auf den Wald als Nahrungs-, Schutz- und Heilquelle angewiesen. Weil sie keine Immunität gegen viele Krankheiten von außen besitzen, ist jeder erzwungene Kontakt mit Viehzüchtern eine ernsthafte Gefahr für ihr Überleben.
- Wie viel Wald ist im Gran Chaco bereits verloren gegangen?
- Zwischen 2001 und 2021 gingen im Gran Chaco rund 5,3 Millionen Hektar Wald verloren, wie mehrere Untersuchungen zeigen. Die Trockenwaldfläche schrumpfte zwischen 2000 und 2019 um 20,2 Prozent, wobei Paraguay den weltweit höchsten Waldverlust in dieser Kategorie verzeichnete.
- Wohin geht das Rindfleisch aus dem Gran Chaco?
- 67,4 Prozent von Paraguays Rindfleischexporten stammen laut einer 2025 veröffentlichten Analyse aus dem Gran Chaco. Zu den größten Abnehmerländern zählen Chile, Russland und Israel, daneben landet Rindfleisch aus der Region auch über Zwischenhändler auf europäischen Märkten.
- Was ändert die EU-Entwaldungsverordnung (EUDR)?
- Die EUDR verpflichtet Importeure, nachzuweisen, dass Produkte wie Rindfleisch nicht von Flächen stammen, die nach Ende 2020 gerodet wurden. Die Regel wurde bereits zweimal verschoben und gilt nun ab 30. Dezember 2026 für große Unternehmen, ab Juni 2027 auch für kleine Betriebe.
- Was kann ich als Konsument konkret tun?
- Wer weniger oder kein Rindfleisch kauft, reduziert direkt die Nachfrage nach neuen Weideflächen im Gran Chaco. Zusätzlich hilft es, Organisationen wie Survival International zu unterstützen, die sich mit Kampagnen und Öffentlichkeitsarbeit für die Landrechte der Ayoreo einsetzen.
- Gibt es Organisationen, die sich für die Ayoreo einsetzen?
- Ja, Survival International führt seit Jahren eine Kampagne für die Ayoreo-Totobiegosode und dokumentiert die Situation im Chaco öffentlich. Auch das World Rainforest Movement berichtet regelmäßig über die Lage der Ayoreo und die Rolle einzelner Viehzucht-Unternehmen in der Region.