Veganes Leder: Der komplette Guide für nachhaltige Mode
Du suchst nach stilvollen Taschen, Schuhen oder Jacken, die ohne Tierleid auskommen? Pflanzliches Leder bietet mittlerweile beeindruckende Alternativen zu tierischem Material. Doch nicht jedes vegane Leder ist automatisch nachhaltig. Wir zeigen dir, worauf es wirklich ankommt.
Was ist veganes Leder?
Veganes Leder bezeichnet Materialien, die die Optik und Haptik von traditionellem Leder nachahmen, ohne dabei tierische Bestandteile zu verwenden. Der globale Markt für veganes Leder wächst rasant: Von 3,5 Milliarden USD im Jahr 2024 auf voraussichtlich 7 Milliarden USD bis 2033.
Es gibt zwei Hauptkategorien:
- Synthetisches veganes Leder: Aus Polyurethan (PU) oder Polyvinylchlorid (PVC) hergestellt
- Pflanzenbasiertes veganes Leder: Aus Ananas, Kakteen, Pilzen, Äpfeln oder anderen natürlichen Rohstoffen
Die beliebtesten pflanzlichen Lederarten
Piñatex (Ananasleder)
Piñatex wird aus den Fasern von Ananasblättern hergestellt, einem Abfallprodukt der Ananasernte. Das Material ist leicht, atmungsaktiv und wasserabweisend. Laut Technology Networks spart jeder Quadratmeter Piñatex rund 12 kg CO2 gegenüber konventionellem Kunstleder ein.
Vorteile:
- Nutzt landwirtschaftliche Abfälle
- Unterstützt Bauern in Entwicklungsländern
- Zertifiziertes B-Corp-Unternehmen
Zu beachten: Das Endprodukt enthält eine PU-Beschichtung für Haltbarkeit.
Desserto (Kaktusleder)
Das mexikanische Unternehmen Desserto entwickelte 2019 ein Leder aus Feigenkakteen (Nopal). Laut ELLE benötigt der Anbau keinerlei Bewässerung und nutzt ausschließlich Regenwasser. Die Plantage absorbiert jährlich über 7.000 Tonnen CO2.
Große Marken wie Mercedes-Benz, BMW, Balenciaga und Givenchy setzen bereits auf Kaktusleder.
Vorteile:
- Minimaler Wasserverbrauch
- Hohe CO2-Absorption
- 10 Jahre getestete Haltbarkeit
Zu beachten: Eine Untersuchung des Circular Laboratory ergab, dass das Material zu etwa 65% aus PU besteht.
Myzelium (Pilzleder)
Pilzleder wird aus dem Wurzelgeflecht von Pilzen (Myzelium) hergestellt. Eine Studie aus 2025 im Fachjournal Scientific Reports zeigt, dass vegetabil gegerbtes Pilzleder eine Zugfestigkeit von bis zu 20,5 MPa erreicht, deutlich mehr als Piñatex (4,5 MPa).
Vorteile:
- Vollständig biologisch abbaubar möglich
- Weiche, angenehme Textur
- Schnell nachwachsender Rohstoff
Zu beachten: Die Skalierung ist noch eine Herausforderung. Unternehmen wie MycoWorks arbeiten an industriellen Lösungen.
AppleSkin (Apfelleder)
AppleSkin (Uppeal) verwendet Schalen und Kerne aus der Apfelsaftproduktion. Das Material ist besonders in Norditalien verbreitet, wo große Mengen Apfelreste anfallen.
Wichtig: Das Oberlandesgericht Köln entschied 2025, dass die Bezeichnung "Apfelleder" für kunststoffbasierte Produkte irreführend sein kann.
Mirum (plastikfrei)
Ein echter Durchbruch: Mirum von Natural Fiber Welding ist laut bewusstkaufen.at ein 100% plastikfreies Material aus Naturkautschuk und pflanzlichen Inhaltsstoffen. In Kooperation mit dem österreichischen Faserhersteller Lenzing entwickelt, ist es vollständig recycelbar und kompostierbar.
Veganes Leder richtig pflegen
Die Haltbarkeit von veganem Leder hängt stark von der Pflege ab:
- PU-Leder: 2-5 Jahre bei guter Pflege
- PVC-Leder: 5-10 Jahre, aber weniger umweltfreundlich
- Pflanzliches Leder: Vergleichbar mit PU, wenn verstärkt
Pflegetipps
- Regelmäßig reinigen: Mit einem weichen, feuchten Tuch und milder Seife abwischen
- Konditionieren: Alle 3-4 Monate mit einem für Kunstleder geeigneten Pflegemittel behandeln
- Richtig lagern: Kühl und trocken, niemals in direkter Sonne
- Form erhalten: Taschen mit Papier ausstopfen, Schuhe mit Schuhspannern lagern
Vermeide:
- Aggressive Reinigungsmittel
- Direkte Sonneneinstrahlung (führt zu Rissen)
- Extreme Temperaturen
- Übermäßiges Waschen
Wo in Österreich kaufen?
Online-Shops
- Shop Like You Give a Damn: Europas größter Online-Shop für vegane Mode
- Greenality: Fair Trade und nachhaltige Kleidung
Wiener Labels und Shops
- dariadéh: 100% vegane Mode, Store in der Lindengasse 5
- Consches: Arbeitet mit veganem Leder, Studio im 6. Bezirk
- Bags with Legs: Handgefertigte nachhaltige Taschen, Hermanngasse 19
- Glein Atelier: Wiener Atelier mit Fokus auf nachhaltige Lederalternativen
Kritische Betrachtung: Ist veganes Leder wirklich nachhaltig?
Die Wahrheit liegt im Detail. Laut einer Studie von ResearchGate gibt es berechtigte Bedenken:
Vorteile gegenüber Tierleder:
- Kein Tierleid
- Oft geringerer Wasserverbrauch
- Keine giftigen Gerbchemikalien
Herausforderungen:
- Viele Produkte enthalten noch 50-65% Kunststoff
- Recycling von Mischgeweben ist schwierig
- Langzeitstudien zur Haltbarkeit fehlen teilweise
Die neue EU-Richtlinie (EU) 2024/825 schränkt unbelegte Umweltaussagen wie "umweltfreundlich" oder "biologisch abbaubar" ein. Achte daher auf konkrete Zertifizierungen statt vager Versprechen.
Unser Fazit
Pflanzliches Leder ist ein wichtiger Schritt in Richtung tierfreundliche Mode. Die Technologie entwickelt sich rasant weiter, besonders plastikfreie Alternativen wie Mirum sind vielversprechend. Wenn du veganes Leder kaufst, achte auf:
- Transparente Zusammensetzung (wie viel Pflanze, wie viel Kunststoff?)
- Zertifizierungen (B-Corp, PETA-Approved Vegan)
- Langlebigkeit (lieber einmal hochwertig als dreimal billig)
- Pflegefähigkeit (gute Produkte kommen mit Pflegeanleitung)
So trägst du nicht nur stylisch, sondern auch mit gutem Gewissen.
Dieser Artikel dient der allgemeinen Information und wurde sorgfältig recherchiert. Für aktuelle Produktinformationen empfehlen wir den direkten Kontakt mit den Herstellern.