Vegane Haarpflege: Der komplette Guide für gesundes Haar
Vegane Haarpflege ist längst mehr als ein Nischenthema. Der globale Markt für vegane Haarpflegeprodukte wächst laut Wise Guy Reports von 6,82 Milliarden USD (2024) auf voraussichtlich 12,8 Milliarden USD bis 2032 – mit einer jährlichen Wachstumsrate von 8,19 Prozent. Immer mehr Menschen möchten Produkte, die weder Tiere ausbeuten noch an ihnen getestet werden. Doch was genau macht Haarpflege vegan, welche Inhaltsstoffe solltest du meiden, und wo findest du gute Produkte in Österreich?
Was macht Haarpflege vegan?
Vegane Haarpflege bedeutet zweierlei: Die Produkte enthalten keine tierischen Inhaltsstoffe und werden nicht an Tieren getestet. Wie The Vegan Review erklärt, werden viele nicht-vegane Inhaltsstoffe aus Schlachthof-Nebenprodukten gewonnen – Materialien, die sonst kostenpflichtig entsorgt werden müssten.
Wichtig zu wissen: „Vegan" bedeutet nicht automatisch „natürlich". Synthetische Inhaltsstoffe wie Silikone oder Sulfate sind technisch gesehen vegan, da sie nicht aus Tieren stammen. Umgekehrt sind natürliche Inhaltsstoffe wie Bienenwachs oder Honig zwar natürlich, aber nicht vegan.
Tierische Inhaltsstoffe, die du meiden solltest
Diese Inhaltsstoffe sind in vielen Haarpflegeprodukten versteckt und stammen aus tierischen Quellen:
Keratin
Keratin ist das Hauptprotein unseres Haares – etwa 90 Prozent der Haarstruktur bestehen daraus, wie Scandinavian Biolabs erklärt. In Haarpflegeprodukten wird Keratin oft aus Hufen, Federn oder Hörnern von Tieren gewonnen. Laut We Made This Vegan stammt das Keratin in vielen Produkten buchstäblich aus gemahlenen Tierteilen.
Kollagen
Kollagen wird aus dem Bindegewebe von Tieren gewonnen und soll das Haar stärken. Es findet sich häufig in Anti-Aging-Haarpflegeprodukten.
Lanolin
Lanolin ist ein wachsartiges Fett aus Schafwolle. Es bindet Feuchtigkeit und bildet einen schützenden Film auf dem Haar. Laut Deveraux Specialties gibt es mittlerweile pflanzliche Alternativen wie Plantsoft™, die ähnliche Eigenschaften bieten.
Weitere tierische Inhaltsstoffe
- Bienenwachs und Honig – in Styling-Produkten und Haarmasken
- Seidenproteine (Silk Amino Acids) – für Glanz und Geschmeidigkeit
- Karmin – ein roter Farbstoff aus Cochenille-Läusen
- Guanin – aus Fischschuppen, für schimmernde Effekte
- Milchproteine (Casein, Whey) – zur Haarkräftigung
Pflanzliche Alternativen mit Power
Die gute Nachricht: Für jeden tierischen Inhaltsstoff gibt es pflanzliche Alternativen, die genauso wirksam sind.
Weizenprotein statt Keratin
Hydrolysiertes Weizenprotein, auch Phytokeratin genannt, besteht aus Aminosäuren – den Bausteinen aller Proteine. Laut Myrto Naturalcosmetics bietet pflanzliches Keratin ähnliche pflegende Eigenschaften wie tierisches Keratin, ist dabei aber umweltfreundlicher und besser verträglich.
Weitere pflanzliche Proteinquellen für die Haarpflege sind laut PUR Hair:
- Reis-Protein
- Hafer-Protein
- Soja-Protein
- Erbsen-Protein
Pflanzliche Öle statt Lanolin
Diese Öle bieten Feuchtigkeit und Schutz:
- Kokosöl – dringt tief ins Haar ein
- Arganöl – reich an Vitamin E
- Jojobaöl – ähnelt dem natürlichen Talg der Kopfhaut
- Sheabutter – enthält ungesättigte Fettsäuren und Beta-Karotin
- Avocadoöl – nährt trockenes Haar
Aminosäuren für die Haarstruktur
Aminosäuren sind die kleinsten Bausteine der Proteine und können tief in die Haarstruktur eindringen. Besonders wichtig für gesundes Haar sind laut Growfine:
- Cystein – schwefelhaltig, stärkt die Haarstruktur
- L-Lysin – unterstützt die Keratinbildung
- L-Arginin – fördert die Durchblutung der Kopfhaut
Worauf du bei Inhaltsstoffen achten kannst
Nicht nur tierische Inhaltsstoffe sind bei manchen Produkten ein Thema. Laut Environmental Working Group (EWG) enthalten:
- 82 Prozent der Shampoos Sulfate (können Haar und Kopfhaut austrocknen)
- 63 Prozent Parabene (diskutierte Hormonwirkung)
- Mehr als 50 Prozent Phthalate (als Weichmacher verwendet)
Viele vegane Marken setzen auf sogenannte „6-free"-Formeln, die auf harte Sulfate, Silikone, Parabene, Phthalate, künstliche Farbstoffe und DEA verzichten.
Vegane Haarpflege in Österreich kaufen
dm und Bipa
Laut der Veganen Gesellschaft Österreich haben die Drogerieketten dm und Bipa eigene, größtenteils vegane und umweltfreundliche Kosmetik- und Pflegeprodukte. Bei dm gilt: Kein Produkt der dm-Marken wird an Tieren getestet – weder die Produkte selbst noch die eingesetzten Rohstoffe.
Bei Bipa findest du über 400 Marken im Haarpflegebereich. Achte auf das V-Label oder die Kennzeichnung „vegan" auf der Verpackung.
Rossmann
Auch bei Rossmann werden die Eigenmarken tierversuchsfrei produziert, da nur bereits bewährte Inhaltsstoffe verwendet werden. Beliebte vegane Marken bei Rossmann sind Jean&Len mit ihrer Repair-Haarpflege aus Kokosnussöl und Macadamia, die laut Kosmetik Nachrichten speziell für geschädigtes Haar entwickelt wurde.
Weitere Bezugsquellen
- Maran Vegan in Wien
- Reformhäuser und Biogeschäfte österreichweit
- Online-Shops wie Vegane Pflege oder ProVeg-empfohlene Shops
Empfehlenswerte vegane Haarpflege-Marken
Ethique
Das neuseeländische B-Corp-Unternehmen revolutioniert laut Ethical Elephant die Haarpflege mit plastikfreien Shampoo- und Conditioner-Bars. Für jede Online-Bestellung wird ein Baum gepflanzt, und 2 Prozent der Verkäufe gehen an wohltätige Zwecke.
Acure
Das Ultra Hydrating Set von Acure enthält organische vegane Shampoos und Conditioner mit natürlichen Inhaltsstoffen wie Arganöl, Kürbiskernöl, Aloe Vera und Fruchtextrakten – frei von schädlichen Chemikalien.
Green People
Jedes Produkt im Sortiment von Green People ist von der Vegan Society zertifiziert – von Shampoo-Bars über Conditioner bis zu Styling-Produkten.
Weitere empfehlenswerte Marken
- Giovanni Cosmetics – breites Sortiment, alles außer der „Magnetic"-Linie ist vegan
- Function of Beauty – individuell anpassbare Formeln, sulfat- und parabenfrei
- Briogeo – bekannt für 6-free-Formeln
Vegane Haarpflege für verschiedene Haartypen
Für lockiges Haar
Locken brauchen besonders viel Feuchtigkeit. Sheabutter ist hier ideal, da sie laut Rossmann-Experten ungesättigte Fettsäuren, Beta-Karotin, Vitamin E und Allantoin enthält, die trockenes und sprödes Haar pflegen.
Für feines Haar
Leichte pflanzliche Proteine wie Reisprotein stärken feines Haar, ohne es zu beschweren. Vermeide schwere Öle und Silikone.
Für trockenes Haar
Kokosöl und Arganöl spenden intensive Feuchtigkeit. Hydrolysierte pflanzliche Proteine können laut Kosmetik Vegan in die Haarstruktur eindringen und Mikrolücken füllen.
Für coloriertes Haar
Sulfatfreie Shampoos schonen die Farbe. Pflanzliche Proteine und Aminosäuren helfen, die durch das Färben beanspruchte Haarstruktur zu reparieren.
Zertifizierungen, auf die du achten kannst
Diese Labels helfen bei der Orientierung:
- V-Label – europäisches Vegan-Siegel
- Vegan Society Trademark – international anerkannt
- PETA-zertifiziert – cruelty-free und vegan
- Leaping Bunny – garantiert keine Tierversuche
Fazit: Gesundes Haar ohne tierische Inhaltsstoffe
Vegane Haarpflege bietet alles, was dein Haar braucht – von Feuchtigkeit spendenden Ölen über stärkende pflanzliche Proteine bis zu reparierenden Aminosäuren. Pflanzliche Alternativen zu Keratin, Kollagen und Lanolin sind mittlerweile so ausgereift, dass du auf nichts verzichten musst. In österreichischen Drogerien wie dm, Bipa und Rossmann findest du ein wachsendes Sortiment an veganen Produkten. Achte auf Zertifizierungen wie das V-Label oder das Vegan Society Trademark, um sicherzugehen, dass deine Haarpflege wirklich vegan ist.