Vegetarisch vs. Vegan: Die wissenschaftlichen Unterschiede

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Die pflanzenbetonte Ernährung boomt in Deutschland und Österreich. Laut aktuellen Erhebungen haben sich die Anteile von VegetarierInnen und VeganerInnen in Deutschland zwischen 2016 und 2022 mehr als verdoppelt: von 5,7% auf 13,5% der Bevölkerung. In Österreich ernähren sich rund 11% vegetarisch oder vegan. Aber was genau unterscheidet diese Ernährungsformen?

Die Definitionen im Überblick

Vegetarische Ernährung

VegetarierInnen verzichten auf Fleisch, Geflügel und Fisch, konsumieren aber häufig noch andere tierische Produkte. Laut MedlinePlus gibt es verschiedene Varianten:

Vegane Ernährung

Veganismus geht einen Schritt weiter: Die Vegan Society definiert Veganismus als "eine Lebensweise, die versucht, alle Formen der Ausbeutung und Grausamkeit gegenüber Tieren so weit wie möglich auszuschließen." Das bedeutet:

Eine Sonderform ist der Rohveganismus, bei dem Lebensmittel nicht über 48°C erhitzt werden.

Gesundheitliche Unterschiede laut Wissenschaft

Aktuelle Studienergebnisse 2024/2025

Eine umfassende Studie in Communications Medicine untersuchte tschechische Familien mit langjährig veganer, vegetarischer und omnivorer Ernährung. Die Ergebnisse:

Die EPIC-Oxford-Studie mit über 65.000 TeilnehmerInnen zeigt:

Krebsrisiko

Laut einer Studie der Loma Linda University haben VeganerInnen insgesamt die größten Vorteile bei der Krebsprävention:

Nährstoffversorgung

Beide Ernährungsformen erfordern Aufmerksamkeit für bestimmte Nährstoffe. Laut PMC-Übersichtsstudie:

Vegetarisch:

Vegan:

Umweltauswirkungen: Der ökologische Fußabdruck

Aktuelle Studienergebnisse November 2025

Eine Studie in Frontiers in Nutrition verglich die Umweltauswirkungen verschiedener Ernährungsformen:

Ernährung CO2-Reduktion Landnutzung Wasserverbrauch
Vegan -46% -33% -7%
Vegetarisch -35% -25% -5%
Pescetarisch -30% -20% -3%

Die täglichen Treibhausgasemissionen pro Person:

Jeder Schritt zählt

Die ForscherInnen betonen: "Du musst nicht komplett vegan werden, um etwas zu bewirken. Schon kleine Schritte Richtung pflanzliche Ernährung reduzieren Emissionen und sparen Ressourcen."

Laut Oxford-Universität hat eine vegane Ernährung nur 30% der Umweltauswirkungen einer fleischreichen Ernährung.

Die Beweggründe: Warum Menschen wechseln

Laut Statista-Erhebungen sind die Hauptmotivationen in Deutschland:

  1. Tierschutz und Tierrechte - Ablehnung von Massentierhaltung
  2. Umwelt und Klima - Reduktion des ökologischen Fußabdrucks
  3. Gesundheit - Prävention von Krankheiten
  4. Ethik - Grundsätzliche Ablehnung der Tiernutzung

Der Unterschied: VegetarierInnen lehnen primär das Töten von Tieren ab, akzeptieren aber tierische Produkte bei artgerechter Haltung. VeganerInnen lehnen jegliche Tiernutzung ab, unabhängig von den Haltungsbedingungen.

Praktische Tipps für den Umstieg

Von omnivor zu vegetarisch

  1. Starte mit "Fleischfreien Tagen"
  2. Entdecke pflanzliche Proteinquellen: Hülsenfrüchte, Tofu, Tempeh
  3. Experimentiere mit internationalen vegetarischen Küchen
  4. Achte auf Eisen- und B12-reiche Lebensmittel

Von vegetarisch zu vegan

  1. Ersetze schrittweise Milchprodukte durch Pflanzenmilch
  2. Probiere vegane Käsealternativen
  3. Lerne Ei-Ersatz beim Backen (Leinsamen, Aquafaba, Apfelmus)
  4. Supplementiere B12 von Anfang an

Einen ausführlichen Fahrplan für die ersten Schritte findest Du in unserem Artikel Vegan werden. Mehr Inspiration bieten unsere veganen Rezepte.

Fazit: Beide Wege sind gut

Sowohl vegetarische als auch vegane Ernährung bieten signifikante gesundheitliche und ökologische Vorteile gegenüber einer fleischreichen Ernährung. Die Academy of Nutrition and Dietetics bestätigt: Beide Ernährungsformen können bei guter Planung alle Nährstoffbedürfnisse in allen Lebensphasen decken.

Die vegane Ernährung hat die größten positiven Auswirkungen auf Klima und Tierschutz. Gleichzeitig ist die vegetarische Ernährung für viele ein guter Einstieg in die pflanzenbetonte Lebensweise.

Wichtig ist: Jeder Schritt in Richtung mehr Pflanzen auf dem Teller zählt - für die eigene Gesundheit und für den Planeten.

Häufige Fragen

Was ist der Hauptunterschied zwischen vegetarisch und vegan?
VegetarierInnen verzichten auf Fleisch, Fisch und Geflügel, essen aber meist weiterhin Milchprodukte, Eier oder Honig. VeganerInnen lehnen jegliche tierischen Produkte ab - nicht nur beim Essen, sondern auch bei Kleidung, Kosmetik und anderen Bereichen des Alltags. Der Unterschied liegt also im Umfang: Vegetarisch betrifft primär die Ernährung, vegan ist eine umfassendere Lebensweise.
Ist vegane oder vegetarische Ernährung gesünder?
Studien wie die EPIC-Oxford-Studie zeigen für beide Ernährungsformen niedrigeren BMI, niedrigere LDL-Cholesterinwerte und geringere Risiken für Herzerkrankungen und Diabetes im Vergleich zu omnivorer Ernährung. VeganerInnen profitieren dabei tendenziell am stärksten, etwa beim Diabetesrisiko. Entscheidend ist bei beiden Formen eine gute Lebensmittelplanung.
Welche Nährstoffe muss ich bei veganer Ernährung besonders beachten?
Bei veganer Ernährung ist eine B12-Supplementierung notwendig, da dieses Vitamin praktisch ausschließlich in tierischen Produkten natürlich vorkommt. Zusätzlich lohnt sich ein Blick auf Vitamin D, Calcium, Jod und Omega-3-Fettsäuren. Bei guter Planung lassen sich alle Nährstoffbedürfnisse pflanzlich abdecken.
Welche Ernährungsform hat den kleineren ökologischen Fußabdruck?
Vegane Ernährung schneidet laut aktuellen Studien am besten ab: Sie reduziert CO2-Emissionen um rund 46 % und die Landnutzung um 33 % gegenüber omnivorer Ernährung. Vegetarische Ernährung liegt mit etwa 35 % CO2-Reduktion knapp dahinter. Beide Ernährungsformen sparen deutlich mehr Ressourcen als eine fleischreiche Ernährung.
Ist Rohveganismus dasselbe wie normale vegane Ernährung?
Nein. Rohveganismus ist eine Sonderform der veganen Ernährung, bei der Lebensmittel nicht über 48°C erhitzt werden. Alle rohveganen Lebensmittel sind automatisch auch vegan, aber nicht jede vegane Mahlzeit ist roh - gekochte oder gebackene vegane Gerichte gehören genauso zur veganen Ernährung.
Kann ich direkt von omnivor zu vegan wechseln oder sollte ich über vegetarisch gehen?
Beides funktioniert - der Umstieg ist eine individuelle Entscheidung. Viele Menschen nutzen vegetarische Ernährung als Zwischenschritt, um sich schrittweise an pflanzliche Alternativen zu gewöhnen. Andere wechseln direkt komplett um. Wichtig ist, dass der Umstieg nachhaltig gelingt - kleine Schritte zählen genauso wie ein kompletter Wechsel.