Vegan für Haustiere

Veganes Hundefutter aus Sicht der Tierärztekammer

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Eine eigene, ausformulierte Positionsschrift zu veganem Hundefutter hat die Österreichische Tierärztekammer nicht veröffentlicht. Was es gibt: zwei öffentliche Stellungnahmen derselben Kammer-Tierärztin in Fernsehbeiträgen, dokumentiert auf der Website der Kammer selbst - und dazu die deutlich ausführlicheren schriftlichen Positionen von Tierschutzorganisationen.

Die Aussagen der Österreichischen Tierärztekammer

Auf tieraerztekammer.at findet sich ein Beitrag vom April 2022 zum ORF-Frühstücksfernsehen "Guten Morgen Österreich": Mag. Manfred del Fabro erklärt darin, vegane Fütterung sei für gesunde Hunde grundsätzlich möglich - vorausgesetzt, wichtige Nährstoffe werden gezielt supplementiert und die Ration wird individuell berechnet. Er nennt außerdem zwei Grundregeln: keine für Hunde giftigen oder blähenden Lebensmittel, und die Fütterung muss auf Alter sowie Energiebedarf abgestimmt sein.

Knapp zwei Jahre später griff die Kammer das Thema erneut auf. In einem Beitrag zu einer ServusTV-Sendung vom Jänner 2024 heißt es unverändert vorsichtig: "Fachleute sind sich uneinig", ob vegane Ernährung für Hunde und Katzen gesund oder schädlich ist. Eine generelle Empfehlung oder Ablehnung spricht die Kammer damit an keiner Stelle aus.

Einschätzungen anderer Fachorganisationen im Vergleich

Anders als die österreichische Kammer haben einzelne Tierschutzorganisationen ihre Einschätzung schriftlich fixiert. Die Kernaussagen im Vergleich:

Organisation Position zu Hunden
Österreichische Tierärztekammer (Medienauftritte) Möglich bei gesunden Hunden, nur mit tierärztlicher Begleitung - keine generelle Empfehlung
Deutscher Tierschutzbund (Mai 2019) Bei gesunden erwachsenen Hunden "ohne erkennbare Schäden tolerierbar", wenn ein auf Tierernährung spezialisierter Tierarzt die Ration berechnet
VIER PFOTEN Österreich (Februar 2023) Möglich, erfordert aber "sehr gutes Wissen über die artgerechte und ausgewogene Fütterung"

Die Richtung ist bei allen drei Stellen ähnlich: kein pauschales Nein, aber auch keine Empfehlung ohne Bedingungen. Zum Vergleich: Die britische Fachgesellschaft BVA veröffentlichte 2024 sogar eine formale Position dazu - 42 % der befragten Kleintierärzt:innen gaben dort an, bereits Patient:innen mit fleischfreier Fütterung zu betreuen (BVA Policy-Meldung). Eine vergleichbare Zahl für Österreich oder Deutschland liegt bisher nicht vor.

Für welche Hunde die Einschätzung überhaupt gilt

Sämtliche zitierten Stellungnahmen beziehen sich ausdrücklich auf gesunde, erwachsene Hunde. Für Welpen sowie trächtige und säugende Hündinnen zieht der Deutsche Tierschutzbund eine klare Grenze: Die Energiedichte veganer Rationen reiche für den erhöhten Bedarf in dieser Lebensphase nicht aus, eine vegane Fütterung sei daher strikt abzulehnen. Wie sich vegan ernährte Hunde in der Praxis engmaschig begleiten lassen, beschreibt die Checkliste fürs Tierarztgespräch.

Eine 2022 in PLOS ONE erschienene Auswertung von 2.639 Hunden liefert dazu ergänzende Zahlen: Bei nährstoffgeprüften veganen Rezepturen berichteten Halter:innen über sieben Gesundheitsindikatoren hinweg ein 14 bis 51 % geringeres Risiko im Vergleich zu konventionellem Futter (Knight et al., 2022). Die Studie ersetzt keine individuelle tierärztliche Einschätzung, zeigt aber, warum das Thema für Fachorganisationen relevant bleibt.

Katzen bleiben ausdrücklich ausgenommen

Sowohl die Tierärztekammer als auch VIER PFOTEN behandeln Katzen getrennt von Hunden. Die Kammer nennt Hunde und Katzen 2024 zwar im selben Satz als umstritten, VIER PFOTEN wird bei Katzen deutlich klarer: Eine vegane Katzenfütterung sei "praktisch nicht umsetzbar", weil Katzen Taurin, Vitamin A und Vitamin D3 nicht aus pflanzlicher Nahrung gewinnen können.

Das ist keine Fütterungsempfehlung, sondern eine Einordnung der aktuellen Studienlage. Die Entscheidung für die eigene Katze gehört in ein Gespräch mit der behandelnden Tierärztin.

Bedeutung fürs eigene Tierarztgespräch

Weder die Tierärztekammer noch die Tierschutzorganisationen sprechen ein pauschales Urteil - sie verlangen alle dieselbe Bedingung: eine bilanzierte Rezeptur und tierärztliche Begleitung statt eigenmächtiger Umstellung. Wer tiefer einsteigen möchte, findet im Artikel Vegane Hundeernährung aus tierärztlicher Sicht weitere Fachquellen zu Nährstoffen und Alterseinstufungen.

Häufige Fragen

Gibt es eine offizielle Positionsschrift der Tierärztekammer zu veganem Hundefutter?
Eine eigene, umfassende Positionsschrift wie beim Deutschen Tierschutzbund liegt von der Österreichischen Tierärztekammer nicht vor. Sie hat sich aber mehrfach über Medienauftritte einer Kammer-Tierärztin öffentlich geäußert - zuletzt 2024 bei ServusTV.
Was sagt die Tierärztekammer konkret zu veganem Hundefutter?
Laut Mag. Manfred del Fabro ist vegane Fütterung für gesunde erwachsene Hunde grundsätzlich möglich, aber nur mit tierärztlicher Begleitung bei Supplementierung und Rationsberechnung. 2024 betonte die Kammer zusätzlich, dass sich Fachleute beim Thema uneinig sind.
Ist veganes Hundefutter in Österreich oder Deutschland verboten?
Nein. Weder die Tierärztekammer noch der Deutsche Tierschutzbund sprechen ein Verbot aus. Beide verlangen aber eine bilanzierte Rezeptur und tierärztliche Begleitung, sonst drohen Mängel, die gegen das Tierschutzgesetz verstoßen können.
Gilt die Einschätzung der Tierärztekammer auch für Welpen?
Nein. Der Deutsche Tierschutzbund lehnt vegane Fütterung bei trächtigen, säugenden Hündinnen und Welpen ausdrücklich ab, weil die Energiedichte veganer Rationen für die Wachstumsphase oft nicht ausreicht. Diese Einschränkung gilt unabhängig vom Land.
Was sagen Tierärztekammer und Tierschutzorganisationen zu veganem Katzenfutter?
Deutlich zurückhaltender als bei Hunden. VIER PFOTEN Österreich bezeichnet eine vegane Katzenfütterung als praktisch nicht umsetzbar, weil Katzen Taurin, Vitamin A und Vitamin D3 nicht aus pflanzlicher Nahrung gewinnen können. Die endgültige Einschätzung trifft immer die behandelnde Tierärztin.
Warum äußert sich die Tierärztekammer nur über Medienauftritte und nicht in einem Papier?
Das ist unbekannt - die Kammer hat dazu keine Begründung veröffentlicht. Vergleichbare Fachverbände wie die britische BVA oder der Deutsche Tierschutzbund haben dagegen eigene, schriftlich fixierte Positionen veröffentlicht.