Öl richtig erhitzen

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Qualmt das Öl in der Pfanne, ist es meist schon zu spät: Der Geschmack kippt Richtung bitter, und die Küche füllt sich mit stechendem Rauch. Mit dem richtigen Öl für die jeweilige Zubereitung und ein paar einfachen Tricks lässt sich das komplett vermeiden.

Rauchpunkt der wichtigsten Öle im Überblick

Der Rauchpunkt ist die Temperatur, ab der ein Öl sichtbar zu rauchen beginnt und sich chemisch zersetzt (Wikipedia: Smoke point). Er unterscheidet sich stark je nach Öl und Verarbeitungsgrad:

Öl Rauchpunkt
Avocadoöl, raffiniert ca. 271 °C
Sonnenblumenöl, raffiniert ca. 227-254 °C
Sesamöl, halbraffiniert ca. 232 °C
Erdnussöl, raffiniert ca. 232 °C
Rapsöl, raffiniert ca. 204-230 °C
Kokosöl, raffiniert ca. 204 °C
Olivenöl, raffiniert ca. 199-243 °C
Natives Olivenöl extra ca. 190 °C

Raffinierte Öle vertragen grundsätzlich mehr Hitze als kaltgepresste, unraffinierte Varianten. Der Grund: Raffination entfernt freie Fettsäuren und andere Begleitstoffe, die bei Hitze zuerst reagieren.

Warum der Rauchpunkt allein nicht entscheidet

Ein hoher Rauchpunkt bedeutet nicht automatisch ein hitzestabiles Öl. Eine australische Studie in ACTA Scientific Nutritional Health verglich mehrere Speiseöle beim Erhitzen über einen längeren Zeitraum und kam zu einem überraschenden Ergebnis: Natives Olivenöl extra blieb stabiler als Kokosöl und sogar als Avocadoöl, obwohl Letzteres einen deutlich höheren Rauchpunkt aufweist.

Als Erklärung vermuten die Forschenden die hohe Konzentration an Antioxidantien im nativen Olivenöl, die das Öl vor Oxidation schützen, selbst wenn die Temperatur über den klassischen Rauchpunkt steigt. Für die Praxis heißt das: Olivenöl ist auch für kräftiges Anbraten und Sautieren geeignet, nicht nur für kalte Gerichte.

Öltemperatur ohne Thermometer testen

Für den Herd ohne Küchenthermometer gibt es einen einfachen Test mit einem trockenen Holzkochlöffel (The Mountain Kitchen):

  1. Den Stiel eines trockenen Holzkochlöffels senkrecht ins Öl halten
  2. Steigen feine, gleichmäßige Bläschen rund um das Holz auf, ist die Temperatur im typischen Frittierbereich von etwa 175 bis 190 Grad
  3. Sprudelt es sofort heftig auf, ist das Öl zu heiß und die Hitze sollte reduziert werden
  4. Bleiben die Bläschen aus, braucht das Öl noch mehr Zeit auf der Platte

Der Trick funktioniert, weil im Holz gebundene Feuchtigkeit bei dieser Temperatur zu verdampfen beginnt und als Bläschen sichtbar wird.

Das passende Öl je Zubereitungsart

Nicht jedes Öl passt zu jeder Kochmethode. Eine grobe Orientierung:

Verbranntes Öl erkennen und richtig entsorgen

Sobald Öl sichtbar raucht, dunkel wird oder streng riecht, zersetzt es sich chemisch in freie Fettsäuren und Glycerin, aus dem bei weiterer Hitze das stechend riechende Acrolein entsteht (Wikipedia: Smoke point). Der veränderte Geruch ist ein zuverlässiges Warnsignal: Öl in diesem Zustand gehört nicht mehr ins Essen.

Verbranntes Öl abkühlen lassen, in ein verschließbares Gefäß füllen und über die Altölsammlung oder den Wertstoffhof entsorgen - niemals über den Abfluss, da es dort Rohre verstopfen kann.

Mit der passenden Öl-Methode-Kombination, dem Holzlöffel-Trick für die Temperaturkontrolle und einem wachsamen Blick auf Farbe und Geruch lässt sich Öl sicher und ohne verbrannten Nachgeschmack erhitzen.

Häufige Fragen

Ab welcher Temperatur raucht Öl?
Das hängt vom Öl ab: Raffiniertes Sonnenblumenöl raucht erst bei rund 227 bis 254 Grad, natives Olivenöl extra dagegen schon bei etwa 190 Grad. Kaltgepresste, unraffinierte Öle haben grundsätzlich einen niedrigeren Rauchpunkt als raffinierte Varianten, weil sie mehr Begleitstoffe wie freie Fettsäuren enthalten.
Kann man Olivenöl zum Braten erhitzen?
Ja. Eine australische Studie in ACTA Scientific Nutritional Health zeigte, dass natives Olivenöl extra beim Erhitzen stabiler blieb als Kokosöl und sogar als Avocadoöl, obwohl Letzteres einen deutlich höheren Rauchpunkt hat. Für starkes Anbraten und Frittieren eignet sich aber raffiniertes Olivenöl mit seinem höheren Rauchpunkt besser.
Wie testet man die Öltemperatur ohne Thermometer?
Den Stiel eines trockenen Holzkochlöffels ins Öl halten. Steigen feine, gleichmäßige Bläschen auf, liegt die Temperatur im typischen Frittierbereich von etwa 175 bis 190 Grad. Sprudelt das Öl sofort heftig auf, ist es zu heiß, bleiben die Bläschen aus, muss es noch weiter erhitzt werden.
Welches Öl eignet sich zum Frittieren?
Raffinierte Öle mit hohem Rauchpunkt wie Sonnenblumen-, Raps- oder Erdnussöl, da sie Temperaturen von 220 Grad und mehr aushalten, ohne zu rauchen. Sie haben zudem einen neutralen Geschmack, der die Aromen der frittierten Speise nicht überdeckt.
Was passiert, wenn Öl zu stark erhitzt wird?
Das Öl zerfällt chemisch in freie Fettsäuren und Glycerin, aus dem bei weiterer Hitze der stechend riechende Stoff Acrolein entsteht, der Augen und Atemwege reizt. Gleichzeitig verändert sich der Geschmack spürbar Richtung bitter und verbrannt, ein zuverlässiges Warnsignal, die Hitze sofort zu reduzieren.
Kann verbranntes Öl weiterverwendet werden?
Nein. Sobald Öl sichtbar raucht, dunkel wird oder streng riecht, sollte es entsorgt und nicht weiterverwendet werden. Am besten abkühlen lassen, in ein verschließbares Gefäß füllen und über die Altölsammlung oder den Wertstoffhof entsorgen, niemals über den Abfluss.
Welches Öl ist für kalte Speisen am besten?
Native, kaltgepresste Öle wie natives Olivenöl extra, Leinöl oder Sesamöl, da sie unerhitzt ihr volles Aroma und die meisten Begleitstoffe behalten. Für Dressings und zum Beträufeln fertiger Gerichte sind sie geschmacklich intensiver als raffinierte Varianten.