Vegane Haarpflege aus der Küche

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Avocado, Olivenöl und Apfelessig liegen ohnehin meist in der Küche bereit - und pflegen nebenbei auch trockenes, durch Heizungsluft und Hauben strapaziertes Haar. Die folgenden Anwendungen sind rein pflanzlich, einfach nachzumachen und durch aktuelle Forschung zumindest teilweise erklärbar.

Ölmasken für trockenes Haar

Eine Studie zum Effekt verschiedener Öle auf Haarprotein zeigt: Nicht jedes Pflanzenöl wirkt gleich. Kokosöl dringt dank seiner kleinen, geraden Molekülstruktur tief in den Haarschaft ein und reduziert dort nachweisbar den Proteinverlust. Öle wie Olivenöl oder Avocadoöl bestehen dagegen überwiegend aus der sperrigeren Ölsäure - sie legen sich eher glättend auf die Haaroberfläche, statt tief einzudringen. Beide Effekte machen sich beim Kämmen bemerkbar, nur eben unterschiedlich.

Avocado-Öl-Maske:

  1. ½ Avocado mit einer Gabel fein zerdrücken oder pürieren
  2. 1 EL Olivenöl und einen Spritzer Zitronensaft einrühren
  3. Auf handtuchtrockenem Haar verteilen, 20 Minuten einwirken lassen
  4. Wie gewohnt auswaschen

Die Maske gehört vor die Haarwäsche, nicht danach - sonst wirkt das Haar hinterher schnell strähnig statt griffig.

Essig-Spülung für mehr Glanz

Gesundes Haar liegt mit einem leicht sauren pH-Wert am besten - alkalische Behandlungen öffnen die Schuppenschicht, saure Spülungen unterstützen das Gegenteil. Genau hier setzt die klassische Apfelessig-Spülung an: 2 EL Apfelessig auf 1 Liter Wasser verdünnen und nach dem Waschen über die Längen geben. Laut Auswertungen zur Essigspülung ist die Studienlage insgesamt zwar noch dünn, der glättende Effekt auf die Schuppenschicht gilt aber als plausibler Mechanismus für den Glanzeffekt.

Patch-Test empfohlen: Bei empfindlicher Kopfhaut vorab eine kleine Menge am Unterarm testen und die Essig-Spülung gründlich auswaschen.

Bier-Spülung im Wissenschafts-Check

Bier ist eine alte Hausmittel-Empfehlung für glänzendes Haar - Malz und Hopfen liefern tatsächlich B-Vitamine und geringe Mengen Protein. Für die verbreitete Behauptung, diese Stoffe würden sich beim Spülen ans Haar binden und es kräftigen, gibt es laut aktueller Auswertung allerdings bislang keinen klinischen Nachweis. Wer es dennoch ausprobieren möchte: zimmerwarmes, offenes Bier nach der Wäsche über die Längen geben, der Geruch verfliegt beim Trocknen von selbst.

Holzkamm gegen fliegende Haare

Menschliches Haar liegt in der triboelektrischen Reihe weit auf der positiven Seite, Kunststoffe wie PVC oder Polyethylen dagegen weit auf der negativen. Beim Kämmen mit einem Plastikkamm wandern deshalb Elektronen vom Haar zum Kamm ab - die Strähnen laden sich gleichnamig auf und stoßen sich gegenseitig ab. Holz liegt in der Reihe neutral und lädt das Haar dadurch kaum auf.

Warum Haar im Winter besonders leidet

Heizungsluft senkt die Luftfeuchtigkeit in Innenräumen deutlich ab. Eine Untersuchung zu winterlicher Heizungsluft maß bei einer Luftfeuchtigkeit von rund 23 Prozent bereits nach sechs Stunden einen deutlich erhöhten Feuchtigkeitsverlust. Übertragen aufs Haar bedeutet das: Die Schuppenschicht hebt sich an, das Haar wirkt rauer und verheddert sich leichter - ein Grund mehr für regelmäßige Öl- oder Essig-Anwendungen in der kalten Jahreszeit.

Öl Wirkweise Am besten für
Kokosöl Dringt in den Haarschaft ein, reduziert Proteinverlust Sehr trockenes, strapaziertes Haar
Avocadoöl Legt sich glättend auf die Oberfläche Glanz und Kämmbarkeit
Olivenöl Legt sich glättend auf die Oberfläche Spitzen und Längen
Sonnenblumenöl Kaum Eindringtiefe laut Studienlage Weniger geeignet als Haarkur

Wer seine Pflegeroutine grundsätzlich pflanzlich und tierversuchsfrei gestalten möchte, findet in unserem Guide zu veganen Kosmetikmarken und der Übersicht zu veganer Naturkosmetik weitere Anlaufstellen für Shampoo, Spülung und Co.

Häufige Fragen

Wie oft sollte ich eine Öl-Haarkur anwenden?
Einmal pro Woche reicht bei normal trockenem Haar aus. Bei sehr strapaziertem Haar kann eine zweite Anwendung pro Woche helfen, allerdings sollte die Kopfhaut dabei nicht fetten oder gereizt reagieren. Öl-Kuren gehören vor die Wäsche, nicht danach - sonst wirkt das Haar nach dem Trocknen schnell strähnig.
Warum wirkt Kokosöl anders als Avocado- oder Olivenöl?
Kokosöl besteht überwiegend aus Laurinsäure mit kleiner, gerader Molekülstruktur und kann dadurch tief in den Haarschaft eindringen. Avocado- und Olivenöl bestehen vor allem aus Ölsäure mit sperrigerer Struktur und legen sich eher als glättende Schicht auf die Haaroberfläche. Beide Effekte pflegen das Haar, wirken aber unterschiedlich tief.
Ist eine Apfelessig-Spülung für jeden Haartyp geeignet?
Grundsätzlich ja, solange der Essig ausreichend verdünnt wird (2 Esslöffel auf 1 Liter Wasser). Bei gereizter Kopfhaut oder offenen Stellen sollte vorher ein Patch-Test am Unterarm erfolgen. Menschen mit sehr empfindlicher Kopfhaut sollten die Einwirkzeit kurz halten und gründlich nachspülen.
Hilft eine Bier-Spülung wirklich gegen stumpfes Haar?
Die wissenschaftliche Belege dafür sind dünn. Bier enthält zwar B-Vitamine und geringe Proteinmengen aus Malz und Hopfen, ein klinischer Nachweis dafür, dass diese Stoffe beim Spülen an das Haar binden und es sichtbar kräftigen, fehlt bislang. Der Glanzeffekt lässt sich eher mit dem Ausspülen von Rückständen erklären.
Warum wird Haar mit Plastikkämmen schneller "fliegend"?
Menschen-Haar steht in der triboelektrischen Reihe weit auf der positiven Seite, gängige Kunststoffe wie PVC oder Polyethylen weit auf der negativen. Beim Kämmen mit Plastik gehen deshalb Elektronen vom Haar auf den Kamm über, die Strähnen laden sich gleich auf und stoßen sich ab. Holz liegt neutral und lädt Haar kaum auf.
Warum wird Haar im Winter trockener?
Heizungsluft senkt die Luftfeuchtigkeit in Innenräumen stark ab. Dadurch wandert Feuchtigkeit aus Haar und Haut in die trockene Umgebungsluft, die Schuppenschicht des Haars hebt sich an und das Haar wirkt rau und stumpf. Eine Untersuchung zu winterlicher Heizungsluft maß bereits nach sechs Stunden trockener Raumluft messbar erhöhten Feuchtigkeitsverlust auf der Haut.