Ist Federweißer vegan?

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Federweißer wirkt naturbelassen: trüb, hefig, noch in Gärung - genau das macht viele Menschen glauben, er könne gar nicht geschönt und damit automatisch vegan sein. Das stimmt so nicht immer. Manche Betriebe klären ihn trotz der erwünschten Trübung mit Gelatine oder Hausenblase (Fischblase), auch wenn das laut Fachquellen seltener vorkommt als bei fertigem Wein.

Wer auf Nummer sicher gehen will, braucht deshalb ein V-Label, eine explizite Vegan-Kennzeichnung - oder die direkte Nachfrage beim Winzer.

Sturm und Federweißer sind dasselbe Getränk unter zwei Namen

In Österreich heißt das Getränk Sturm, in Deutschland Federweißer beziehungsweise bei Rotwein-Trauben Federroter. Beide bezeichnen dieselbe Zwischenstufe: gärender Traubenmost, in dem die Hefe noch aktiv Zucker in Alkohol und Kohlensäure umwandelt - daher die leichte Prickeligkeit und der süß-herbe Geschmack, der sich von Tag zu Tag verändert.

Laut Österreich Wein Marketing dürfen für Sturm ausschließlich Trauben aus Österreich verwendet werden, hergestellt aus früh reifenden Sorten wie Bouvier, Müller-Thurgau, Sylvaner, Blauburger und Frührotem Veltliner. Der offizielle Verkaufszeitraum läuft von 1. August bis 31. Dezember - in den Regalen steht Sturm meist ab Anfang September, sobald die ersten Trauben geerntet sind.

Warum Federweißer trotz Trübung geschönt wird

Der Grund, warum überhaupt geschönt wird, überrascht viele: Laut einem Bericht eines Weinverbands aus Baden-Württemberg, den vegpool.de zitiert, kommt die Klärung mit Gelatine oder Hausenblase bei Federweißer durchaus vor - auch wenn sie unüblicher ist als bei fertigem Wein. Die Praxis unterscheidet sich von Hersteller zu Hersteller, eine einheitliche Branchenregel gibt es nicht.

Diese vier Stoffe klären trüben Wein und Most, bevor sie am Ende wieder herausgefiltert werden:

Schönungsmittel Herkunft Typischer Einsatz
Gelatine Tierknochen, Sehnen, Knorpel Rotwein
Hausenblase (Fischblase) Schwimmblase von Fischen, meist Stör Weißwein
Eiklar (Albumin) Hühnereiweiß Rotwein, reduziert Bitterstoffe
Kasein Milchprotein Farb- und Trübungskorrektur

Da diese Hilfsstoffe nach der Anwendung wieder entfernt werden, gelten sie als "Verarbeitungshilfsstoffe" und müssen - außer bei Eiklar und Kasein - nicht auf dem Etikett stehen. Das macht die Zutatenliste allein zur unzuverlässigen Erkennungsquelle.

Veganen Federweißer und Sturm erkennen

Pflanzliche Alternativen leisten laut Vegane Gesellschaft Österreich genau dasselbe wie die tierischen Varianten - bei ähnlichen Kosten:

Am zuverlässigsten erkennst du veganen Federweißer oder Sturm am V-Label, einer geschützten Kennzeichnung der European Vegetarian Union. Fehlt das Label, hilft nur die direkte Nachfrage beim Winzer - viele kleinere Betriebe klären zwar längst pflanzlich, haben das aber nie zertifizieren lassen.

Österreichs Weinbranche produziert laut Vegane Gesellschaft Österreich jährlich rund 250 Millionen Liter Wein - ein Markt, in dem sich immer mehr Betriebe für pflanzliche Schönung entscheiden.

Weingut Fürnkranz: vegan zertifiziert seit 2013

Ein positives Beispiel aus Österreich ist das Weingut Fürnkranz im Weinviertel: Der Familienbetrieb besteht laut Weinviertel DAC seit 1625 und ist bereits seit 2013 vegan zertifiziert. Nach eigenen Angaben auf vegan-wein.at werden sämtliche Produkte konsequent ohne tierische Weinbehandlungsmittel hergestellt.

Solche zertifizierten Betriebe sind noch die Ausnahme, zeigen aber, dass sich pflanzliche Klärung und Qualität nicht ausschließen.

Federweißer und Sturm richtig genießen

Federweißer und Sturm sind gärende, alkoholische Getränke - der Alkoholgehalt steigt täglich, während die Süße abnimmt. Klassisch serviert wird beides gekühlt, in Deutschland gerne zu Zwiebelkuchen, in Österreich zu Kastanien oder deftigen Brettljausen. Wegen der laufenden Gärung nie fest verschließen und im Kühlschrank aufbewahren - sonst kann die Flasche durch den entstehenden Druck platzen.

Wer eine vegan zertifizierte Flasche gefunden hat, kann also unbesorgt in die Herbstsaison starten.

Häufige Fragen

Ist Federweißer automatisch vegan, weil er trüb und ungefiltert wirkt?
Nein. Auch wenn Trübung und Hefereste zum Charakter von Federweißer gehören, klären manche Betriebe ihn trotzdem mit Gelatine oder Hausenblase. Das kommt laut Fachhändlern seltener vor als bei fertigem Wein, ist aber nicht ausgeschlossen - ohne Herstellerangabe lässt sich das von außen nicht erkennen.
Was ist der Unterschied zwischen Sturm und Federweißer?
Es ist dasselbe Getränk unter zwei Namen: Sturm ist die österreichische Bezeichnung, Federweißer beziehungsweise Federroter die deutsche. Beide bezeichnen den gärenden Traubenmost auf dem Weg zum fertigen Wein, hergestellt aus denselben frühreifen Rebsorten.
Woran erkenne ich veganen Federweißer oder Sturm im Handel?
Am zuverlässigsten am V-Label oder einer expliziten 'vegan'-Kennzeichnung auf der Flasche. Fehlt die Angabe, hilft nur die direkte Nachfrage beim Winzer oder Händler, ob mit Bentonit beziehungsweise Erbsenprotein statt Gelatine oder Hausenblase geklärt wurde.
Warum verwenden manche Betriebe überhaupt tierische Schönungsmittel, wenn pflanzliche genauso gut funktionieren?
Pflanzliche Alternativen wie Bentonit, Erbsenprotein oder Ultrafiltration kosten laut Fachquellen ähnlich viel wie Gelatine und Hausenblase. Der Grund liegt meist in eingefahrenen Betriebsabläufen und traditionellen Rezepturen, nicht in Kosten oder Wirksamkeit.
Wie lange ist Sturm in Österreich überhaupt erhältlich?
Der offizielle Verkaufszeitraum für Sturm läuft laut Österreich Wein Marketing von 1. August bis 31. Dezember. In der Praxis kommt Sturm meist ab Anfang bis Mitte September in den Handel, sobald die ersten frühreifen Rebsorten geerntet sind.
Enthalten Federweißer und Sturm schon Alkohol?
Ja, der Alkoholgehalt steigt mit fortschreitender Gärung täglich an, während der Traubenmost gleichzeitig Süße verliert. Federweißer und Sturm sind alkoholische Getränke und für Schwangere sowie Kinder nicht geeignet.